Mitten in Freising:Freier Blick auf die Kanalisation

Die Stadt macht sich richtig schick - und dann merkt es keiner

Glosse von Birgit Goormann-Prugger

Manchmal ist es ja so. Da kann man sich noch so viel Mühe geben, die Ärmel hochkrempeln, man macht und tut und wirft sich richtig rein in die Sache . . . und dann kommt sie einfach nicht so an, wie man es sich gewünscht hat. Da hat sich zum Beispiel die Stadt Freising an das Mega-Projekt Moosach-Öffnung herangewagt. Damit es wieder hübsch plätschert in der Freisinger Innenstadt. So wie vor 1880, als man einfach einen Deckel über das Gewässer legte, damit man mehr Platz hatte. Jetzt soll man bald wieder gemütlich entlang der Moosach inmitten der historischen Altstadt flanieren, im Sommer auf den Sitzstufen ein Eis schlecken, die Füße im Wasser baden. Und dem innerstädtischen Klima soll die kühle Moosach an heißen Tagen auch einmal gut tun. Dafür nimmt man einiges in Kauf. Kosten in Millionenhöhe und ein lärmendes Chaos an der Oberen Hauptstraße, das Anwohner und Geschäftsleute an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt.

Und dann kommt da dieses Paar, steht an einem Bauzaun und blickt von dort aus auf ein Stück der bereits plätschernden Moosach. Die beiden sind ganz offensichtlich nicht ortskundig, denn sie schütteln verständnislos den Kopf. "Die haben hier aber einen hohen Grundwasser spiegel", wundert sich der Mann. Die Frau weiß es besser: "Das ist doch bestimmt die Kanalisation, aber, warum sie die hier wohl offen fließen lassen?" Da macht sich Freising richtig schick - auch für Besucher von auswärts - und dann merken die das gar nicht.

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