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Mitten in Freising:Auferstanden aus der Krise

Der Landkreis erwacht aus der Corona-Trance, Skelette werden ausgebuddelt und eine scheinbar überholte Technik feiert ein Comeback

Glosse von Thilo Schröder

In den 90er Jahren brachte eine japanische Firma eine Innovation auf den Markt, die in den vergangenen Jahren kaum noch Beachtung fand, nun aber ein Comeback gefeiert hat: den QR-Code. Dem simplen zweidimensionalen Code begegnet man heute im Landkreis bei Besuchen im Biergarten oder bei Terminen in Behörden. Überall dort, wo man Kontaktdaten über die Luca-App oder alternative Dienste hinterlassen soll oder anzeigen möchte, dass man bereits eine Corona-Schutzimpfung erhalten hat.

Auch an anderer Stelle wird Altes gerade wiederentdeckt und aufpoliert, geschichtsträchtige Gebäude etwa. In der Moosburger Altstadt will der Abgeordnete Johannes Becher (Grüne) das 500 Jahre alte Hudler-Haus sanieren. In Neufahrn soll das alte Mesnerhaus restauriert werden. In Giggenhausen sammeln Anwohner eine Million Euro, um ihr Dorfgasthaus, den Metzgerwirt, zu erwerben. Immerhin ein fast 150 Jahre altes Gebäude.

Ähnlich alt wie das Hudler-Haus dürften nach archäologischer Einschätzung die Skelette sein, auf die Bauarbeiter zuletzt in der Freisinger Innenstadt gestoßen sind. Ob es den Toten recht ist, dass sie dieser Tage ausgebuddelt werden, darüber lässt sich freilich debattieren. So was passiert wohl, wenn aus Friedhöfen Innenstadtstraßen werden. Wenn die Freisinger Altstadt irgendwann aufersteht aus ihrem Baustellen-Dasein, dürfte die Freude hierüber überwiegen.

Angrenzend an die Baustelle ist am Mittwoch vergangener Woche etwas ganz anderes auferstanden: der Freisinger Wochenmarkt, zurückgekehrt an die alte Stätte nach über einem Jahr in der Luitpoldanlage. Auferstanden aus der Corona-Trance sind zuletzt bekanntlich auch die Freibäder. Und sogar ins Freisinger Klinikum kommen Besuchende wieder ganz ohne Tests und sonstige Nachweise.

Ein paar Auferstehungswünsche bleiben naturgemäß immer offen: Wird es etwa irgendwann wieder ein Kino in Freising geben? Oder werden im Landkreis irgendwann wieder Survivaltrainings für Bachforellen stattfinden? Das Trainingslager der Landesanstalt für Landwirtschaft ist in Starnberg angesiedelt, weil hierzulande zu viel geangelt wird. Ansonsten hat man dieser Tage aber den Eindruck, dass eine allgemeine Auferstehungsstimmung herrscht. Vielleicht werden künftige Chronistinnen und Chronisten das ja dereinst so festhalten, in den Geschichtsbüchern von morgen.

© SZ vom 17.06.2021
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