Süddeutsche Zeitung

Mitten in Freising:Auf boarisch gsagt

Der Trend zum Regionalen zeigt sich auch im Schilderwald

Glosse von Corinna Bail

Es ist erstaunlich, was mittlerweile alles auf Blechschildern kommuniziert wird: Straßenregeln, "Werbung ja" oder "Werbung nein" an Briefkästen, "Das ist kein Hundeklo" oder "Hier wache ich" und schließlich seit Neuestem die Maskenpflichtzonen. Man sieht Schilder, so weit das Auge reicht - außer, die Maske ist wieder mal verrutscht und verringert den Blickwinkel.

In einer Freisinger Wohnsiedlung unweit der Innenstadt ist eine ganz besondere Rarität der Schilderschmiede zu entdecken: In bayerischer Mundart macht dort ein Hausbesitzer auf das Parkverbot vor seiner Ausfahrt aufmerksam. Besonders solche Zeitgenossen, die - so sagt es der Volksmund - angeblich auch ihren Namen tanzen können, sind anscheinend ungern mit ihren Fahrzeugen vor dem Grundstück gesehen. Ob es da Zufall ist, dass direkt neben besagter Ausfahrt ein Waldorfkindergarten zu finden ist? Der Redaktion liegen aktuell jedenfalls keine Beweise für diesen möglichen Zusammenhang vor. Denkbar wäre auch, dass noch etwas anderes den Hausbesitzer zum Kauf dieser Hinweistafel motiviert hat: der liebevoll auf Bayrisch formulierte Text. Schließlich wird in vielen Regionen des Freistaats größtenteils noch der jeweilige Dialekt gesprochen. Für fragende Gesichter sorgt da eher, wer versucht, auf Hochdeutsch oder im falschen Dialekt zu kommunizieren.

Warum also nicht auch im Schilderwald zu Corona-Zeiten die bayerische Redensart einsetzen? Vielleicht versteht so selbst der letzte Maskenmuffel die Aufforderung des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung. Hier also exklusiv der Servicebeitrag für all jene, die eine Belehrung mit Lebensweltnähe brauchen: "Des is a Masknpflichtzone! Do geht's nua mit Maskn eini! Selbst, wennst a Leberkassemmel oder a Zigarettn wuist - de Maskn bleibt auf der Babbn und überm Zinkn! Host mi?"

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Quelle:
SZ vom 20.11.2020
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