Mitten in Freising:Alles geheim bei den Handballern

Beim Handballverein HSG Freising-Neufahrn beherrscht man die hohe Kunst der Geheimhaltung

Glosse von Alexander Kappen

Im Sport ist es an der Tagesordnung, dass sich Vereine nicht gerne in die Karten schauen lassen. Im Profifußball werden gerne mal blickdichte Zäune oder Wände hochgezogen, um die Konkurrenz im Dunklen tappen zu lassen und ihr nicht schon Tage vor einem wichtigen Spiel Hinweise auf Aufstellung und taktische Ausrichtung auf dem Silbertablett zu servieren. Bei der HSG Freising-Neufahrn spielen sie den Ball zwar nicht mit dem Fuß, sondern der Hand. Und das auch nicht auf Profi-, sondern nur auf gehobenem Amateurniveau. Dennoch beherrscht man auch dort die hohe Kunst der Geheimhaltung. Zumindest im Netz.

Wer die Homepage der Handball-Spielgemeinschaft aufruft und oben in der Menüleiste etwa die Rubriken "Teams", "Training" oder "Über uns" anklickt, der sieht im Wesentlichen - nichts. Also bis auf diesen Hinweis: "Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anschauen zu können, bitte das Passwort eingeben." Blickdichte Zäune und Wände funktionieren offenbar auch in der digitalen Welt ganz gut. So gut, dass man sich fragt, ob das Kürzel HSG in Wahrheit womöglich für "Hochsicherheitsgesellschaft" steht.

So gut geschützt alle relevanten Informationen rund um die Spielgemeinschaft auch sein mögen, eine kleine Sicherheitslücke gibt es dann doch. Auf der Startseite tauchen - auch wenn man über kein Passwort verfügt - tatsächlich zwei News-Beträge auf. Unter anderem über das weibliche Bayernligateam, "das Aushängeschild der HSG", wie es dort heißt. Und dieses scheint nicht nur Menschen aus Fleisch und Blut, sondern auch verwaiste Holzbänke in seinen Bann zu ziehen. Denn, so steht es geschrieben, "die verjüngte Mannschaft begeistert Fans ebenso wie leere Publikumsränge".

Die Zeiten, als man Zuschauersitze statt Zuschauer begeistern musste, sind jedoch erst mal vorbei, Fans sind in den Hallen nun wieder zugelassen. Und wer wissen will, wann er das Bayernligateam, das gerade mit einem Remis in Dachau in die neue Saison gestartet ist, einmal live bei einem Heimspiel verfolgen kann, findet die Termine auf den Seiten des Bayerischen Handballverbandes. Ganz ohne Passwort.

© SZ vom 21.09.2021
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