Mitten in Freising:Alle Mann ins Auto

Zu Fuß gehts am Besten am Stau vorbei

Von Birgit Goormann-Prugger

Das Schöne daran, sich in den Sommerferien in Freising auf den Weg zur Arbeit zu machen, ist die allgemeine Behaglichkeit, die sich - üblicherweise - mit dem Start der Ferien über diese Stadt legt. Die Straßen sind frei, mit dem Fahrrad kommt man dann erst recht schnell ans Ziel. Kinder müssen ja nicht mehr in riesigen Blechkisten zur Schule chauffiert werden, Eltern nicht gleich danach wieder schnell zurück ins Büro oder ins Home-Office, wie auch immer sich das gerade gestaltet.

Und weniger Autofahren soll ja auch gut für das Klima sein, sagen Menschen, die sich damit auskennen, so nebenbei erwähnt. Im Moment indes hat man den Eindruck, als sei man in der Stadt Freising weit davon entfernt, die so nötige Verkehrswende umzusetzen. Alle Welt scheint sich stattdessen noch extra ins Auto zu hocken und sei die Strecke noch so kurz. Ganz besonders gern fahren die Menschen dabei übrigens mit dem Auto mitten durch die Großbaustelle in der Freisinger Innenstadt. Als ob es Spaß machen würde, dort irgendwann vor einem monströsen Bagger zu stehen.

Aber zurück zum Ausgangspunkt dieser Geschichte: Am Montag schwingt man sich im Freisinger Norden vor der Haustür aufs Rad. Gut, man ist ein bisschen spät dran, aber in fünf Minütchen, so rechnet man, sollte man am Schreibtisch sitzen. Was man indes vor der eigenen Haustür sieht, ist ein Stau, ein langer Stau. Weil man eine pflichtbewusste Radfahrerin ist, umgeht man den nicht auf dem Gehweg. Denn das ist verboten, außer man ist acht Jahre alt, was man ziemlich offensichtlich nicht mehr ist. Also stellt man sich in den Stau und landet gerade so eben noch pünktlich, aber vollkommen unvorbereitet in der Konferenz. Am Dienstagmorgen dann das gleiche Bild. Ein Stau vor der Haustür, genauso am Mittwoch.

Für den Donnerstag hat man sich jetzt mal vorgenommen, zu Fuß zu gehen, ganz gemütlich - und dafür auch ganz sicher rechtzeitig das Haus zu verlassen. Dafür darf man dann nämlich ganz legal auf dem Gehweg am Stau vorbeischlendern und sich wundern. Als Anregung für eine Lösung des Problems hier nun noch ein Auszug von der Website der Stadt Freising zum Thema Mobilität in der Stadt. "Die Freisinger sind alters- und zweckübergreifend mit dem Radl unterwegs. Insbesondere für Strecken von kurzer und mittlerer Entfernung spielt das Rad eine große Rolle. Und das trotz bestehender, erheblicher Defizite im Rad- und Fußwegenetz." Ach. Wirklich?

© SZ vom 05.08.2021
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