Süddeutsche Zeitung

Mitten im Landkreis:Es gibt sie doch, die Good News

Gottesdienste im Wirtshaus, Whats-App-Gruppen und grüne Dächer - es ist nicht alles schlecht in diesen Zeiten

Glosse von Alexander Kappen

So eine Pandemie ist kein Kindergeburtstag. Zwar wirken die Verantwortlichen von Bund und Ländern bei der Auswahl ihrer Infektionsschutzmaßnahmen zuweilen genauso orientierungslos wie ein Vierjähriger beim Topfschlagen. Nur findet das niemand lustig. Auch sonst gibt es - seit nunmehr fast eineinhalb Jahren - kaum Erheiterndes. Nach einem zarten Hoffnungsschimmer im Frühsommer schlägt die Coronakrise, zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, gerade wieder mit ein paar Stimmungstötern zurück: Impfmüdigkeit, Delta-Variante, steigende Infektionszahlen.

Das kann einem echt so richtig die Laune verhageln, aber hey, wer wird denn hier gleich den Kopf hängen lassen? Es gibt sie schließlich noch, die kleinen Freuden des Alltags. Die täglichen Good News, die einem auch in diesen Zeiten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Moosburger Stadtrat zum Beispiel, der hat immer noch genug Humor, um sich trotz coronabedingter Finanzeinbußen den Spaß zu erlauben, Wochen und Monate lang darüber zu streiten, ob er sich bei einem Grundschulanbau eine 500 000 Euro teure Dachbegrünung leisten will. Wobei selbst die, die das beantragt haben, das für einen Witz halten. Allerdings nicht das grüne Dach, sondern die in ihren Augen lächerliche Kostenberechnung.

Grund zur Freude haben, wenn man so will, auch die Bürger des Freisinger Ortsteils Neustift, die seit Wochen gegen die geplante Bebauung des dortigen "Erdbeerfelds" mobil machen. Auf fünfstöckige Gebäude soll nun doch verzichtet und die Zahl der Wohnungen reduziert werden. Da es immer noch 170 statt der ursprünglich vorgesehenen 180 sind, dürfte ihnen aber das Lachen wohl im Hals stecken bleiben.

Eine uneingeschränkt gute Nachricht kommt dagegen vom Flughafen. Dort stand am Donnerstag die Amtseinführung der neuen evangelischen Pfarrerin auf dem Programm - in keiner Kapelle oder Kirche, sondern im Airbräu. Vor nicht allzu langer Zeit durfte man in Wirtshäusern noch nicht mal ein Bier trinken, jetzt finden dort sogar schon Gottesdienste statt. Wenn das mal kein positives Signal ist. Und noch ein Zeichen, dass nicht alles schlecht ist, es mancherorts sogar steil bergauf geht: Beim Nandlstädter Imkerverein, der sich diesen Freitag zur Hauptversammlung trifft, denkt man tatsächlich über die Gründung einer Whatsapp-Gruppe und einen regelmäßigen Stammtisch nach. Womöglich sogar in einem Wirtshaus mit begrüntem Dach.

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Quelle:
SZ vom 30.07.2021
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