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Mitten im Landkreis:Der BER macht Schule

Der Berlinger Flughafen ist kein Unikum, auch im Landkreis gibt es einige BERs

Glosse von Nadja Tausche

Es ist eine frohe Botschaft: Das Kino macht bald auf! Das Frühjahr sei das große Ziel, dann könne das sehnlich erwartete Freisinger Lichtspielhaus die ersten Besucher empfangen, heißt es von Chefseite. Nun muss man fragen, wie froh die Botschaft die Freisinger tatsächlich macht. Der Mensch ist bekanntlich recht anfällig für den Gewöhnungseffekt - und die Kunde vom Kino hat er wahrlich schon öfter gehört. Für Ende 2017 war die Eröffnung eigentlich geplant, irgendwann sprach man vom Frühjahr 2019. Als der Zeitpunkt gekommen war und für den laienhaften Baustellenbesucher noch nicht einmal ersichtlich war, dass es sich um künftige Kinosäle handelt, wollte niemand mehr einen konkreten Eröffnungstermin nennen.

Nun gibt es freilich gute Gründe, warum es so lange dauert: Das Dach sollte einen halben Meter höher werden als geplant, derartige Abweichungen vom Bebauungsplan mussten erst einmal im Planungsausschuss des Stadtrats diskutiert werden. Und dann sprang plötzlich die ursprüngliche Betreiberfirma ab.

Trotzdem: Wer das Prozedere um das neue Lichtspielhaus verfolgt, fühlt sich irgendwie erinnert. Eröffnung geplant, verschoben, geplant, verschoben - war da nicht mal was, mit diesen Fortbewegungsmitteln, die auch in Freising eine große Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung spielen: genau, Flugzeuge? Im November 2020 hat der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet - neun Jahre nach dem geplanten Start des Flugbetriebs im November 2011. Blöd nur, dass just zum Zeitpunkt der Eröffnung eine globale Pandemie den Flugverkehr auf der ganzen Welt lahmlegt.

Dass die Eröffnung so ungünstig fällt, das wird zumindest in Neufahrn aller Voraussicht nach nicht passieren. Ein Kino gibt es hier schon länger, eine Art gemeindeeigenen BER findet man trotzdem. Seit 1998 schon ist die Gemeinde Eigentümerin des Mesnerhauses: Seit Jahren plant man, darin Räume für Heimatgeschichte und einen multifunktionalen Raum für verschiedene Nutzungen einzurichten. 2015 allerdings brannte es, dann kam der Schimmel. Jetzt wurden die Sanierungspläne aber erst einmal auf Eis gelegt. Wegen Corona fehlt das Geld, nur noch "substanzerhaltende Maßnahmen" stehen an. Wer nun positiv denken will, der argumentiert eben: Gut Ding braucht Weile.

Wahrlich, man kann es nur hoffen. Beim BER tropfte noch im Monat der Eröffnung der Regen von einem Loch in der Decke.

© SZ vom 27.11.2020
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