Messungen im Flughafenumland "Gut, dass sich jemand kümmert"

Flugzeugturbinen emittieren Ultrafeinstaub. Der Bürgerverein misst die Belastung im Umland des Münchner Flughafens.

(Foto: Natalie Neomie Isser)

Freisings OB dankt dem Bürgerverein für den Einsatz gegen die Ultrafeinstaubbelastung. Mit einem neuen Gerät kann der Verein noch kleinere Partikel messen.

Von Johann Kirchberger, Freising

Zufrieden ist der Freisinger Bürgerverein mit seiner Arbeit. Diese habe mit dazu beigetragen, dass Ultrafeinstaub mittlerweile deutschlandweit Thema sei, hieß es am Montag bei der Jahreshauptversammlung im Grünen Hof. Unzufrieden ist der Verein, dass die verantwortlichen Stellen nach wie vor untätig seien, obwohl sie seit 1990 von der Gefährlichkeit der Ultrafeinstaubpartikel (UFP) wüssten.

Vorsitzender Reinhard Kendlbacher: "Im Umweltausschuss des Landtags wurde ein UFP-Monitoring mit den Stimmen der CSU abgelehnt. Auch die FMG misst keine UFP. Jetzt machen's eben wir". Für dieses Engagement dankte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, zugleich Vorsitzender der Fluglärmkommission, dem Bürgerverein: "Gut, dass es jemand gibt, der sich um dieses Problem kümmert."

Die Experten des Bürgervereins können dafür seit kurzem ein zweites Messgerät einsetzen. Zu dessen Finanzierung hat mit einer Spende von 10 000 Euro die Sparkasse auf Empfehlung der Stadt Freising beigetragen. In der Versammlung stellte Oswald Rottmann das neue Gerät mit dem Namen "DISCmini" vor. Während das bisherige "P-Trak"-Messgerät nur Partikel bis zu einer Größe von 20 Nanometer (nm) erfasste, könnten mit dem neuen Gerät Partikel bis hinunter zu zehn Nanometern gemessen werden, sagte er. Damit, so Rottmann, "können wir jetzt auch die extrem kleinen Partikel darstellen, die besonders gesundheitsschädlich sind".

Durch die Angabe der Partikelgröße seien außerdem nun Hinweise auf deren Herkunft möglich - und das sei nachweislich der Münchner Flughafen. Von dort würden die Partikel mit dem Wind großflächig verteilt. Die Flughafengesellschaft (FMG) messe nur den groben Feinstaub und den auch noch an Stellen, welche die wahren Belastungen gar nicht wiedergeben würden. Allerdings erfasse auch das neue, handgroße DISCmini nur etwa zwei Drittel des Ultrafeinstaubs, weshalb von den Freien Wählern im Landtag - allerdings vergeblich - ein Monitoring beantragt worden sei.

Die Luft vor dem Flughafen enthalte etwa 3000 Partikel pro Kubikzentimeter, die ersten Messungen mit dem neuen Gerät hätten am Parkdeck des Flughafens aber 50 000 bis 120 000 Partikel ergeben. An der Nordostecke des Flughafens seien es am Zaun sogar bis zu 1,3 Millionen gewesen, berichtete Kendlbacher. Ziel müsse es deshalb sein, mit Unterstützung anderer Gemeinden wie Neufahrn oder Hallbergmoos, die Zahl der Messgeräte zu erhöhen, damit Luv und Lee gemessen und die Ergebnisse dann vernetzt werden könnten.

Ein wenig stolz ist der Bürgerverein immer noch darauf, dass er im November im Umweltausschuss des Landtags vor den Experten namhafter Einrichtungen über seine Arbeit berichten durfte. Als Ergebnis stellte Kendlbacher fest, dass die UFP als Problem anerkannt seien, dass die Flughäfen als UFP-Hotspots gesehen und die UFP nun als extrem schädlich für die Gesundheit bewertet würden. Als Konsequenz daraus müssten jedoch die Messungen intensiviert werden. Grenzwerte festzulegen sei keine Lösung des Problems, so Kendlbacher: "Grenzwerte sind kein Schutz, sondern politisch erkämpfte Kompromisse." Die Fürsorgepflicht der Verantwortlichen erfordere vielmehr "pragmatische Sofortlösungen". Das heiße: keine Kurzstreckenflüge mehr, keine Subventionen und keine dritte Startbahn.

Die Aussage von Markus Söder, wonach es plötzlich mit dem Bau einer dritten Startbahn nicht mehr so eile, habe auch ihn überrascht, sagte der Landtagsabgeordnete Christian Magerl (Grüne). Diese Kehrtwende sei zwar dem Wahlkampf geschuldet, "aber wir haben jetzt erst einmal bis Anfang nächsten Jahres Ruhe". Sie zeige aber auch, dass Söder und die Staatsregierung "an uns nicht vorbeikommen, sie trauen sich keinen neuen Bürgerentscheid zu".

Söder habe offensichtlich anerkannt, so Magerl, "dass es momentan keinen Bedarf für eine dritte Startbahn gibt". Trotzdem bleibe Söder nicht wählbar, solange er die Pläne nicht endgültig begrabe. Die Delle bei den Flugbewegungen, so prophezeite der Abgeordnete, werde noch lange anhalten. Dazu beitragen würden die ICE-Verbindung nach Berlin und die Inbetriebnahme des Großflughafens in Istanbul. Deshalb gab er die Empfehlung, München zu einem Premiumflughafen und Dienstleister für die Region auszubauen, statt ihn mit dem Bau einer weiteren Startbahn zu vergrößern. Quantitatives Wachstum, so Magerl bringe Bayern nichts.