Medmobil im Landkreis Freising:Mobile Sprechstunde

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Mittwochs ist Odo Weyerer im Landkreis mit dem neuen Medmobil unterwegs. Der Freisinger Mediziner kümmert sich dann um Obdachlose, die keine Krankenversicherung haben und nicht in die Wärmestube kommen.

(Foto: privat)

Der Freisinger Arzt Odo Weyerer ist im Landkreis mit dem Medmobil unterwegs und versorgt kostenlos Obdachlose ohne Kranken­versicherung

Von Charline Schreiber, Freising

Der Freisinger Hausarzt Odo Weyerer versorgt seit diesem Monat wohnungslose, nicht krankenversicherte Menschen mit einem Medmobil. Als Vorstandsmitglied des Rotary-Clubs München Flughafen organisierte er gemeinsam mit dem Flughafenverein München, der Freisinger Wärmestube und der Aicher Ambulanz Union einen mobilen Ort für Wundversorgung, Notfallbehandlung und kleinere ambulante Eingriffe.

Seit 2016 betreut Odo Weyerer Obdachlose in der Freisinger Wärmestube. Er beobachtete aber, dass diejenigen, die am schlimmsten von Unterkühlung oder Krankheit betroffen sind, keine Hilfe in der Wärmestube aufsuchen. Das Medmobil soll deswegen Obdachlose direkt vor Ort erreichen und ihnen trotz fehlender Krankenversicherung eine ärztliche Versorgung ermöglichen. Die Aicher Ambulanz Union finanzierte dafür einen gebrauchten, vollausgestatteten Krankentransportwagen im Wert von 40 000 Euro.

Um den Transportwagen zum Medmobil umzurüsten, unterstützte Thomas Bihler, Vorsitzender des Flughafenvereins München, die Ausstattung des Krankentransportwagens mit Masken, Verbandsmaterialien und medizinischem Material. "Als mein Freund Odo mir von seiner Idee erzählte, war ich sofort dabei und fragte: Was kann ich tun?", sagt Bihler. Es sei wichtig, dass der Transportwagen eine funktionierende Beleuchtung und Heizung habe und gut ausgestattet sei, erzählt der Hausarzt. So könnten sich die Obdachlosen sowohl aufwärmen als auch bestmöglich versorgt werden.

Seinen ersten Patienten behandelte Weyerer in Neufahrn. Seither hat er rund 50 Bedürftigen medizinisch helfen können, wie er sagt. Unterwegs ist er immer mittwochs, alle zwei Wochen sogar ganztags. Mit dem Krankenwagen startet Weyerer auf seiner Tour an der Freisinger Wärmestube, fährt dann den Bahnhof an, außerdem den Flughafen und weitere Anlaufstellen. Dafür steht Odo Weyerer mit Sozialarbeitern in Kontakt, die ihn bei der Vermittlung unterstützen.

"Das Medmobil muss sich langsam etablieren", sagt Weyerer. Dafür müsse er das Vertrauen seiner Patienten erlangen und auch die Geduld haben, bis sich das Angebot des Medmobils herumspricht. "Ich stehe auch mit einem Obdachlosen eng in Kontakt. Das Netzwerk ist da untereinander sehr gut." Geld bekommt Odo Weyerer dafür nicht. Das sei eine ehrenamtliche Tätigkeit, sagt er. Er selbst komme aus einfachen Verhältnissen, habe aber viel Glück im Leben gehabt. Mit dem Medmobil will er nun den Obdachlosen etwas zurückgeben. Auch Impfungen kann Weyerer im Medmobil vornehmen. Weil diese gemeldet werden müssen, nehme er zwar kleine Geldsummen ein - es gehe aber nicht um die Einnahmen, sondern darum, die medizinische Versorgung nicht versicherter Obdachloser zu gewährleisten. Mit dem Medmobil könne man akut helfen, beraten und die Wohnungslosen weiter vermitteln, zusätzliche Unterstützung gebe es außerdem in der Wärmestube oder in den Hausarztpraxen vor Ort, erklärt der Arzt. "Meine Wunschvorstellung ist es, Kollegen zum Weitermachen zu animieren, sodass wir vielleicht auch freitags oder am Wochenende mit dem Medmobil unterwegs sein können", sagt der Mediziner.

Bisher sei die Zukunft des Medmobils von allen Seiten, besonders von Freunden, geebnet worden. Die Kosten für die Versicherung des Krankentransportwagens sei minimal, man habe ihm einen Stellplatz zur Verfügung gestellt und auch Spenden gebe es immer wieder. "Ich renne bloß Türen ein, die schon offen waren", sagt Odo Weyerer.

Mehr Informationen über das Medmobil und Spendenmöglichkeiten finden sich unter www.das-medmobil.de

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