Circus Feraro in Marzling:Gestrandet im Winterquartier

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Circus Feraro in Marzling: Gelangweilt sind Sissi, Miguel, Herta, Mandy und Ramon Feraro (von links) in ihrem Winterquartier in Marzling. Wäre nicht die Pandemie ausgebrochen, würden sie mit ihrem Zirkus längst wieder von Stadt zu Stadt ziehen.

Gelangweilt sind Sissi, Miguel, Herta, Mandy und Ramon Feraro (von links) in ihrem Winterquartier in Marzling. Wäre nicht die Pandemie ausgebrochen, würden sie mit ihrem Zirkus längst wieder von Stadt zu Stadt ziehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Zirkus Feraro macht in seinem Winterquartier in Marzling einiges durch. Regen sorgte für eine Überschwemmung und durchnässte das Tierfutter. Wann es mit Aufführungen weitergeht, ist wegen der Corona-Pandemie noch unklar.

Von Nadja Tausche, Marzling

Er will nicht jammern und er will nicht betteln, das ist zu spüren. Aber wirklich gut geht es dem Zirkus von Hermann Schmidt-Feraro im Moment nicht. In der vergangenen Woche gab es eine Überschwemmung im Marzlinger Winterquartier der Truppe, nach den starken Regenfällen stand das Wasser in den Ställen der Tiere. Die Feuerwehr musste anrücken. Dabei sei das Futter nass geworden, erzählt der Zirkusdirektor. Das könne man aber zumindest zum Teil trocknen - und ein Landwirt habe sich schon bereit erklärt, dem Circus Feraro neues Heu zu geben. Am Abend der Überschwemmung ist Schmidt-Feraros Frau gestürzt, musste wegen gebrochener Rippen ins Krankenhaus. Sie müsse sich jetzt schonen, erzählt er - aber immerhin sei sie schnell wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

"Man muss schauen, dass es weitergeht", sagt Schmidt-Feraro. Eigentlich wäre der Circus Feraro schon seit März wieder unterwegs: Den Winter verbringen die 26 Zirkusmitglieder seit einigen Jahren in Marzling, dann reisen sie bis November quer durch Bayern, sind alle paar Tage woanders, manchmal treten sie auch in Österreich und der Schweiz auf. Die Zeit, in der sie wegen der Corona-Pandemie nicht auftreten und nicht reisen können, nutzen sie für Reparaturen. "Man macht alles jetzt, was eigentlich nach und nach angefallen wäre", erzählt Schmidt-Feraro: Fahrzeuge reparieren und neu lackieren, neue Laufbretter für die Tiere anbringen, Kostüme auf den neuesten Stand bringen, neue Rahmen für die Plakate schweißen. Und: "Natürlich ist Training angesagt." Man müsse ja fit sein, wenn es wieder losgehe.

"Corona ist das Schlimmste, was man je gesehen hat"

Schwer falle ihnen die aktuelle Situation trotzdem. Oder, wie Schmidt-Feraro sagt: "Corona ist das Schlimmste, was man je gesehen hat." Da ist einmal das lange Warten: "Es ist eigentlich nicht unsere Art, so lange an einem Ort zu sein", so der Zirkusdirektor, "uns fehlt das Auf- und Abbauen, der Transport, die Show." Vor allem aber fühlt er sich nicht wertgeschätzt. "Ich habe das Gefühl, dass Zirkus ein Schimpfwort geworden ist", sagt Schmidt-Feraro. Er hat einen Brief an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben, hat gefragt, wie es in der Corona-Zeit mit dem Zirkus weitergehe, wie genau man eine "Großveranstaltung" definiere. "Es kam keine Antwort." Finanziell ist die Lage des Circus Feraro schwierig. Es kommen zwar durchaus Leute vorbei, wie er erzählt, bringen Lebensmittel oder hartes Brot für die Tiere. Auch Geldspenden sind eingegangen - viele sind es aber nicht. "Die Leute haben selbst fast nichts mehr", glaubt der Direktor.

Wie es nun weitergeht, verhandelt der Circus Feraro aktuell unter anderem mit der Stadt Freising. Hier findet in der Luitpoldanlage derzeit noch der Wochenmarkt statt - der solle aber sowieso zurück in die Innenstadt verlegt werden, dann könnte der Zirkus dort wie in den vergangenen Jahren auftreten. Er habe aber schon von vielen Kommunen Absagen bekommen, erzählt der Zirkusdirektor, etwa von Rosenheim, wo man demnächst auftreten wollte. Generell brauche es einen ungefähren Zeitplan, bevor der Zirkus sich auf den Weg mache: Nach einer Vorführung wochenlang zu warten, bevor man in die nächste Stadt weiterreisen könne, sei schwierig.

Unter den aktuellen Auflagen Vorführungen stattfinden zu lassen, findet Schmidt-Feraro sowieso problematisch. Aktuell dürfen in Bayern bei kulturellen Veranstaltungen in Innenräumen wieder bis zu 100 Menschen zusammenkommen - allerdings nur, wenn sie unter anderem die Abstandsregeln einhalten. "Ich kann nicht andauernd den Kindern sagen, sie sollen weggehen und Abstand halten", erklärt er: "Wir sind ein Zirkus zum Anfassen." Wann und wie genau im Zirkus wieder Vorführungen stattfinden, kann Schmidt-Feraro derzeit einfach noch nicht sagen. Sicher ist nur: Wenn sein Zirkus dann wieder auftritt, will er erst einmal eine große Show geben für die Feuerwehr und für alle, die ihnen in der letzten Zeit geholfen haben. Eintritt verlangen wird der Zirkus dafür nicht.

Wer den Circus Feraro unterstützen will, erreicht Hermann Schmidt-Feraro unter Tel. 0160/65 00 175 oder kann vorbeikommen: Hirschau 1, 85417 Marzling.

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