"Maria 2.0" im Landkreis Freising "Ich bin auch diese Kirche"

Einen weißen Schal tragen Frauen und Kinder der Gemeinde St. Georg in Freising zum Zeichen des Solidarität mit der Aktion "Maria 2.0".

(Foto: Privat)

Die katholischen Frauenverbände im Landkreis sind geteilter Meinung, was die Protestaktion "Maria 2.0" angeht. Die einen möchten der Ortskirche nicht schaden, die anderen kämpfen für Gleichberechtigung im Diakonat.

Von Henrike Schulze-Wietis, Freising

Frauen in der katholischen Kirche - das ist ein Thema, das trotz Emanzipation immer noch für viel Diskussionsstoff sorgt. Dazu trägt seit Samstag auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) mit ihrer Aktion "Maria 2.0" bei. Frauen in ganz Deutschland, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren, werden zur zeitweisen Niederlegung ihrer Arbeit aufgerufen. Auch in Freising übernehmen Frauen viele Aufgaben in der Kirche: Sie sind Lektorinnen, leisten Besuchsdienste oder arbeiten im Pfarrgemeinderat mit. Was die Protestaktion angeht, sind die Freisinger Frauenverbände geteilter Meinung.

Ausgangspunkt der Aktion ist eine Initiative der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde, die zum Protest gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Amtskirche aufruft und Veränderungen fordert. Der Streik sei ein Zeichen gegen "jahrzehntelange Kränkungen und versperrte Türen", sagt Mechthild Heil, Bundesvorsitzende der KFD.

Die Gemeinschaft "Frauen St. Theresia" in Hallbergmoos legt ihre Aufgaben dagegen nicht nieder. "Ich glaube nicht, dass Maria 2.0 etwas bringt. Man muss die Grundsätze im Vatikan ändern: Solange Frauen nicht das Priesteramt ausführen dürfen, werden sie nie mit ihren männlichen Kollegen gleichgestellt sein", erklärt Vorsitzende Margot Buchhauser. Die Aktion ist für sie nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein" und hilft ihrer Ansicht nach nicht. Diese Meinung teilt Maria Westermeier, Vorsitzende der Zollinger Frauen St. Johannes. Die Initiative werde nichts bringen, weil die katholische Kirche "sehr langsam ist, was Modernisierung und Veränderung ist", sagt sie. Außerdem wären die Leidtragenden die Mitglieder der Zollinger Pfarrgemeinde: "Ich persönlich befürworte diesen Protest nicht, da es unserer Ortskirche schaden würde und somit auch den Menschen, für die wir arbeiten."

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Freising und Neufahrn tragen weiße Schals für Diakoninnen

Einen ganz anderen Standpunkt nehmen die Frauen der Gemeinde St. Georg in Freising ein: Sie haben sich der Aktion Maria 2.0 angeschlossen. Als Zeichen der Solidarität, dass Frauen als Diakoninnen zugelassen werden sollten, trugen einige während der Gottesdienste am Sonntag weiße Schals. "Der Schal steht für Unschuld, Trauer und Mitgefühl mit den Opfern der Missbräuche und für die Hoffnung, dass die amtliche Kirche endlich ein Einsehen hat und sich bewegt", sagt Irene Montag, Vorsitzende des katholischen Frauenbundes St. Georg. Als Vorbereitung zu dieser Aktion fand bereits eine Woche zuvor ein Familiengottesdienst statt, der sich mit der Stellung der Frau in der katholischen Kirche befasste.

Auch die Neufahrner Frauen unterstützen "Maria 2.0". "Es ist unser großer Wunsch, dass diese weiße Schal-Aktion wie ein Schneeball eine Lawine auslöst, dass in unserer Kirche etwas ins Rollen kommt", sagt Christina Brandl-Bommer, Pastoralreferentin und Geistliche Beirätin des Katholischen Frauenbundes St. Franziskus. Man wolle eine offene und moderne Kirche schaffen, die das Symbol der Liebe transportiere und in der sich selbstbewusste Frauen wiederfinden können. "Ich bin auch diese Kirche", verdeutlicht Brandl-Bommer.

Der katholische Frauenbund in Neufahrn fordert, dass Frauen das Amt der Diakonin ausüben, und zwar mit den Privilegien der männlichen Diakone: Die Sakramente der Taufe und der Hochzeit zu spenden, sei dabei das Minimum, erklärt Brandl-Bommer. In einem offenen Brief an Kardinal Reinhard Marx bittet der Frauenbund in diesem Punkt um Unterstützung, der Kardinal solle sich dafür in der deutschen Bischofskonferenz und in Rom einsetzen. Für dieses Anschreiben werden Unterschriften gesammelt. "Es reicht jetzt. Es ist an der Zeit, dass wir in den offenen Dialog treten, damit die Frau in der katholischen Kirche gewürdigt und anerkannt wird. Genauso wie Jesus Maria Magdalena gewürdigt und anerkannt hat ", fordert Brandl-Bommer.

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