Handverlesen sind quasi die Bewerberinnen und Bewerber für die Berufsfachschule für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe am Freisinger Klinikum. Die Bewerbungen kämen mehr oder weniger aus aller Welt, sagte Eva Gall, Leiterin der Berufsfachschule in der Sitzung des Ausschusses für demografische und soziale Fragen. Hintergrund für ihren Vortrag sind aktuelle Überlegungen zur Erweiterung der Pflegeausbildung im Landkreis Freising. Die Absolventinnen und Absolventen der Schule sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit so begehrt wie selten zuvor. Kommunen sind bemüht, sie mit allerlei zusätzlichen Angeboten, wie bezahlbaren Wohnungen oder Großraumzulagen, an sich zu binden.
Auf dem Weg zu einer Erweiterung gilt es laut Eva Gall einige Stolpersteine zu beseitigen. Die Fachschule besteht seit 1979. Seit 2020 gibt es die Möglichkeit zu einer Ausbildung in der Krankenpflegehilfe. Sie ergänzt das Angebot der Fachschule für Pflege. Die Ausbildung ist generalisiert, das heißt, dass die Lerninhalte die Bereiche der Kranken- und Altenpflege vereinen. Derzeit gibt es 72 Ausbildungsplätze in der Pflege und 24 genehmigte in der Pflegefachhilfe. 58 Prozent der Bewerber und Bewerberinnen kämen aus dem Landkreis Freising. "Das hatten wir nicht auf der Rechnung", gab Eva Gall zu. Voraussetzung für den Besuch der Berufsfachschule ist die Mittlere Reife oder das Abitur. Aus den 70 bis 90 Vorstellungen werden dann die geeigneten Schülerinnen und Schüler ausgewählt. Von Mai bis zum Unterrichtsbeginn im September gibt es einen gewissen Schwund. Manche der Kandidatinnen und Kandidatinnen haben es sich dann anders überlegt, studieren oder gehen an eine Fachober- oder Berufsoberschule. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen zudem gewisse Deutschkenntnisse vorweisen und sowohl psychisch als auch physisch ihrer Arbeit gewachsen sein.
Eva Gall betonte, dass gegen den Mangel an Pflegekräften nur eine Erweiterung der Ausbildungsplätze helfen könne. Das bedeute eine Bündelung der Schulplätze in Freising und damit auch eine bessere Bindung ans Klinikum. Um erweitern zu dürfen, müsse ein schriftlicher Antrag gestellt werden, sagte Eva Gall. Dazu gehöre ein Raumprogramm, das umgesetzt werden müsse. Dieses beinhaltet einen vierten Klassenraum, einen Mehrzweckraum und einen zweiten Fachpraxisraum. Das Problem: Im Krankenhaus selbst gibt es keinen Platz für zusätzliche Räume.
Einen Engpass könnte es auch bei den verpflichtenden Praktikumsplätzen geben. Möglichkeiten gebe es bei der Ausbildung bei der Arbeiterwohlfahrt, der Starken Pflege Zolling, der Freisinger Caritas, den Johannitern in Allershausen und dem Augustinum-Nord in München. Verbunden mit der Erweiterung der Berufsfachschule wäre eine Aufstockung des Personals. Eva Gall sagte, für Baumaßnahmen gebe es Zuschüsse vom Freistaat. Und es gebe eine Kostenerstattung über den Ausbildungsfond.
Johannes Becher (Grüne) sieht in der Erweiterung der Berufsfachschule einen Vorteil fürs Klinikum. Die Schülerinnen und Schüler verbrächten viel Zeit dort und würden nach der Ausbildung eher am Freisinger Krankenhaus bleiben.