Süddeutsche Zeitung

Soziales Engagement im Landkreis Freising:"Der christliche Dienst am Bedürftigen"

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Jeder der könne, sollte der Gesellschaft auch etwas zurückgeben, sagt Christine Gräfin La Rosée. Die 59-Jährige ist die neue kommissarische Kreisbeauftragte des Malteser Hilfsdienstes im Landkreis Freising.

Interview von Gudrun Regelein, Freising

Christine Gräfin La Rosée ist die neue kommissarische Kreisbeauftragte des Malteser Hilfsdienstes. Die gebürtige Westfälin lebt seit 2013 im Landkreis Freising. Seit 2014 engagiert sich die 59-Jährige ehrenamtlich bei den Maltesern - zunächst als Leiterin des Besuchs- und Begleitungsdienstes, seit diesem Jahr ist sie zudem kommissarische Kreisbeauftragte. Der Malteser Hilfsdienst in Deutschland ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1953 durch den Malteserorden und den Deutschen Caritasverband gegründet wurde. "Der christliche Dienst am Bedürftigen steht im Mittelpunkt der Arbeit", sagt Christine La Rosée im Gespräch mit der SZ.

SZ: Frau La Rosée, ist es eigentlich Zufall, dass die meisten Vorstandsmitglieder der Malteser aus adeligen Familien kommen?

Christine La Rosée: Nein, das ist kein Zufall. Der Hilfsdienst wurde ja vom Malteserorden mitbegründet - und in diesem waren früher traditionell Adelige die Mitglieder. Das ist heute aber anders. Im Vorstand der Malteser im Erzbistum München und Freising sind unter anderem der Chefarzt des Notfallzentrums der München Klinik, der Caritasdirektor, Vertreter der Malteser Jugend und unser Diözesanseelsorger.

Wie kamen Sie zum Malteser Hilfsdienst?

Schon meine Eltern waren Mitglieder im Malteserorden. Als ich in den Landkreis zog, wurde ich von meiner Vorgängerin angesprochen, ob ich den Besuchs- und Begleitungsdienst übernehmen würde. Ich trat dann 2014 in den Verein ein, später wurde ich dann auch Mitglied im Orden.

Weshalb dieses ehrenamtliche Engagement?

Es geht mir persönlich gut - und ich habe die Zeit und die Möglichkeit, mich einzusetzen. Die Malteser richten ihre Angebote an den Bedürfnissen der Menschen aus. Das gefällt mir, ist gut und wichtig. Jeder der kann, sollte der Gesellschaft auch etwas zurückgeben. Ehrenamtliches Engagement wird in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen dringend gebraucht. Übrigens sind der Großteil unserer Mitglieder Ehrenamtliche.

Was sind Ihre Aufgaben als neue Kreisbeauftragte?

Wir haben hier in Freising mit sieben Festangestellten eine relativ kleine Dienststelle. Ich bin in erster Linie dafür zuständig, das Feld des Ehrenamts zu koordinieren, zu organisieren und auch neue Angebote aufzubauen. Wir haben hier etwa 20 freiwillige Helfer, die uns unterstützen und ohne die wir unser Angebot im Landkreis nicht aufrecht erhalten könnten.

Was genau bieten die Malteser im Landkreis an?

Zum einen das Café Malta: ein niederschwelliges Angebot für Menschen in der Frühphase einer demenziellen Erkrankung. In diesem bieten wir jeden Freitag eine Vormittagsbetreuung bei Kaffe, Kuchen und Spielen für demenzerkrankte Menschen an - und ihre Angehörigen haben in dieser Zeit wenigstens einmal einige freie Stunden. Daneben bieten wir einen Besuchs- und Begleitungsdienst für Senioren in den Heimen und für solche, die noch zu Hause leben, an. Wir lesen ihnen vor oder gehen mit ihnen spazieren. In den Einrichtungen bleibt dem Pflegepersonal kaum Zeit dafür und viele Senioren, die alleine leben, fühlen sich vereinsamt. Das hat sich in der Coronakrise noch einmal verstärkt. Diese Angebote sind kostenlos.

Im hauptamtlichen Bereich bieten wir in Freising die Erste-Hilfe-Ausbildung an. Ebenso haben wir soziale Dienste für Senioren, wie den Hausnotruf, Menüservice und die Unterstützung im Alltag, sowie Schulbegleitung für Kinder und Jugendliche mit Handicap. Diese Dienste und der Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, werden allerdings von der gemeinsamen Kreisgeschäftsstelle in Erding organisiert.

Richtig präsent in der Öffentlichkeit sind Sie im Landkreis aber nicht, oder?

Das stimmt. Wir sind tatsächlich nicht so präsent wie andere, beispielsweise die Caritas oder die Diakonie. Dennoch ist unser Angebot für die Menschen wichtig. Und schlussendlich bin ich auch angetreten, um die Arbeit, die Dienste der Malteser in der Öffentlichkeit besser zu vertreten.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie?

Wir stehen im Landkreis Freising erst am Anfang, da ist noch Luft nach oben. Es gibt noch sehr viele Bedürfnisse, die abgedeckt werden müssten. Welche Dienste das sein könnten, kann ich momentan noch nicht sagen. Aber im Rahmen des Malteser Projektes Miteinander-Füreinander, welches sich stark am Thema Einsamkeit ausrichtet, wollen wir unsere Angebote erweitern. Diese und weitere Ideen sind noch im Entstehen. Wir wollen im Landkreis etwas erreichen. Die Nachfrage für weitere Angebote ist sicher da. Aber es fehlt trotz des großen Engagements, das wir hier schon haben, an weiteren ehrenamtlichen Helfern.

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SZ vom 25.02.2022/ilos
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