Die achtjährige Foxred-Labrador-Hündin von Tamara Piehler hat eine besondere Aufgabe: Mika ist ein ausgebildeter Malteser-Besuchshund, sie und ihr Frauchen werden von alleinstehenden, einsamen Seniorinnen und Senioren oft sehnsüchtig erwartet. Tamara Piehler macht gemeinsam mit Mika nicht nur alten Menschen eine große Freude. Die 36-Jährige leitet seit zweieinhalb Jahren den Besuchshundedienst der Freisinger Malteser. „Derzeit suchen wir wieder interessierte Hundebesitzer, die sich ehrenamtlich engagieren wollen“, sagt sie.
SZ: Frau Piehler, wie reagieren die alten Menschen auf Ihre Besuche?
Tamara Piehler: Eigentlich freuen sich alle, wenn wir kommen. Gesichter strahlen, Augen leuchten. Alle wollen Mika streicheln oder ihr ein Leckerli geben. Viele fragen auch nach ihrem Namen oder erzählen von dem eigenen Hund, den sie früher hatten. Es gibt eigentlich immer eine positive Reaktion. Sogar von denjenigen, die kaum noch in der Lage sind, Reaktionen oder Emotionen zu zeigen.
Mika steht also im Mittelpunkt?
Absolut. Mika spielt die Hauptrolle. Hunde bekommen alleine durch ihre Anwesenheit die Aufmerksamkeit. Sie haben oft einen anderen Zugang zu den alten und hochbetagten Menschen, sie erleichtern es, Kontakte zu knüpfen. Hunde sind grundsätzlich Türöffner.
Die Besuche bereiten Freude. Was soll mit ihnen darüber hinaus erreicht werden?
Sie sollen die alten Menschen aus ihrer Einsamkeit und Lethargie holen. Im besten Fall fördern sie sogar ihre Mobilität. Es gibt beispielsweise immer wieder Seniorinnen und Senioren, die gemeinsam mit dem Mensch-Hunde-Team einen Spaziergang machen wollen. Manche blühen bei den Besuchen sogar richtig auf.
Wie viele Teams gibt es momentan?
Derzeit sind es nur vier – zuletzt haben einige Ehrenamtliche aus privaten Gründen aufgehört. Deshalb starten wir jetzt auch mit einer neuen Ausbildungsrunde und suchen dafür interessierte Hundebesitzer.

Was passiert in der Ausbildung?
Vor dem Beginn der Ausbildung, deren Kosten übrigens die Malteser übernehmen, gibt es erst einmal einen Eignungstest. Hunde, die beispielsweise aggressives Verhalten gegenüber Fremden zeigen, sind nicht geeignet. Die Hundebesitzer dagegen sollten Empathie besitzen und zuhören können. Die eigentliche Ausbildung besteht dann aus einem Theorie- und einem Praxisteil. Der theoretische Block besteht aus etwa 20 Stunden, unter anderem ist eine Schulung zum Umgang mit alten Menschen dabei. Daneben muss ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert werden.
Und was wird in den praktischen Einheiten gelernt?
Die Teams werden in zehn Doppelstunden von einem Hundetrainer intensiv vorbereitet. Dazu gehören die Leinenführigkeit und das Gehorsamstraining. Die Hunde lernen beispielsweise, auf ungewohnte Bewegungen, Berührungen und fremde Geräusche nicht schreckhaft zu reagieren, neben dem Rollstuhl zu laufen oder auf den Boden gefallene Tabletten nicht aufzuschnappen. Bevor die Teams dann endgültig starten, gibt es noch eine Abschlussprüfung. Die Ehrenamtlichen können anschließend natürlich selber entscheiden, wie oft sie jemanden besuchen möchten.
Frau Piehler, Sie sind Mutter, berufstätig und engagieren sich daneben ehrenamtlich. Warum machen Sie das?
Die Freude, die Mika und ich den alten Menschen machen, was wir oft schon mit einem kurzen Besuch bewirken können, ist etwas sehr Schönes. Das gibt mir viel zurück. Vor Kurzem haben wir eine alte Dame besucht, der es an diesem Tag nicht gut ging, sie lag im Bett. Als sie Mika sah, sagte sie „Mei, ist die lieb“ und stand sogar kurz auf.
Und Mika? Gefallen ihr die Besuche auch?
Ja, absolut. Schon wenn wir auf dem Parkplatz des Seniorenheims sind, ist sie aufgeregt. Ich muss sie zurückhalten, sie will unbedingt rein. Sie bekommt bei diesen Besuchen aber auch viele Leckerlis und Streicheleinheiten (lacht).
Ein Infoabend für interessierte Hundebesitzer findet am Dienstag, 3. Februar, in der Malteser-Geschäftsstelle in Freising, Veit-Adam-Straße 31, um 18 Uhr statt.

