Süddeutsche Zeitung

Letzte Ruhe:Die Urne liegt im Trend

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Feuerbestattungen oder lassen sich in der Natur zur letzen Ruhe betten. Angehörige wohnen oft weit entfernt und sparen so Grabpflegekosten.

Von Thilo Schröder, Freising

Immer mehr Menschen im Landkreis Freising lassen ihre sterblichen Überreste verbrennen oder in der Natur bestatten und entscheiden sich damit für Bestattungsformen, die auch bundesweit im Trend liegen. In Freising musste heuer das Angebot an Urnenkammern deshalb erweitert werden, auch in Marzling liegen Urnen im Trend. In Moosburg, Eching und Freising wächst die Nachfrage nach Naturbestattungen. Weniger Aufwand und geringere Grabpflegekosten könnten Gründe für die Entwicklung sein - mangelnder Platz auf Friedhöfen dagegen nicht.

In Freising wächst die Nachfrage nach Urnenbestattungen. Erst im Sommer hat die Stadt ein neues Urnenstelenfeld am Waldfriedhof mit insgesamt 46 Urnenkammern fertiggestellt, nachdem die beiden bestehenden Urnenmauernischen mittelfristig nicht mehr ausreichten. Die Anlage sei so konzipiert, dass sie auch erweitert werden könne, heißt es in einer Mitteilung. Außerdem biete man aufgrund von Nachfragen aus der Bevölkerung seit Jahresbeginn Baum- und Waldbestattungen an, sagt Sprecherin Christl Steinhart. Bei dieser Bestattungsform werden biologisch abbaubare Urnen um die jeweiligen Bäume herum beziehungsweise entlang eines Waldrandes beigesetzt. Seit 2010 gibt es laut der aktuellen Trauerfall-Broschüre einen Extraplatz für muslimische Grabstätten; die Gräber dort sind nach Mekka ausgerichtet.

Der Vorteil der Urne: Wenier Grabpflege

Warum sich die Freisinger immer öfter für alternative Bestattungsformen entscheiden? "Beweggründe mögen sein, dass keine Grabpflege anfällt, die letzte Ruhestätte durch eine Baum- oder Waldbestattung aber auch besonders naturnah ist", vermutet Steinhart. Zudem würden Angehörige nicht zuletzt berufsbedingt weiter voneinander entfernt leben, weshalb die Grabpflege schwer zu organisieren sei. Von der Pflege abgesehen sind Urnengräber nicht unbedingt günstiger. Ein Beispiel: Laut Gebührensatzung des Freisinger Waldfriedhofs beträgt die Grundgebühr für eine Sargbestattung dort etwa 660 Euro, für eine Urnenbestattung in Urnenerdgräbern dagegen nur 350 Euro; eine anonyme Urnenbestattung im Gräberfeld kostet sogar nur etwa 280 Euro. Allerdings ist die Nutzungsgebühr bei Urnenerdgräbern wiederum höher: Sie beträgt knapp 90 Euro pro Jahr und Grabstätte, das herkömmliche Sarggrab kostet hingegen nur gut 30 Euro jährlich.

Auch in Marzling lägen Urnenbestattungen "definitiv im Trend", sagt eine Sprecherin der Gemeinde. Deren Anteil betrage mittlerweile 80 Prozent. "Das liegt an der Pflege, die Leute wollen sich Kosten und Zeit sparen." Urnennischen an sich seien aber nicht günstiger als ein herkömmliches Grab. Neben diesen gebe es auch Urnengräber, diese seien günstiger. Eine Verwahrlosung von Gräbern sei ihr für die Marzlinger Friedhöfe nicht bekannt.

Platzmangel hat fast kein Friedhof mehr

In Moosburg sei der Anteil an Erd- und Feuerbestattungen "ziemlich ausgewogen", sagt Thomas Eisenmann, dessen Bestattungsinstitut den Moosburger Friedhof verwaltet. Und er stellt auch fest: "Die Nachfrage nach Naturbestattungen steigt." Dass Friedhöfe überfüllt und deshalb vermehrt platzsparende Urnengräber gefragt seien, dementiert er. Platzmangel sei vor etwa 20 Jahren mal ein generelles Problem auf Friedhöfen gewesen, heute sei das anders. Das bestätigen auch die anderen befragten Gemeinden.

"Es gibt schon immer mehr Urnenbestattungen", sagt eine Sprecherin der Gemeinde Eching. Es sei ein "allgemeiner Trend, sich verbrennen zu lassen". Das bestätigen Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter, demnach machen Feuerbestattungen über die Hälfte der Bestattungen in Deutschland aus. Eine Verwahrlosung von Gräbern durch Vernachlässigung der Grabpflege sei kein großes Problem in der Gemeinde, "bis auf wenige Ausnahmen". Seit vergangenem Jahr gebe es in Eching die Möglichkeit der Naturbestattung in Form von Baumbestattungen und Naturgräbern, so die Sprecherin. Dieses Angebot werde gut angenommen.

Diamantbestattung ist in Deutschland verboten

Andere moderne, eher extravagante Bestattungsformen sind zumeist gesetzlich untersagt. So ist beispielsweise eine Diamantbestattung, bei der nach der Einäscherung aus einem Teil der Asche des Verstorbenen ein Diamant hergestellt wird, in Deutschland verboten. Wer derlei Bestattungsformen vorziehe, gehe dafür in die Niederlande oder in die Schweiz, meint der Moosburger Bestatter Thomas Eisenmann. Im Bayerischen Bestattungsgesetz ist festgelegt, dass jede Leiche entweder in einem Sarg, in einer Urne oder auf See bestattet werden muss. Das Verstreuen der Asche in freier Natur ist genauso verboten, wie die Asche mit nach Hause zu nehmen. Naturbestattungen müssen genehmigt sein und dürfen nur auf einer festgelegten Fläche vollzogen werden.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4193013
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 02.11.2018/av
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.