Lerchenfeld Neues Wohnprojekt für Menschen mit psychischen Problemen

Ein neues soziales Wohnprojekt für psychisch kranke Menschen entsteht hier. Schon im Herbst 2019 sollen die ersten Bewohner einziehen.

(Foto: Lukas Barth)

In Lerchenfeld entsteht ein Wohnprojekt für Menschen mit psychischen Problemen, die auf dem überhitzten Mietmarkt in der Region keine Chance haben. Der Trägerverein will die Selbständigkeit der Bewohner fördern.

Von Henrike Schulze-Wietis, Freising

Ein neues soziales Wohnprojekt für psychisch kranke Menschen entsteht zurzeit an der Richard-Strauss-Straße im Freisinger Stadtteil Lerchenfeld. Es nennt sich "Haus Amara" und schon in der kommenden Woche wird dort das Richtfest gefeiert. Geleitet wird das Projekt vom Münchner Verein H-Team, der, so sein Leitspruch, Menschen in Not unmittelbar helfen will. Mit 30 000 Euro gefördert wird das Projekt auch vom SZ Adventskalender, dem Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung.

"Wir möchten Menschen, die sonst keine Chance auf dem Wohnungsmarkt haben, ein Zuhause bieten, das sie in ihrem Leben unterstützt", erläutert Torsten Sowa vom H-Team das Konzept. In drei Wohngemeinschaften sollen in Lerchenfeld künftig sieben hilfsbedürftige Menschen leben. Die barrierefreie Anlage verfüge neben den Wohngemeinschaften auch über ein Büro, in dem ein Ansprechpartner für die Bewohner zur Verfügung stehe, sagt Sowa. Dieser könne dann beispielsweise Therapien vermitteln, biete aber keine körperliche Pflege an. Im Gegensatz zu anderen sozialen Einrichtungen oder betreuten Wohnprojekten stehe die Selbstständigkeit der zukünftigen Bewohner im Vordergrund. Die Mieter sollten trotz ihrer Erkrankung in der Lage sein, sich größtenteils selbst zu versorgen. Das Wohnhaus sei barrierefrei gestaltet, sodass beispielsweise Rollstuhlfahrer Mieter werden können. Es ist geplant, dass die ersten Bewohner schon im Herbst 2019 einziehen. "Es soll eine gemischte Gruppe entstehen", sagt Sowa. Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, von 18 bis 80, können einen Platz im "Haus Amara" finden. Die therapeutische Wohngemeinschaft und das betreute Einzelwohnen bietet Menschen Hilfe, die Unterstützung bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Aufgaben benötigen. Das könne aufgrund von einer psychischen Erkrankung sein, aber auch durch Suchtprobleme oder Persönlichkeitsstörung hervorgerufen sein, sagt Sowa.

Freising Als Mieter nicht attraktiv genug
Folge einer Erkrankung

Als Mieter nicht attraktiv genug

Menschen mit psychischen Problemen haben auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance. Obwohl sie längst wieder auf eigenen Füßen stehen sollten, blockieren sie stattdessen Plätze in den Einrichtungen.   Von Gudrun Regelein

Der Bedarf für eine solche Einrichtung ist in Freising durchaus da

Das Grundstück an der Richard-Strauss-Straße konnte der H-Team e.V. nach einer Erbschaft kaufen. Eine Privatperson habe dem wohltätigen Verein einen hohen Geldbetrag vermacht, der die Finanzierung des Projektes ermöglicht habe, erklärt Sowa. Darüber hinaus sei das "Haus Amara" auf Spenden angewiesen. Beispielsweise sollen unter anderem die Kücheneinrichtung für die drei Wohnungen und die Einbauschränke für die sieben Zimmer über Spenden und Stiftungsgelder finanziert werden. Die "Aktion Mensch" unterstützt das soziale Wohnprojekt, wodurch ein Großteil der Kosten gedeckt sei, so Sowa. Der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung sicherte ebenfalls 30 000 Euro zu. "Das H-Team leistet seit Jahren hervorragende Arbeit, weshalb wir uns dazu entschieden haben, auch dieses Projekt finanziell zu unterstützen", sagt Anita Niedermeier, stellvertretende Vorsitzende der Stiftung SZ-Adventskalender, zu dem Engagement.

Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft (PSAG) sieht durchaus den Bedarf für eine solche Einrichtung in Freising fest. Ihr Vorsitzender Tassilo Winhart begrüßt das Projekt: "Das Haus Amara ergänzt das bisheriger Angebot optimal. Wir sind mit der Arbeit des H-Teams zufrieden und haben deshalb für die Errichtung des Wohnhauses gestimmt", versicherte er. Wer die Kosten für die Miete und die ambulante Betreuung der Bewohner übernimmt, kann der Verein H-Team zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. In den meisten Fällen entscheide der Bezirk Oberbayern über die Kostenübernahme, so Winhart.