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Lebensstil:Umweltbewusstsein: Klimaaktivisten beobachten Anzeichen eines Wandels

Wald

Die Natur zu schützen ist wichtig. Auch im Landkreis macht sich ein steigendes Umweltbewusstsein bemerkbar.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Freisinger, die sich seit Jahren für mehr Nachhaltigkeit einsetzen, beobachten Anzeichen eines Wandels: Das Umweltbewusstsein vieler Menschen steigt, ein entsprechend angepasster Lebensstil gilt sogar als cool.

Das Bewusstsein für Umweltthemen scheint zu wachsen, zumindest, wenn man die Diskussionen der vergangenen Wochen betrachtet: Tempolimit, Grenzwerte für Schadstoffe, Schülerdemos für Klimaschutz. Wie ordnen das Menschen im Landkreis ein, die sich seit Jahrzehnten für mehr Nachhaltigkeit einsetzen? Ändert sich gerade etwas grundlegend - und worin äußert sich das?

Wilhelm Albrecht, engagiert sich für die Initiative Lichterzeichen:

"Nachhaltige Themen rücken durchaus mehr in den Vordergrund", sagt Wilhelm Albrecht. Das Thema erfasse die junge Generation. Er nennt das ein "Hoffnungszeichen" und findet: "Es ist wie eine Lawine, die klein anfängt und langsam ins Rollen kommt." Dass das Thema Umweltschutz so präsent sei, bringt ihm zufolge etwas: Denn die Menschen gingen für Klimaschutz auf die Straße, und auch die meisten Parteien hätten sich des Themas mittlerweile angenommen. Das Thema Umweltschutz werde auf der Tagesordnung bleiben, "und zwar eher stärker als schwächer", glaubt Albrecht. Auch die Initiative "Lichterzeichen" wolle sich weiterhin gegen eine dritte Startbahn und damit für mehr Umweltschutz einsetzen.

Angelika Werner-Ripperger, Grünen-Kreisrätin und Mitglied der Vereine "Solarfreunde Moosburg" und "Mütter gegen Atomkraft:

"Wir ruinieren unsere Zukunft und unsere Gegenwart gleich mit", sagt Angelika Werner-Ripperger. Das werde vielen Menschen derzeit klar. Auch sie hat den Eindruck, dass gerade junge Menschen sehen, wie viele Chancen verpasst werden, und sich deshalb politisieren. Es könne schon sein, dass die Leute des Themas irgendwann überdrüssig werden, sagt Werner-Ripperger - allerdings sei Nachhaltigkeit eine Frage der Vernunft: "Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben." Als Gegensatz dazu sieht sie ein ungebremstes Wachstum: Dabei gebe es immer auch Verlierer. Sie habe gelernt, dass sich Engagement für Umweltschutz lohne. "Aber man darf nicht erwarten, dass man die Welt auf einmal ändert."

Kommentar

Verantwortung übernehmen

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Marie Hüneke ist Klimamanagerin der Stadt Freising. Im Jahr 2016 ist die Stelle im Zuge des Stadtentwicklungsplans 2035 gegründet worden:

Auch die Stadt widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit durch diverse Projekte. "Das fängt bei der Wärmeversorgung der Innenstadt an und geht weiter über Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit", sagt Hüneke. Die Projekte fänden unterschiedliche Resonanz. Viele Menschen würden sich angesichts des komplexen Themas überfordert fühlen. Daher fänden die Projekte mehr Interesse, wenn sie die Bürger in ihrem direkten Alltag betreffen. Aber auch bei den jungen Menschen sei das Thema angekommen. Eine Freisinger Schulklasse habe sie beispielsweise für ein geplantes Projekt kontaktiert.

Bei Umweltorganisationen steigen die Mitgliederzahlen

Alf Pille, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Landesbunds für Vogelschutz Freising:

Alf Pille sieht das steigende Interesse am Thema zum einen an den Wahlergebnissen und zum anderen am starken Mitgliederzuwachs des LBV, vor allem in den vergangenen drei Jahren. Auch die Mitmachaktionen des Vereins würden zahlreicher besucht. Nachhaltige Lebensführung werde gar teilweise zum Mainstream als cooler Lebensstil, weniger ein Thema des erhobenen Zeigefingers, so Pille. "Auch die Kinder lernen mehr zum Thema, etwa bei den Kindernachrichten, die ich mit meinen Kindern schaue", sagt er. Im Sportverein, wo Menschen aus unterschiedlichen sozialen Umfeldern aufeinander treffen, sei ebenfalls ein Wandel zu erkennen. Es habe kaum mehr einer eine Plastiktrinkflasche, das wäre vor ein paar Jahren noch kein Thema gewesen, erläutert Pille. Er bezweifelt nicht, dass das Thema langfristig in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen wird. Man müsse schon zynisch veranlagt sein, wenn die eigene Befindlichkeit mehr zähle als die Zukunft der Kinder und Enkel.

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Wolfgang Willner, Vorsitzender des Bundes Naturschutz Freising:

4300 Mitglieder hat der Bund Naturschutz im Landkreis Freising derzeit. "Die Mitgliederzahlen steigen seit Jahren an", berichtet Willner. Er sieht das als Zeichen für ein "wieder steigendes Umweltbewusstsein". Er vergleicht die Lage mit den 80er Jahren, in denen grüne Themen mit großer Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt worden seien. In der Freisinger Kreisgruppe des Bundes Naturschutz bildet sich aktuell eine Jugendgruppe, wie Willner erzählt. So eine Gruppe habe es schon einmal gegeben, sie sei aber irgendwann eingeschlafen. Trotzdem fehlt Willner beim Thema Nachhaltigkeit praktisches Engagement, gerade von der jüngeren Generation. Man dürfe sich nicht verunsichern lassen durch diejenigen, die das Insektensterben leugnen oder nichts ändern wollen, weil Interessen der Industrie als wichtiger gelten, so der Appell Willners.

Andreas Henze, Sprecher des Freisinger Bündnisses für den Atomausstieg:

Henze glaubt, dass die Leute nicht mehr um das Thema Klimawandel herumkommen. Vor 20 Jahren hätten die Leute ihn beim Wort Klimawandel schief angeschaut. "Heute merken sie es selbst, sei es durch Hitzesommer oder Überschwemmungen, es wird persönlich", sagt Henze.