Lebenshilfe Freising sucht Freizeitbegleiter"Die Begegnungen sind herzerwärmend"

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Andrea Grabisch engagiert sich bei der Lebenshilfe.
Andrea Grabisch engagiert sich bei der Lebenshilfe. Marco Einfeldt

Die 56-jährige Andrea Grabisch begleitet seit 2019 Menschen mit Beeinträchtigung, um ihnen Freizeitaktivitäten und Urlaubsreisen zu ermöglichen. Warum auch sie davon profitiert.

Interview von Gudrun Regelein, Freising

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) der Lebenshilfe Freising will Menschen mit einer Beeinträchtigung auch Freizeitaktivitäten und Urlaubsreisen ermöglichen. Etwa zehn Angebote gibt es jede Woche, in diesem Jahr sind zudem neun Reisen geplant - dafür aber braucht man ehrenamtliche Begleiter. 75 freiwillige Helfer gibt es bereits, aber das reicht noch nicht aus. Für einen Urlaub auf dem Bauernhof, Trips an den Chiemsee oder ins Berchtesgadener Land sowie Reisen nach Holland beispielsweise fehlt noch die Begleitung, die dafür eine Aufwandsentschädigung bekommt. Die 56-jährige Andrea Grabisch engagiert sich bereits seit 2019 bei der OBA. Im Gespräch mit der SZ erzählt sie, weshalb sie das tut.

SZ: Frau Grabisch, wieso gerade die Offene Behindertenarbeit? Wie kam es dazu?

Andrea Gabrisch: Ich habe einen Bürojob. Aber eigentlich wollte ich immer etwas Soziales machen, immer gerne etwas mit Menschen zu tun haben. Ich bin auch Sportübungsleiterin und kenne privat viele Leute, die bei der Lebenshilfe arbeiten. Ja und dann habe ich in der Zeitung gelesen, dass die OBA Ehrenamtliche sucht, die sich bei der Freizeitgestaltung beteiligen... und habe sofort angerufen. Ich habe dann ziemlich bald bei einem Ausflug mitgemacht und wusste, das ist das Richtige für mich.

Wie ging es danach weiter?

Es gibt in der Offenen Behindertenarbeit das ganze Jahr über ein Programm für die Freizeitgestaltung: Spieleabende, Ausflüge, Landshut bei Nacht beispielsweise, also da findet jeder etwas. Ich habe mir dann rausgesucht, was mich interessiert - das waren ein Kegelabend und eine Alpaka-Wanderung - und habe dann nachgefragt, ob ich das begleiten kann.

Und eine Urlaubsbegleitung haben Sie auch schon gemacht?

Ja, in diesem Jahr, das war meine erste. Und das gleich als Leitung. Es war eine Städtefahrt nach Heidelberg mit neun Teilnehmern und drei Begleitern. Wir waren fünf Tage unterwegs und hatten ein schönes Programm - darunter eine Stadtführung, die ich organisiert habe, da sie ja an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst sein musste. Am Tag vor der Abreise war ich sehr aufgeregt, aber es war von Anfang an super, es hat alles gut geklappt und war unkompliziert. Das hat Lust auf mehr gemacht. Ich liebäugle jetzt mit der Hollandreise oder der nach Italien...

Wurden Sie auf diese Aufgabe vorbereitet - oder war es ein Sprung ins kalte Wasser?

Es gab einen Einführungsabend mit vielen wichtigen Tipps und Informationen. Rein theoretisch hätte ich auch Kurse über Epilepsie besuchen können... aber nicht jeder Mensch mit Beeinträchtigung ist automatisch schwerbehindert, es gibt auch viele, die nur etwas Unterstützung brauchen, weil sie beispielsweise nicht lesen können. Vor jedem Einsatz bekommt man übrigens auch eine Mappe mit Hinweisen zu jedem Teilnehmer, also beispielsweise ob jemand Diabetiker ist. Ich denke, dass bei dieser Aufgabe vor allem auch Herz und Verstand wichtig sind - und man muss für andere Menschen offen sein.

Berührungsängste haben Sie also keine?

Habe ich tatsächlich keine. Ich nehme Menschen offen an, so wie sie sind. Die Menschen, die ich begleite, sind alle sehr kommunikativ, sehr freundlich und unkompliziert.

Gibt Ihnen dieses Ehrenamt auch etwas zurück?

Ja, definitiv. Die Begegnungen sind herzerwärmend. Ich bekomme auch viel Dankbarkeit zu spüren. Es sind alles sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, aber ich schätze jeden in der Art und Weise, wie er ist. Die Menschen mit Beeinträchtigung sind alle sehr ehrlich, sie sagen, was sie denken... wir können viel von ihnen lernen.

Gab es bei Ihren Unternehmungen auch schon unschöne Begegnungen mit sogenannten normalen Menschen?

Eigentlich nicht, die meisten sind sehr offen unserer Gruppe gegenüber.

Sie hören sich richtig begeistert an: Werden Sie dabei bleiben?

Ganz sicher. Die Reisen mit Menschen mit Beeinträchtigung sind zwar keine Erholung in dem Sinne, auch muss ich mir für diese Zeit Urlaub nehmen... aber ich mache auf alle Fälle weiter. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Ausflug. Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf diese Begleitung einzulassen, es gibt einem viel zurück.

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