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Tassilo-nominiert:Die Vermittlerin der Kunst

Daniela Eiden

Daniela Eiden von den Altstadtförderern Moosburg ist für den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung nominiert.

(Foto: Klaus Kuhn/Altstadtförderer)

Die Moosburgerin Daniela Eiden hat im Verein der Altstadtförderer viele Projekte angestoßen und auch durchgesetzt, etwa die Kurzfilmnacht und das Dialog-Forum. Sie ist für den Kulturpreis nominiert.

Von Clara Lipkowski, Moosburg

Kultur erleben, Stadtentwicklung fördern, Denkmäler erhalten - nach diesem Motto arbeitet der Verein Altstadtförderer in Moosburg. Als Vereinsvorsitzende setzt sich Daniela Eiden seit fast 20 Jahren für die Belange der Stadt an der Isar ein. Sie organisiert Ausstellungen, Lesungen, Kurzfilmnächte und Atelierbesuche in Moosburg, veranstaltet Diskussionsrunden und Vorträge und zieht nebenbei noch Künstler für die nächsten Projekte an Land. Nun ist Daniela Eiden für den Tassilo Ehrenpreis für ein Lebenswerk nominiert.

Kunst, Literatur und Politik haben sie schon früh interessiert, sagt die 65-Jährige. In ihrem Elternhaus seien ständig interessante Leute ein- und ausgegangen: Maler, Bildhauer, Filmemacher, Schriftsteller und Historiker. Das habe sie viel mehr geprägt, als die Schule. Sie habe sich für alles interessiert, aber nicht für die Schule, sagt sie rückblickend. Die empfand sie als langweilig und wenig lehrreich. Die unterschiedlichen Menschen und politischen Diskussionen bei sich zu Hause hingegen fand sie viel interessanter.

"Ich kann gut organisieren", sagt Eider

Das Abitur hat sie dann auch nicht gemacht, sich aber für eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin entschieden. Diesen Beruf hat sie anschließend nur kurz ausgeübt und dann bald angefangen, das Architekturbüro ihres Mannes zu organisieren.

"Ich kann gut organisieren", sagt Eider. Das habe sie damals schnell gemerkt. In dieser Aufgabe blüht sie auch im Verein der Altstadtförderer förmlich auf. Zahlreiche Projekte hat sie angestoßen und durchgesetzt. Heute organisiert sie beispielsweise das Kunstwochenende in Moosburg, das seit 1999 jährlich im Zehentstadl stattfindet und bis zu 400 Besucher anzieht. Dafür heuert sie regelmäßig neue Künstler an, die sie auf Ausstellungen in München, Bayern und anderen Teilen Deutschlands findet. Gefallen ihr die Exponate, kontaktiert sie den Künstler. "Mir ist es besonders wichtig, auch weniger berühmte Kunstschaffende nach Moosburg zu holen", sagt sie. Inzwischen sei das Kunstwochenende so bekannt, dass sich sogar Künstler bei den Altstadtförderern bewerben, um ausstellen zu dürfen.

Die ausgewählten Werke ihrer Kurzfilmnacht kamen gut an

Weiter setzt sich Eiden dafür ein, dass Politiker und Bewohner ihrer Stadt in Dialog treten. Im Altstadt-Forum, das Eiden 2000 ins Leben gerufen hat, diskutieren die Teilnehmer die Stadtentwicklung und den Denkmalschutz. Die Verkehrsplanung und Aufenthaltsqualität der Stadt sieht Eiden kritisch, beispielsweise durch zu viele Lastwagen, die durch die Stadt rasen. Zudem bemüht sich die gebürtige Göttingerin um den Erhalt von Gebäuden wie denen im Moosburger Weingraben.

Die Kurzfilmnacht ist ein weiterer Pfeiler ihrer Vereinstätigkeit. 2014 ins Leben gerufen, wurde das Projekt sofort gut angenommen, da die ausgewählten Werke teils unbekannter Regisseure sehr gut ankamen. Darüber hinaus will Daniela Eiden junge Menschen für Kunst und Kultur begeistern. Das fängt für sie schon in der Schule an. Deswegen lädt sie regelmäßig Schüler der Moosburger Montessori-Schule und des Freisinger Karl-Ritter-von-Frisch Gymnasiums ein, Texte in einer öffentlichen Lesung vorzutragen. Außerdem will sie jungen Menschen die Scheu vor Ausstellungsbesuchen nehmen und richtet sich mit ihren Programmen immer wieder gezielt an ein jüngeres Publikum. Bei den Vernissagen des Kunstwochenendes darf außerdem nie die dafür passende Musik fehlen.

Eider erhielt bereits den Kulturanerkennungspreis des Landkreises Freising

2009 hat sie als bisherigen Höhepunkt ihres Engagements den Kulturanerkennungspreis des Landkreises Freising verliehen bekommen. Und auch über den Tassilopreis würde sie sich sehr freuen, verrät sie. Für das Preisgeld hätte sie auch schon eine Idee: "Seit langem habe ich den Wunsch, ein kleine Denkmalschutzreise zu machen." Auf der Reise wolle sie mit Vereinsmitgliedern, lokalen Politikern und Stadtführern in eine andere, wenig bekannte Stadt fahren, "schauen, wie die mit dem Denkmalschutz umgehen" und neue Ideen mit nach Moosburg nehmen. Das müsse natürlich ausführlich geplant werden, sagt sie, wäre aber mit dem Tassilopreis realistischer als ohne.

Schwierigkeiten in ihrer Tätigkeit hingegen ergeben sich, wenn Künstler nicht so mitspielen, wie vereinbart, sagt sie. "Wenn eine Veranstaltung geplant ist und unsere berühmten roten Einladungskarten fertig sind und dann ein Künstler absagt, ist das schon schwierig." Aber in solchen Fällen hat sie auch immer Ersatz gefunden - mit einem großen Netzwerk von Kulturschaffenden, das sie sich über die Jahre aufgebaut hat.

Selbst künstlerisch tätig ist Daniela Eiden übrigens nicht mehr. Sie habe eine Zeit lang gemalt, berichtet sie, aber dann festgestellt, dass sie das lieber denen überlasse, die es besser können. "Ich bin viel mehr eine Vermittlerin der Kunst, als eine Künstlerin", sagt sie. Und in dieser Rolle fühlt sie sich offensichtlich sehr wohl.

© SZ vom 02.06.2016/zim

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