LangenbachEin Dorf findet eine Ärztin

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Ungewöhnliche Kampagne, neues Konzept: Lena Eschenbach (links) eröffnet in Langenbach eine weitere Arztpraxis ihres Modells „Better Clinics“. Bürgermeisterin Susanne Hoyer freut sich, dass die „Bachdoktor“-Kampagne endlich Erfolg hatte.
Ungewöhnliche Kampagne, neues Konzept: Lena Eschenbach (links) eröffnet in Langenbach eine weitere Arztpraxis ihres Modells „Better Clinics“. Bürgermeisterin Susanne Hoyer freut sich, dass die „Bachdoktor“-Kampagne endlich Erfolg hatte. Marco Einfeldt
  • Nach zweieinhalb Jahren erfolgreicher "Bachdoktor"-Kampagne eröffnet die Medizinerin Lena Eschenbach Anfang Februar eine neue Hausarztpraxis in Langenbach.
  • Die Praxis arbeitet mit dem innovativen "Better Clinics"-Konzept, das klassische Hausarztmedizin mit Telemedizin per Videoschalte kombiniert.
  • Die Gemeinde unterstützt die Praxis mit 150.000 Euro aus dem Haushalt und hat auch eine Lösung für die Apotheke gefunden.
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Mit der „Bachdoktor“-Kampagne hat Langenbach Aufsehen erregt. Dennoch blieb die Suche nach einem neuen Hausarzt lange erfolglos – bis die Medizinerin Lena Eschenbach darauf aufmerksam wurde. Sie setzt dort ein weiteres Mal ein neuartiges  Praxis-Modell um.

Von Petra Schnirch, Langenbach

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Ausdauer zahlt sich aus. Vor zweieinhalb Jahren hatte die Gemeinde Langenbach die Kampagne „Der Bachdoktor – Ein Dorf sucht einen Arzt“ gestartet. Zweimal schon wollte Bürgermeisterin Susanne Hoyer aufgeben. Mehrere Interessenten hatten im letzten Moment abgesagt. Nun hat es endlich geklappt. Die neue Praxis wird Anfang Februar öffnen, mit einem innovativen Konzept. Vor Kurzem stellte die Bürgermeisterin die Medizinerin Lena Eschenbach im Rathaus vor und hatte gleich noch eine weitere gute Nachricht: Für die Apotheke ist ebenfalls eine Lösung gefunden. „Das ist für mich ein sehr schöner Jahresabschluss“, sagte Hoyer.

Die Bachdoktor-Aktion der Freisinger Werbeagentur Kasper hatte weit über die Region hinaus Aufsehen erregt. Die Langenbacher stellten dabei die Vorzüge ihres Dorfes heraus und warben um einen Nachfolger für Hubert Wilhelm Bohrer, der seine Praxis aus Altersgründen Anfang 2023 aufgegeben hatte. Etwa 15 ernsthafte Interessenten meldeten sich in den vergangenen Monaten bei Susanne Hoyer, zu einem Abschluss kam es nie. Bis Lena Eschenbach im Internet auf die „Bachdoktor“-Seiten stieß.

Sie war auf der Suche nach einem weiteren Standort für ihr Konzept „Better Clinics“. Anfang Oktober startete sie damit in Fraunberg, Landkreis Erding. Hausarztmedizin wird dabei an zwei Vormittagen durch das Prinzip der „umgedrehten Telemedizin“ ergänzt. Eine Münchner Ärztin berät die Patientinnen und Patienten per Videoschalte auf einem großen Bildschirm, unterstützt durch medizinisches Personal vor Ort. An drei Tagen in der Woche behandelt ein Hausarzt direkt in den Räumlichkeiten in Fraunberg. Eschenbach sieht darin ein Modell für die Zukunft. „Eine klassische Hausarztpraxis schreckt viele junge Ärzte ab“, wegen des hohen finanziellen Aufwands und langer Arbeitszeiten. „Die Idee hat mich nicht mehr losgelassen.“

Die Patienten würden mit der Digitalisierung nicht alleingelassen, wie Eschenbach versichert. Ein sogenannter Physician Assistant, ein Arzt-Assistent, entlaste den Allgemeinmediziner und übernehme Routineaufgaben wie Impfungen, Anamnesen oder die Wundversorgung. Angeboten wird in der neuen Praxis die „typische hausärztliche Medizin“ mit Ultraschall, EKG oder Lungenfunktionstest.  Ein Ausbau zur Betriebsmedizin ist nach den Worten von Eschenbach geplant. Hausbesuche sind ebenfalls vorgesehen.

Bescheid ist nur noch Formsache

Die Räumlichkeiten in Langenbach befinden sich an der Bahnhofstraße 11, gegenüber der früheren Arztpraxis. Noch fehle der offizielle Bescheid der Kassenärztlichen Vereinigung, sagte Hoyer. Telefonisch sei ihr aber bestätigt worden, dass dies nur noch Formsache sei. In Langenbach will „Better Clinics“-Geschäftsführerin Lena Eschenbach später selbst mitarbeiten. Die Herzchirurgin absolviert derzeit ihre Facharztweiterbildung zur Allgemeinmedizinerin.

Die „Bachdoktor“-Kampagne habe sie sehr ansprechend gefunden, erzählte Eschenbach. Sie habe sie sich gleich ein Bild von Langenbach, einer für sie modernen, dynamischen Gemeinde, machen können. So sei es nicht nur ein „Fleck auf der Landkarte“ gewesen.  „Wir waren offen für jede Versorgungsmöglichkeit“, sagte die Bürgermeisterin und somit für neue Konzepte. Wenn sich ein Zahnarzt anschließen wolle, nehme man den gleich dazu, meinte sie und lachte.

Das Sortiment der Apotheke soll erweitert werden

Die Rahmenbedingungen sind attraktiv: Mit neuen Förderrichtlinien machte der Gemeinderat vor Kurzem den Weg für eine großzügige Unterstützung frei. 150 000 Euro sind im Haushalt eingeplant. Nicht etwa für die Ausstattung der Praxis, wie Geschäftsleiter Bernhard Götz erklärte, sondern anteilig monatlich ausgezahlt,  für die erbrachte medizinische Betreuung – um den Erhalt der Praxis langfristig zu garantieren. Die Richtlinien gelten laut Götz auch für andere neue Praxen.

Eine Lösung ist auch für die Apotheke gefunden. Ende 2025 schloss Barbara Hofmann die Malven-Apotheke nach sieben Jahren. Sie suchte ebenfalls lange nach einem Nachfolger. Die Sankt-Georg-Apotheke aus Freising wird die Räume nahtlos übernehmen und die Versorgung sicherstellen, wie Susanne Hoyer betonte. Allerdings kommt auch hier ein ungewöhnliches Modell zum Tragen. Da Apotheker nicht mehr als drei Filialen führen dürfen, wird die Langenbacher Apotheker zu einer Art Gesundheitsshop. Rezeptpflichtige Medikamente können jedoch bestellt und abgeholt werden. Ein Lieferservice und Abholautomat sind geplant.  Das Sortiment mit Drogerie- und Gesundheitsartikeln will der neue Betreiber Frank Füßl erweitern. Das Personal übernimmt er weitgehend.

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