Kandidatenporträt zur Landtagswahl Schon früh Verantwortung übernommen

Johannes Becher (Dritter von rechts) knüpft gerne Kontakte und sucht das Gespräch mit den Leuten. So wie hier bei der Besichtigung einer Renaturierungsfläche an der Isar mit dem Umweltaktivisten und Schauspieler Hannes Jaenicke (Zweiter von rechts).

(Foto: Marco Einfeldt)

Der politische Werdegang des 30 Jahre alten Johannes Becher verläuft bisher ohne Umwege. Der Moosburger hat auf Anhieb den Einzug in Stadt-, Kreis- und Bezirkstag geschafft, nun will der Direktkandidat der Grünen ein Landtagsmandat erobern.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Als die Sprache auf Markus Söder kommt, kann sich Johannes Becher ein Grinsen nicht verkneifen. Mit dem CSU-Ministerpräsidenten, genau wie er ein gebürtiger Franke, hat sich Becher in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt. Bei der "Gründonnerstagung" der Freisinger Grünen parodiert der 30-jährige Moosburger im Singspiel seit Jahren Markus Söder. Becher macht die Rolle sichtlich Spaß. Sollte der Ministerpräsident bei der kommenden Landtagswahl jedoch eine Bruchlandung hinlegen und keine Parodie mehr wert sein, würde er "gerne das Opfer auf mich nehmen" und für die Gründonnerstagung einen anderen Charakter einstudieren, sagt Becher und lacht.

Als Direktkandidat der Grünen ist Becher mit dem klaren Ziel angetreten, die allein regierende CSU abzuwählen. Verlieren sie ihre absolute Mehrheit, müssen die Christsozialen sich einen Partner suchen. Eine schwarz-grüne Zusammenarbeit unter Söder könne er sich aber "nicht vorstellen, so weit rechts wie die CSU unter ihm mittlerweile ist", sagt Becher. Allerdings: "Wenn ich mir seine derzeitigen Umfragewerte anschaue, kann es sein, dass er gar nicht mehr der Mann ist, mit dem man nach der Wahl verhandeln muss." Bechers Meinung ist klar: "Mit der CSU, wie sie derzeit ist, kann man nicht regieren. Mit einer CSU, die sich wieder auf ihre sozialen Werte besinnt, kann man zumindest reden."

Der Moosburger Stadt-, Kreis- und Bezirksrat tritt seit jeher für eine soziale Politik ein, steht aber auch für eine "ökologische und demokratische Haltung", wie er sagt. Ihm liegen Themen wie die Generationengerechtigkeit und der Klimaschutz am Herzen. Und natürlich wolle er "den Widerstandskampf gegen die dritte Startbahn fortführen und das Projekt beerdigen". Ein besonderer Schwerpunkt seiner Politik ist zudem die Jugend.

Damit fing auch alles an. Sowohl was sein intensives ehrenamtliches Engagement angeht als auch seine politische Laufbahn. Becher ist ein Kind der Moosburger Neustadt. Dort wuchs er, zusammen mit den Eltern und zwei jüngeren Schwestern, 200 Meter entfernt vom Fußballplatz des TSV, auf. Also in einem "Multi-Kulti-Stadtteil mit all seinen Schwierigkeiten, aber auch den ganzen schönen Seiten", sagt er. Das alles spiegelte sich im Verein wider. Beim TSV Moosburg war Becher bereits als 15-Jähriger Co-Trainer einer F-Jugend-Mannschaft und übernahm das Team dann bald als verantwortlicher Coach. "Das hat unheimlich viel Spaß gemacht, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen habe ich immer geliebt", schwärmt er. Beim TSV rückte er als 19-Jähriger in den Vorstand und war dann Vorsitzender der Nachwuchsabteilung "Team Moosburg". Man habe bereits in jungen Jahren Vertrauen in ihn gesetzt, sagt Becher. Für ihn waren es vier lehrreiche Jahre, in denen es galt, "Verwaltungsaufgaben zu übernehmen und verschiedene Menschen und Charaktere in Einklang zu bringen".

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Noch heute ist Becher von der "Bindungskraft von Vereinen" überzeugt: "Sie bringen Menschen zusammen, da trifft der Jura-Student auf den Fließbandarbeiter - und alle sind gleich." Darum sei er "der Vereinsmeierei treu geblieben", sagt er. So ist er Gründungsmitglied und Vorsitzender des Vereins Tante Emma, der in Moosburg ehrenamtlich den gleichnamigen sozialen Treffpunkt und Gebrauchtwarenladen führt.

Bechers politische Laufbahn, die aus heutiger Sicht wirkt, wie von langer Hand geplant, begann im Moosburger Jugendparlament (JUP). Von seinen Eltern darin bestärkt, bewarb er sich und wurde als 14-Jähriger in das Gremium gewählt. Von Politik, sagt er, "habe ich damals gar keine Vorstellung gehabt". Ihm ging es vornehmlich um den Bau eines neuen Jugendhauses. Dafür setzte er sich schon als JUP-Vorsitzender ein und durfte den Neubau 2012, als er bereits im Stadtrat saß, als Jugendreferent eröffnen. Durch seine Arbeit im JUP wurden mehrere Parteien auf ihn aufmerksam. Er entschied sich für die Grünen.

Daten zur Person

Geboren am 2. Juli 1988 in Münchberg, ledig

2007: Abitur und Eintritt bei Bündnis 90/Die Grünen

seit 2008 Stadtrat und Jugendreferent in Moosburg sowie Kreisrat im Kreis Freising

2013: Uni-Abschluss in Regensburg (Diplom-Jurist)

seit 2013 Bezirksrat und persönlicher Referent des Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Magerl

seit 2014 Vorsitzender der Moosburger Grünen-Stadtratsfraktion und Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses

seit 2015 Sprecher der Grünen Moosburg

Die schickten ihn 2008 gleich auf Listenplatz drei in die Kommunwahl. "Für einen 19-Jährigen mit langen Haaren und Zahnspange war das ein großer Vertrauensvorsprung", sagt er. Becher zog auf Anhieb in den Stadtrat und auch gleich in den Kreistag ein. In der Folgezeit nahm seine politsche Karriere Konturen an. 2013 kam er in den Bezirkstag und wurde nach Abschluss seines Jura-Studiums persönlicher Referent des Freisinger Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Magerl, dessen Nachfolger er nun werden möchte. Dass das Büro Magerl sich einen Namen als eine "Ausbildungsstätte" gemacht hat - zu den früheren Mitarbeitern zählen der Landtagsabgeordnete Markus Ganserer und Toni Hofreiter, Grünen-Fraktionschef im Bundestag - ist sicher kein Nachteil.

SZ-Grafik

(Foto: )

Und wie viel Magerl steckt in Johannes Becher? "Ein bisserl schon", sagt Becher. Von Magerl habe er etwa gelernt, "dass man nie die Bodenhaftung verlieren darf und dass Glaubwürdigkeit das wichtigste Gut ist". Aber gewisse Unterschiede seien nicht zu leugnen. Sein Noch-Chef beschäftige sich sehr tief greifend mit seinen Spezialthemen, er selbst dagegen beackere "sehr viele Themen, auch kommunale".

Er beschäftige sich "jeden Tag eigentlich permanent mit Politik", sagt Becher. Sei es in der Arbeit, in der Stammkneipe oder sonstwo. Er sucht den Dialog mit Leuten, kümmert sich um ihre Anliegen, knüpft Netzwerke. "Ich habe den Anspruch, dass ich das, wofür ich eintrete, sehr gut mache und nicht nur ein bisserl." Darum lässt er offen, ob er im Falle eines Landtagsmandats - die Chancen stehen mit Listenplatz sechs nicht schlecht - bei der Stadtrats- und Kreistagswahl 2020 wieder antreten würde. Er müsse dann schauen, wie sich alles vereinbaren lasse. Zunächst warte er die Landtagswahl ab. Erst wenn er ins Maximilianeum einziehe, könne man übrigens von einer "richtigen Politikerkarriere sprechen", meint er. Dass er - auf der Kabarettbühne - Ministerpräsident kann, hat Becher schon bewiesen. Wird er am 14. Oktober gewählt, kann er beweisen, dass er im richtigen Leben auch Landtag kann.