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Kandidatenportrait zur Landtagswahl:Ungewöhnliche Rezepte

Wünscht sich einen Bierbrunnen für Freising: Kevin Neuwirth aus Pulling ist Landtagskandidat für "Die Partei" und lobt das gute Miteinander in Orts- und Kreisverband. Streit gibt es höchstens bei der Frage, was lustig ist.

(Foto: Marco Einfeldt)

Kevin Neuwirth ist Direktkandidat für "Die Partei". Gegen Politikverdrossenheit schlägt er ein einfaches Mittel vor: Freising braucht einen Bierbrunnen. Auch eine Bierpreis-Obergrenze muss her, wie er findet.

Von Thilo Schröder, Freising

Es gibt nicht viele Parteien, in denen neue Mitglieder beim ersten Parteitreffen zu Landtagskandidaten gekürt werden. Kevin Neuwirth hat es dennoch geschafft. Oder wie der 20-Jährige es selbst ausdrückt: "Unser Bezirkstagskandidat war etwas unentschlossen, und ich war ein wenig interessiert, weil ich dachte, das wär weniger Arbeit. Ich hab mich dann gemeldet und irgendwie ist es dann relativ schnell dazu gekommen." Neuwirth kandidiert im Landkreis Freising für die Satirepartei "Die Partei". Einsetzen möchte er sich vor allem für einen Bierbrunnen in Freising und eine Bierpreis-Obergrenze. Auch die S-Bahn-Situation will der angehende Student thematisieren - "nach der Machtergreifung", versteht sich. Ansonsten gilt: Man ist flexibel, möchte nicht zu viel Verantwortung übernehmen.

Neuwirth, gebürtiger Giesinger, zog vor etwa fünf Jahren mit seiner Familie nach Pulling. "Die Stadt war mir ein bisschen zu schnell, zu aufgedreht, zu hektisch. Und auf dem Land ist es eben trotz der Flugzeuge relativ angenehm, relativ entspannt", sagt er. In Pulling begann dann auch seine politische Karriere. "Ich war erst in der Linken, hab dann aber festgestellt, dass ich nicht so links bin, wie ich dachte." Seine Landtagskandidatur nimmt der junge Mann mit der langen, hellbraunen Haarmähne und dem blütenweißen Hemd gelassen. Im Gegensatz zu Parteikollege Lukas Gerstweiler, der für den Bezirkstag kandidiert, werde er ja "mit großer Wahrscheinlichkeit an der Fünfprozenthürde scheitern". Zumindest bestehe die Möglichkeit, dass dieser Fall eintrete, fügt er hinzu.

An seiner Partei schätzt Neuwirth das herzliche Miteinander und die "sehr, sehr netten Menschen". In den anderen Parteien werde ja sehr viel gestritten. "Bei uns gibt's natürlich auch kleine Streitigkeiten, aber da geht's dann eher darum: Was ist lustig? Kann man das so machen? Ist das zu hart? Ist das vielleicht zu wenig?" Was "Die Partei" weiterhin auszeichnet: In den sozialen Medien reagiert sie in Minutenschnelle auf Presseanfragen.

"Bei uns ist halt eigentlich immer jemand online. Das ist ein großer Vorteil, wenn politische Fragen kommen: Dann müssen wir halt nicht lange nachdenken. Wir haben ein festes Programm und der Rest ist flexibel. Andere Politiker müssen vielleicht länger nachdenken, wie sie etwas verkaufen, wie sie eine Position, die sie öffentlich schon vertreten haben und die dem Fragesteller vielleicht nicht so passt, trotzdem so verkaufen, dass derjenige nicht von der Partei Abstand nimmt." Es fällt auf, dass "Die Partei" nicht sehr präsent ist im Straßenwahlkampf. Neuwirth sagt dazu: "Wir brauchen nicht so viel Werbung, weil wir von unseren Inhalten überzeugt sind. Ich finde, wer andauernd unterwegs ist und die Leute überzeugen muss, hat offenbar nicht die richtigen Inhalte. Wir sind eben durch unsere Flexibilität so nah am Bürger, dass wir mit ein paar Plakaten, mit ein paar Wahlkampfveranstaltungen am Stand, zum Beispiel in der Freisinger Innenstadt, ausreichend Aufmerksamkeit erreichen."

Einig sei man sich im Kreisverband bei der Bierbrunnen-Forderung: "So ein kleiner Bierbrunnen zu Hause, wenn man von der Wiesn kommt oder auch mal so einfach abends durch Freising läuft und seinen Krug füllen kann, das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt." Er spüre in der Gesellschaft derzeit eine recht groß Verärgerung über die Politik. "Man ist verzweifelt und Alkohol legt das Ganze, ist zumindest unsere Vermutung."

Kleinere Gemeinden könnten laut Neuwirth von einer Bierpreis-Obergrenze profitieren: "Pulling wird zum Beispiel keinen Bierbrunnen bekommen, das wär zu teuer. Die Leute sterben langsam aus, wer zieht noch nach Pulling? Da lohnt es sich einfach nicht. Aber zumindest muss in der Pullinger Umgebung auch das Bier bezahlbar sein, vor allem für alte Leute, denn Altersarmut ist ja auch ein aktuelles Problem." Neuwirth selbst wird Pulling möglicherweise ebenfalls bald verlassen. Für sein Archäologiestudium würde er nach Tübingen ziehen - vorausgesetzt, er komme nicht in den Landtag, sagt er.

© SZ vom 27.09.2018
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