Sechs Fragen an die Kandidaten Digital arbeiten und lernen

Digitaler Unterricht an einer Grundschule in München. Im Bild spielen Schüler das Märchen vom Froschkönig auf einem Tablet nach.

(Foto: Florian Peljak)

Die sieben Direktkandidaten für den Landtag erläutern ihre Vorstellungen im Bereich von Breitbandausbau und dem Einsatz moderner Lehrmittel an den Schulen. Einige fordern, die Medienkompetenz der Schüler durch entsprechenden Unterricht zu fördern.

Digitalisierung und Breitbandausbau. Was muss hier in den nächsten fünf Jahren passieren? Wie kann die Ausstattung der Schulen diesbezüglich auf das notwendige Niveau gebracht werden?

(Foto: Marco Einfeldt)

Florian Herrmann (CSU): Der Breitbandausbau in Bayern läuft auf Hochtouren: 98 Prozent der bayerischen Kommunen beteiligen sich am Förderprogramm. Im Landkreis Freising hat mittlerweile jede Kommune einen Förderbescheid erhalten; insgesamt wurden hier Fördermittel in Höhe von 10,1 Millionen Euro zugesagt. Auch von dem im Juli 2017 eingeführten Höfebonus konnten bereits drei Gemeinden profitieren und damit den Ausbau insbesondere im Außenbereich vorantreiben.

Das Ziel für die nächsten Jahre lautet: Gigabit für jeden Haushalt bis 2025. Hierzu führt der Freistaat Gespräche mit der Europäischen Kommission, um auch bei diesem Ziel seinen Kommunen kräftig unter die Arme zu greifen.

Mit der kürzlich gestarteten Förderung von Glasfaseranschlüssen und WLAN-Infrastruktur für öffentliche Schulen und Plankrankenhäuser haben im Landkreis Freising über 50 Schulen und das Klinikum Freising beste Voraussetzungen, sich für die Digitalisierung in Bildung und Medizin fit zu machen. Die Basis dafür ist geschaffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Markus Grill (SPD): Ich erwarte mir in den nächsten fünf Jahren in sämtlichen Gemeinden des Landkreises Freising schnelles Internet. Dies ist derzeit noch nicht einmal in allen Ortsteilen der Kreisstadt Freising sicher gestellt.

In den Schulen ist das Ziel, ab der dritten Klasse für jeden Schüler, jede Schülerin egal welcher Schulart einen modernen Laptop mit Dockingstation am Platz zur Verfügung zu stellen.

Eine formale technische Gleichbehandlung der Schulen ist dabei im Interesse von Eltern, Schülern, Lehrern genauso wie das im Sinne der künftigen Arbeitgeber ist. Neben der Lehrerausbildung in technischer Medienkompetenz ist auch verstärkt bei Lehrkörpern wie SozialpädagogInnen im Schuleinsatz zusätzlich der Bereich Medienkompetenz künftig von zentraler Bedeutung. Die Unterscheidung von Spreu und Weizen im www. wird auch die Frage bestimmen, wie stabil unsere Gesellschaft künftig sein wird. Medienkompetenz meint dabei alles von Mediennutzung bis zu Gefahren wie Spielsucht, Cybermobbing und Internet abzocke.

Die genutzten Medien sollten schuleigen sein, um auch gegenüber modernen Formen von Prüfungsbetrug besser gewachsen zu sein. Die technische Ausstattung von Schulen und Hochschulen wird langfristig auch über die Chancen ganzer Gesellschaften entscheiden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Johannes Becher (Grüne): Es braucht einen Glasfaseranschluss in jedem Haus und ein flächendeckendes Mobilfunknetz. Da hinken wir anderen Ländern noch immer hinterher. Die Digitalisierung geht uns alle an, denn sie durchdringt alle Lebensbereiche. Es gilt sie jeweils so zu gestalten, dass die Chancen für das Gemeinwohl genutzt werden können, ohne die Risiken zu vernachlässigen.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Alltagsgeschäfte, zum Beispiel Bankgeschäfte, auch nach wie vor persönlich möglich sind, denn nicht alle Menschen können oder wollen aus verschiedensten Gründen die digitalen Angebote nutzen. Für die kommenden Generationen wird es entscheidend, dass sie die Funktionsweisen von Computern und Algorithmen kennen, damit sie mündige Nutzer der Digitalisierung und nicht nur benutzte Konsumenten werden. Die Ausstattung der Schulen ist mit finanziellen Mitteln auf das notwendige Niveau zu bringen, doch es wird vor allem ein kompetenzorientiertes Umdenken beim Umgang mit neuen Medien in der Schule benötigt.

Benno Zierer weiß, es gibt noch mehr zu tun.

(Foto: Marco Einfeldt)

Benno Zierer (Freie Wähler): Um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, brauchen unsere Unternehmen leistungsfähiges Internet in jedem Winkel Bayerns. Besonders wichtig ist uns Freien Wählern die Versorgung kleinerer und mittlerer Unternehmen im ländlichen Raum, damit in der Fläche Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden können. Wir fordern deshalb bis 2023 Glasfaseranschlüsse in jedes Haus und eine Gigabit-Offensive für den Mittelstand mit einem Förderprogramm, das die Versorgungslücken schließt.

Zum Thema Bildung Digital haben wir 2017 ein Antragspaket mit zehn Punkten im Landtag eingebracht und das Thema damit auf die politische Agenda gesetzt. Ziel ist es, die Medienbildung zum zentralen Teil des Schulunterrichts zu machen. Unsere Forderungen reichen von der besseren technischen Ausstattung der Schulen - insbesondere der berufsbildenden Schulen - über die Verbesserung der Medienkompetenz der Lehrkräfte bis zu einer Digitalisierungsstrategie für die bayerischen Hochschulen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Jens Barschdorf (FDP): Es ist eine Schande für Bayern, wie langsam der Ausbau moderner digitaler Infrastruktur vorangeht. Immer zu Wahlkampfzeiten verspricht die CSU, dass es jetzt endlich schneller vorangeht. Aber nichts passiert. Dabei ist eine moderne digitale Infrastruktur mit Breitbandanschluss vom Bodensee bis Hof und gerade im ländlichen Raum die Zukunftsfrage unserer Zeit. Der Ausbau neuer Mobilfunknetze (5G) muss schnellstmöglich flächendeckend erfolgen und die Netzabdeckung deutlich besser werden.

Wir brauchen Innovationszentren, digitale Freiheitszonen, in denen für die Zukunft geforscht und entwickelt wird. Bürokratie und veraltete Vorstellungen erschweren es Gründern, echte Innovationen zu vermarkten und in einem eigenen Unternehmen zur Marktreife zu bringen und das unter anderem in Kooperation mit Hochschulen.

Der Freistaat muss zudem den Kommunen Geld zur Verfügung stellen, ihre Klassenräume auf modernste Techniken umzustellen. Zudem wollen wir jedem Schüler ein Tablet zur Verfügung stellen, um moderne Unterrichtsmethoden nutzen zu können. Der technologische Wandel ist aber auch für bereits jetzt Berufstätige eine Herausforderung. Deshalb müssen wir die berufliche Fort- und Weiterbildung stärker fördern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Felix Bergauer (ÖDP): Nachdem ich bereits seit über 20 Jahren im IT-Bereich tätig bin, ist die Digitalisierung eine meiner größten Sorgen. Fehlende Versorgung mit schnellem Internet verstärkt die Abwanderung und gefährdet Existenzen im ländlichen Raum. Mittelständische Firmen sollten dringend ans Glasfasernetz angeschlossen werden, da die Digitalisierung so manchen Standortnachteil, der in der Entfernung liegt, kompensieren kann. Die am 1. Juni in Kraft getretene und am 22. August verlängerte Richtlinie zur Förderung von Glasfaseranschlüssen und WLAN für öffentliche Schulen und Krankenhäuser ist dabei ein guter Schritt, der aber noch konsequenter umgesetzt werden muss.

Die ÖDP plädiert jedoch auch für das sogenannte Recht auf analoge Kindheit, das heißt, es soll ums "Begreifen" im eigentlichen Wortsinn gehen, nicht nur um das Lernen mittels Tablet-Computern. Laut Experten führt deren Nutzung mitnichten zu besseren Leistungen in der Schule. Allheilserwartungen an die Digitalisierung sind insofern unangemessen, vielmehr können Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Schlafstörungen, mehr Übergewicht durch weniger Bewegung sowie weniger Kreativität und Empathiefähigkeit schädliche Folgen sein. Kurzsichtigkeit nimmt zu, ja gar von Sucht ist in letzter Zeit schon häufiger die Rede.

(Foto: Marco Einfeldt)

Guido Hoyer (Die Linke): Eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur ist Grundstein einer modernen Gesellschaft und gehört in die öffentliche Hand, nicht in die Hand gewinnorientierter Konzerne. DIE LINKE fordert deshalb den dezentralen und kommunalen Ausbau des Glasfasernetzes bis in jedes Gebäude. Auch öffentliche WLAN-Hotspots müssen ausgebaut werden.

Die Digitalisierung bietet die Chance, einen schnellen Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Die Informationsflut fordert dazu heraus, einen kritischen Verstand zu entwickeln, um zum Beispiel fake news von der Wahrheit zu unterscheiden. Deshalb bin ich dafür, dass Medienpädagogik fächerübergreifend in den Lehrplan aufgenommen wird.

Schulbücher sollten auch in digitaler Form für die Schüler bereit gestellt werden und die IT-Infrastruktur aller Schulen muss zügig mit Breitbandanschlüssen und WLAN für alle Schüler ausgebaut werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bernhard Kranich (AfD): Seit Jahren wird wie ein Mantra der "Breitband-Ausbau" von der Politik beschworen. In der Praxis sieht es oft so aus, dass die Provider, unter anderem die Telekom eine Vielzahl von Baustellen gleichzeitig über viele Monate betreiben und der Ausbau trotzdem einfach nicht vorwärts kommt. Die Ausstattung der Schulen in Freising hinsichtlich Digitalisierung ist meines Wissens nach auf dem neuesten Stand. Nicht Digitalisierung als ein Weg der Wissensverarbeitung sollte im Vordergrund stehen, sondern die Vermittlung von Lerninhalten und Werten. Statt Frühsexualisierung an den Schulen zu fördern und die Gender-Ideologie zu verbreiten, muss der Schwerpunkt hin zu nutzenorientierter MINT-Fächer verschoben werden. Nur das sichert uns auch in Zukunft unsere Spitzenposition in Forschung und Industrie.

Was die schulische Bildung angeht, haben zahlreiche Studien in der jüngeren Vergangenheit eine stark nachlassende Qualität ergeben, so dass Deutschland im internationalen Vergleich weiter zurückgefallen ist. Hier muss dringend gegengesteuert werden. Der Lehrermangel muss mittelfristig behoben werden.

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