Ein Viertel der Fläche im Landkreis Freising liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Das ist für einen Ballungsraum nicht ungewöhnlich viel, aber guter Durchschnitt und bildet das Potenzial der besonderen Landschaften ab. Der Flächenfraß aber zeigt sich auch hier: In den vergangenen 20 Jahren sind die Freisinger Landschaftsschutzgebiete um etwa 170 Hektar kleiner geworden.
Nun ist das Landschaftsschutzgebiet (LSG) die schwächste aller Schutzkategorien, es beinhaltet im Gegensatz zum Naturschutzgebiet kein generelles Bauverbot. Verhindert werden sollen lediglich eine systematische Bebauung und Eingriffe, die den Charakter der Landschaft verändern. Im Landkreis gibt es fünf solche Gebiete, das "Ampertal im Landkreis Freising" (8732 Hektar groß), das "Freisinger Moos und Echinger Gfild" (5261 Hektar), die "Mooslandschaft südlich von Hallbergmoos" (512) den "Tertiären Hügelrand von Maisteig bis zur Stadtgrenze Freising" (445) und das "Isartal", das auch Bezirks-Landschaftsschutzgebiet ist und vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bis in den Landkreis Freising hinein reicht, wo es gut 4700 Hektar umfasst.

Jörg Steiner, Chef der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt (UNB), hat gestöhnt, als die Frage der SZ kam, wie viel Fläche in den vergangenen 20 Jahren aus örtlichen Landschaftsschutzgebieten (LSG) entnommen wurde. Es waren und sind viele Anfragen, es gibt privilegierte Bauvorhaben, etwa die von Landwirten oder die in öffentlichem Interesse. Die Anträge der anliegenden Gemeinden behandelt der Kreistag, Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange dürfen Stellungnahmen abgeben.

Freising:Photovoltaik an der Bahnlinie
Die Stadt Freising möchte Anlage ins Landschaftsschutzgebiet bauen.
"Landschaftsplanerischer Offenbarungseid"
Manfred Drobny, Geschäftsführer beim Bund Naturschutz Freising, sieht in der Entscheidungsebene ein Problem. Der Kreistag, in dem viele Bürgermeister und Gemeinderätinnen sitzen, sei zu verzahnt mit den Kommunen. Die Folge: "Viele Anträge werden einfach durchgewunken." Das Neufahrner Gewerbegebiet am Römerweg, 2006 aus dem LSG entnommen, sei ein gutes Beispiel - "ein landschaftsplanerischer Offenbarungseid". Der Logistik- und Freizeitpark ist nicht der einzige Grund dafür, dass das LSG "Freisinger Moos und Echinger Gfild" in den vergangenen 20 Jahren um gut 200 Hektar schrumpfte. Auch Eching knappste ab, für die längst eingestampfte Planung einer Therme am Hollerner See und ein Kieswerk. Aktuell möchte Eching das See-Ufer wieder an das LSG zurückgeben. Für Steiner eine gute Sache, "damit könnte ungefähr die Hälfte der Flächenverluste wieder wettgemacht werden".
Lediglich die kleinen Schutzgebiete blieben von Bauwünschen weitgehend verschont, was an ihrer Hügellage liegen dürfte. Am LSG "Isartal" dagegen wurde mehrmals geknabbert. Eching, Neufahrn und Marzling haben etwas mehr als fünf Hektar für Wohnen und Gewerbe beantragt und zugestanden bekommen. Immerhin kamen beim Klärwerk Gut Marienhof bei Dietersheim 25 Hektar hinzu, sodass das "Isartal" sogar um 25 Hektar gewachsen ist. Aktuell liegt aber wieder ein Neufahrner Antrag vor. Auf gut einem Hektar möchte man bei Mintraching Gewerbe ansiedeln. Ausgleichen kann man den Verlust nicht, dafür soll ein Stück Isarau "inhaltlich" aufgewertet werden. Wie Jörg Steiner von der UNB betont, ist das möglich. Zum "quantitativen Ausgleich" durch neue Flächen gebe es den "qualitativen Ausgleich", bei dem bestehende Freiflächen ökologisch aufgewertet werden. Rechtlich verpflichtend ist ein Ersatz übrigens nicht.
Auch im LSG "Ampertal im Landkreis Freising" sind in den vergangenen 20 Jahren Grundstücke entnommen worden. Fahrenzhausen, Kranzberg, Kirchdorf, Zolling und Moosburg brauchten Grund für Wohnungen, Gewerbe und Straßen, in der Summe gut 20 Hektar. Dennoch ist das LSG sogar um zehn Hektar gewachsen, weil Kirchdorf, Zolling und Moosburg andere Areale auswiesen. Aktuell möchte Moosburg zwei Hektar für eine Montessori-Schule haben und bietet dafür vier Hektar an anderer Stelle. Wang musste seinen beantragten Hektar erst mal zurücknehmen und inhaltlich überarbeiten. Für Jörg Steiner ist das Hin und Her ganz normal angesichts "der Dynamik eines Ballungsraumlandkreises". Manfred Drobny sieht das anders: Soll der Status Landschaftsschutzgebiet die Landschaft tatsächlich schützen, müsse die Hürde für Entnahmen höher werden. Und die Entscheidung über Anträge sollte eine Etage höher fallen, etwa bei der Regierung von Oberbayern.