Öffentlicher Nahverkehr:In vier Jahren soll der erste Elektrobus im Landkreis fahren

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Öffentlicher Nahverkehr: Der MVV testet im Landkreis Ebersberg den Einsatz von Elektrobussen. So ein Fahrzeug könnte von 2026 an auch auf der Linie 690 zum Einsatz kommen.

Der MVV testet im Landkreis Ebersberg den Einsatz von Elektrobussen. So ein Fahrzeug könnte von 2026 an auch auf der Linie 690 zum Einsatz kommen.

(Foto: Christian Endt)

Die Linie 690 zwischen Neufahrn und dem Garchinger Gewerbegebiet ist laut einer MVV-Studie dafür prädestiniert. Der Expressbus X660 wird bald auch samstags verkehren.

Von Peter Becker, Freising

In vier Jahren beginnt die Zukunft auch im Landkreis Freising: Von Dezember 2026 an sollen Batteriebusse auf der Linie 690 zwischen Neufahrn und dem Gewerbegebiet Garching fahren. Eine Studie des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) hat ergeben, dass diese Linie sich aus technischer und wirtschaftlicher Sicht für die Umrüstung auf Elektrobusse eignet. Obendrein soll die Strecke zu einer Ringbuslinie umstrukturiert werden. Der Planungsausschuss des Kreistags hat diesem und weiteren Vorhaben zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehr zugestimmt.

Das alles ist nicht ganz billig. Im ersten Betriebsjahr muss der Landkreis mit Kosten von etwa einer Million Euro rechnen. Mit der Einführung eines Elektrobatteriebusses ist zudem die Stelle eines Projektsteuerers verbunden, weshalb auf den Landkreis weitere Kosten zwischen 30.000 und 90.000 Euro zukommen, die in den Folgejahren nach 2026 jedoch wieder wegfallen.

Der laufende Vertrag für die Linie 690 mit dem aktuellen Busunternehmen endet am 12. Dezember 2026. Der Landkreis will dies nutzen, um die Linie insgesamt umzustrukturieren. Der neue Verlauf, heißt es aus der Verwaltung, sei so konzipiert, dass möglichst schnelle Verbindungen von Neufahrn über Eching ins Gewerbegebiet Garching realisiert werden könnten. Dem MVV ist es ein Anliegen, Verspätungen zu vermeiden, was beim bisherigen Streckenverlauf stets der Fall war.

Schon von 2024 an fährt in Eching eine neue Ortslinie

Eine schnelle Verbindung steht allerdings im Widerspruch zu den zeitraubenden Ortsrunden, welche die Linie 690 bislang drehen muss. Der Echinger Gemeinderat hat deshalb im Juli beschlossen, zum Dezember 2024 die MVV-Regionalbuslinie 696 einzuführen. Diese Verbindung begünstigt die Erschließung von Deutenhausen, Ottenburg, Günzenhausen sowie des westlichen Ortsbereichs der Gemeinde. An der Haltestelle Eching-Ost soll ein Knotenpunkt für Umsteigemöglichkeiten entstehen.

Je nachdem ob die Linie 696 auch sonntags fahren soll, entstehen unterschiedlich hohe Kosten, die sich der Landkreis und der Zweckverband Neufahrn-Eching teilen. Erster zahlt den Betrieb zu den Hauptverkehrszeiten. Ohne Sonntagsverkehr würde der Anteil des Landkreises zwischen 155.000 und 162.000, mit den Sonntagen zwischen 160.000 und 180.000 Euro pro Jahr betragen. Auf den Zweckverband kämen Summen zwischen 185.000 und 208.000 Euro, beziehungsweise zwischen 260.000 und 290.000 Euro zu.

In Neufahrn werden auf der Linie 692 zwei Haltestellen gestrichen

Schon in diesem Jahr ändert sich der Verlauf der Linie 692 in Neufahrn. Die Gemeinde kehrt zum ursprünglich vorgelegten Entwurf des MVV zurück, der von der Gumberger-Kreuzung entlang der Grünecker Straße führt. Aktuell fährt der Bus eine Schleife über die Alte Kirche, die Robert-Koch- und Albert-Schweizer-Straße, was zu ständigen Verspätungen führt. Die beiden letzteren Haltestellen sollen auf Vorschlag des MVV entfallen, was die Anbindung an die Grünecker Straße verbessert. Fahrgastzählungen haben im Übrigen ergeben, dass die Haltestellen kaum genutzt werden. Durch ihren Wegfall verkürzt sich die Fahrtzeit nach Hallbergmoos, was gut für S-Bahn-Nutzer ist. Zunächst müsste aber die ehemalige Haltestelle an der Grünecker Straße wieder aktiviert werden.

Burghausen und Wippenhausen werden besser angeschlossen

Mehr recht als schlecht hat die Linie 601 bislang die Kirchdorfer Ortsteile Burghausen und Wippenhausen bedient. Das wird sich zum Fahrplanwechsel 2022/23 ändern. Der Planungsausschuss hat von Montag bis Freitag acht, an Samstagen drei zusätzliche Fahrtenpaare genehmigt. Zum Einsatz kommt dabei der bisherige Verstärkerbus. Die Attraktivität der Linie 601 dürfte sich steigern, weil sich die Fahrten nach Paunzhausen um 28 Minuten und die nach Kirchdorf um 16 Minuten verkürzen. Diese Fahrplanverbesserung kostet den Landkreis 134.000 Euro im Jahr.

Die Regionalbuslinien 602 und 603 gehören zu den am stärksten ausgelasteten Linien im Landkreis. Der Planungsausschuss empfahl diese Verbindung auszubauen. Für Fahrgäste aus Zolling ergäbe sich tagsüber ein 20/40-Minuten-Takt. Die Änderungen würden Ende des Jahres 2024 in Kraft treten. Auf den Landkreis würden Kosten zwischen 2,98 und 3,20 Millionen Euro pro Jahr zukommen.

Der Expressbus nach Garching fährt von Dezember an auch samstags

Die Expressbus-Linie X660 wird derart gut angenommen, dass von Dezember an auch samstags zwischen 8 und 22 Uhr Busse von Freising und dem Forschungszentrum in Garching fahren sollen. Fahrgäste haben so einen Wunsch schon gegenüber der Verwaltung und dem MVV geäußert. Shoppingfreunde, Ausflügler, Fußballfans und Berufstätige können vom zusätzlichen Angebot gleichermaßen profitieren. Der Mehraufwand beträgt für den Landkreis etwa 38.900 Euro.

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