Es ist August. Ferienzeit. Urlaubszeit. Das ist nicht zu übersehen. Leere Büros, leere Innenstädte, leere Trainingshallen im Sportverein. Wer jetzt noch hier ist, muss fast schon ein schlechtes Gewissen haben, da sich momentan doch gefühlt halb Freising und dreiviertel Erding (oder umgekehrt) in der ganzen Welt herumtreiben. Was man daran merkt, dass diejenigen, die für die leeren Büros, Innenstädte und Trainingshallen verantwortlich sind, uns täglich in irgendeinem sozialen Netzwerk aus irgendeinem Urlaubsparadies grüßen.
Mit Posts wie „Akkus wieder aufladen“ unter einem Bild mit einer Batterie Aperol Spritz an einer italienischen Pool-Bar. Oder: „Kleine Auszeit“ und darüber die Uhr von Big Ben. Oder: „Ich bin dann mal weg“ und dazu ein Foto am Strand mit der im Meer untergehenden Sonne. Oder: „Ich bin dann mal ganz weg“ unter einem unscharfen, dunklen Bild, auf dem absolut nichts zu erkennen ist und die Sonne oder gleich die ganze Welt offenbar schon untergegangen sind.
Allerdings stellt sich die Frage, wie all diese Reiselustigen bis Reisewütigen da überhaupt hingekommen sind. Die einschlägigen Autobahnen und sonstigen Fernstraßen sind um diese Jahreszeit bekanntlich verstopft. Wer mit dem Zug fährt, muss schon seeeehr lange Urlaub oder einen äußerst kulanten Chef haben, jetzt, da die Bahn ihre Fahrpläne nicht mehr berechnen, sondern nur noch schätzen kann. Und am Flughafen hängen ständig irgendwelche Klimakleber auf der Startbahn nicht nur herum, sondern auch fest, um dafür zu sorgen, dass kein Bier-Bomber mehr zum Ballermann aufbricht, solange es noch kein stabiles Oberleitungsnetz für E-Flugzeuge gibt.
Deshalb ist es vielleicht nicht die schlechteste Idee, ganz einfach daheimzubleiben. So wie die beiden Männer, die sich kürzlich bei schönstem Sommerwetter in einem hiesigen Biergarten kennen- und offenbar schätzen lernten. Sie saßen da so nebeneinander auf einer Bank. Mal blickten sie auf die wunderbare Natur zu ihrer Linken, mal folgten sie dem regen Treiben im Biergarten. Bis schließlich der Jüngere der beiden meinte: „I woaß gar ned, warum immer olle fuat rumpln miassn. Bei uns is ’s doch a schee.“
Eine Runde auf dem Radl und eine Halbe Bier – mehr braucht es nicht
Ja, dieses Unverständnis darüber, warum alle immer wegfahren müssen, obwohl es daheim doch auch schön ist, konnte seine neue Bekanntschaft durchaus teilen. Er drehe von zu Hause aus regelmäßig auf dem Radl seine 30-Kilometer-Runde, erzählte der Ältere. Dann mache er hier im Biergarten Station, „trinke eine Halbe und fahr’ wieder heim“. Mehr brauche es nicht. Zustimmendes Kopfnicken beim Nebenmann, der einzig bei der Biermenge vielleicht eine divergierende Meinung hatte und zufrieden einen angemessenen Schluck aus seinem Masskrug nahm.
Halbe hin, Mass her, der bayerische Ministerpräsident hätte jedenfalls seine helle Freude gehabt an den beiden heimatverbundenen Müßiggängern. Der hält ja Bayern ohnehin „für das schönste Land der Welt“ und weiß, dass selbst, wer mal Lust auf Balkanküche verspüren sollte, dafür die weiß-blaue Wohlfühloase nicht verlassen muss. So postete vergangene Woche der Wirt einer Moosburger Gaststätte ein Bild von sich und „Feinschmecker Markus“. Der habe bei ihm Station gemacht, die hausgemachten Cevapcici samt Beilagen getestet und für gut befunden, schrieb er stolz. Tja, Bayern ist eben das Land, in dem nicht nur Milch und Honig, sondern auch Djuveč-Reis und Ajvar fließen.

