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Ernte steht bevor:Große Verunsicherung bei den Hopfenbauern

Ende August beginnt die Hopfenernte - die Landwirte sind dabei auf Hilfe von Saisonarbeitern angewiesen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zum Start der Ernte Ende August sind die meisten Betriebe auf die Mithilfe von Saisonarbeitern aus Polen und Rumänien angewiesen. Ob die einreisen dürfen, ist noch immer unklar.

Von Laura Dahmer, Freising

"Was heute ist, kann morgen schon nicht mehr zählen." Die Worte von Gerhard Stock wirken seit Beginn der Corona-Pandemie wie das Mantra einer ganzen Gesellschaft. In diesem Fall beziehen sich die Worte des Kreisgeschäftsführers des Bayerischen Bauernverbandes aber auf eine kleinere Bevölkerungsgruppe: die Hopfenbauern. Denn bald beginnt die Hopfenernte. Und ob die Bauern diese mit oder ohne ihre Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien bestreiten werden, das wissen sie schlichtweg noch nicht.

Stefan Gandorfer gibt sich optimistisch, eine andere Wahl hat er auch nicht: "Wenn die Saisonarbeitskräfte ausbleiben, werden wir als familiärer Betrieb die Ernte nicht alleine stemmen können", sagt der Hopfenbauer aus Nandlstadt. "Und wenn ich den Hopfen nicht ernten kann, dann kann ich meinen Betrieb schließen." Denn die Studenten, Abiturienten und andere Helfer vor Ort, die im März und Mai tatkräftig in den Hopfengärten mit angepackt haben, weil eben genau die Saisonarbeitskräfte nicht einreisen konnten, sind bei der Ernte keine große Hilfe, wie Gandorfer erklärt: "Da brauchen wir wirklich Fachpersonal. Leute, die mit Schlepper, Erntemaschinen und Trocknungsanlagen umgehen können." Einem Studenten könne er das nicht mal eben so beibringen.

Die Erntevorbereitungen sind aber nicht so kompliziert

Knapp zehn Kilometer weiter, auf den 36,5 Hektar Hopfengarten von Karl Pichlmeyer in Grafendorf, stehen aktuell zehn ebendieser Studenten. "Größtenteils haben sie schon im März mitgeholfen", sagt Pichlmeyer. Für die nächsten Wochen funktioniert das noch, denn die Erntevorbereitungen, erklärt der Hopfenpflanzer, seien technisch nicht so kompliziert. Am 30. oder 31. August will der Grafendorfer mit der Ernte beginnen, und dann ist auch er auf seine Saisonarbeitskräfte aus Polen und Rumänien angewiesen. Ob die kommen können, weiß auch er nicht.

Und die Situation spitzt sich weiter zu: Nachdem es im niederbayerischen Mamming einen Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof gegeben hatte, sprach das zuständige Verwaltungsgericht Regensburg ein Ernteverbot für den Betrieb aus, auch für negativ getestete Helfer. In der Hallertau seien die Hopfenbauern deshalb zunehmend verunsichert, sagt Gandorfer. Werde der Hopfen nicht innerhalb kürzester Zeit geerntet, sei er hinüber.

Die Ernte sei völlig coronakonform, sagen die Hopfenbauern

Dabei, so betonen die Hopfenbauern, sei die Ernte bei ihnen, im Gegensatz zur Gurkenernte in Mamming, völlig coronakonform: Nur wenige Helfer beteiligten sich an der Lese im Hopfengarten, der Abstand könne dadurch eingehalten werden. Alle könnten ihren Saisonarbeitskräften ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen, oft auch ein eigenes Bad oder eines für jeweils zwei Personen. Bei der Einreise müssen aktuell sowieso alle Arbeiter einen negativen Test vorweisen. Und in der Erntezeit befinden sie sich ohnehin in einer Quasi-Quarantäne vom Rest der Welt, wie Stefan Gandorfer erklärt.

109 Betriebe gibt es im Freisinger Teil der Hallertau, insgesamt bewirtschaften sie 2230 Hektar, wie Gerhard Stock vom Bayerischen Bauernverband auflistet. Zahlen dazu, wie viele Saisonarbeitskräfte hier während der Ernte normalerweise unter Vertrag genommen werden, hat er jedoch nicht.

Falls keine Saisonarbeitskräfte zu ihm kommen können, käme Josef Wimmer aus Au wohl mit einem blauen Auge davon. Er hat ein paar deutsche Kontakte "in der Hinterhand", die ihm im Falle des Falles im Hopfengarten aushelfen könnten. "Wir kriegen das schon irgendwie hin, Sorgen ums Bier muss sich keiner machen", sagt er. Und eigentlich erwarten die Hopfenbauern dieses Jahr eine gute Ernte. "Der Juli war gut für den Hopfen: Nicht zu heiß, nicht zu trocken", sagt Stock. "Der weibliche Hopfen liebt laue Sommernächte, davon gab es zuletzt einige." Der Hopfenpflanzerverband rechnet mit etwa tausend Tonnen mehr Ertrag als noch im Vorjahr.

Was den Bauern allerdings ebenso Bauchweh bereitet, ist der Bierabsatz. "Es gibt dieses Jahr kein Oktoberfest, keine Volksfeste, kaum öffentliche und private Feiern", sagt Stock. Selbst wenn letztendlich also Saisonarbeitskräfte einreisen können und der Hopfen geerntet wird, ist das Bangen für die Bauern noch nicht zu Ende.

© SZ vom 10.08.2020/nta

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