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Landkreis Freising:Corona-Tipps in der Muttersprache

Im regen Austausch: (von links) Integrationsbeauftragte Nathalie von Pressentin, Susanne Bauer (Gesundheitsregion) und Mediatorin Fadime Yilmaz.

(Foto: Marco Einfeldt)

Fadime Yilmaz berät Migranten rund um die Pandemie, aber auch zu anderen Gesundheitsthemen. Im Landkreis würde man gerne noch mehr Frauen als Mediatorinnen gewinnen

Von Alexandra Vettori

Die Faltblätter des Bundesgesundheitsministeriums zum Thema "Corona positiv, was dann?" liegen druckfrisch vor Fadime Yilmaz. In 17 Sprachen gibt es sie jetzt, damit auch diejenigen einen Leitfaden erhalten, die mit noch einem weiteren Problem kämpfen - der deutschen Sprache. Damit solche Faltblätter auch bei denjenigen ankommen, die sie brauchen, sind Menschen wie Fadime Yilmaz wichtig. Sie ist Gesundheitsmediatorin im Projekt "Mimi" - das heißt, "mit Migranten für Migranten" - und berät rund um Gesundheitsversorgung und Präventionsangebote, auch im Landkreis Freising.

Normalerweise sind es Themen wie Diabetes, Impfungen, Kindergesundheit oder psychische Probleme, auf die das Informationsangebot ausgerichtet ist. Die Mimi-Mediatorin Fadime Yilmaz hält dafür seit 2011 bei Gruppen, Vereinen, der Volkshochschule, in Moscheevereinen oder Berufsintegrationsklassen für junge Asylbewerber Vorträge. "Im Gesundheitsbereich hakt es besonders an der Sprache", sagt sie - und sie weiß aus Erfahrung, wie glücklich die Betroffenen sind, wenn sie sich in ihrer Muttersprache austauschen können. "Es geht darum, dass die Informationen ankommen", erklärt Yilmaz, die in Moosburg vor elf Jahren einen multikulturellen Frauentreff gegründet hat.

Dass sie als Gesundheitsmediatorin jetzt auch öfter im Landkreis Freising unterwegs ist, ist das Verdienst von Susanne Bauer, der Geschäftsführerin der Gesundheitsregion im Landkreis, und der Kreis-Integrationsbeauftragten Nathalie von Pressentin. "Es war ein glücklicher Zufall", erzählt Bauer. Eigentlich hatte sie sich darum bemüht, Freising als Mimi-Standort zu etablieren, damit auch hier die Mediatoren-Schulungen stattfinden können. Das nämlich ist derzeit nur in Landshut oder München möglich. Die weiten Wege aber, weiß auch Fadime Yilmaz, schrecken viele Interessierte ab. Aus dem Mimi-Standort ist zwar noch nichts geworden, aber dafür stieß Nathalie von Pressentin auf Fadime Yilmaz, als diese für den Verein "Mensch zu Mensch" einen Vortrag für Migranten hielt. Wie wichtig es für Menschen ist, die nicht oder nicht gut Deutsch sprechen, sich auch mal in der Muttersprache ausdrücken zu können, hat sie dabei selbst erlebt: "Da wurden dann auch viele Fragen gestellt." Nach dem Vortrag kam man ins Gespräch und nach Rücksprache mit Susanne Bauer von der Gesundheitsregion wurde Fadime Yilmaz in das Netzwerk integriert.

Was sich Susanne Bauer für den Landkreis wünscht, sind noch mehr Mimi-Mediatorinnen. "Es wäre schön, wenn wir einen etwas größeren Pool hätten", sagt sie. Jetzt nach Interessentinnen und Interessenten Ausschau zu halten, die selbst Migrationshintergrund haben und ihre Muttersprache sowie Deutsch sprechen, "das ist jetzt unser Job". Die Ausbildung dauert drei Monate, findet vor allem abends und an Wochenenden statt und ist kostenlos.

Zwischen den drei Frauen hat sich inzwischen ein reger Austausch entwickelt, nicht nur, weil sowohl die Integrationsstelle als auch die Gesundheitsregion ihre Räume in der Klosterbibliothek des Freisinger Landratsamtes haben. Integration von Ausländern, vor allem Ausländerinnen, und Gesundheit sind Themen, die sich in vielerlei Hinsicht überschneiden, nicht erst seit Corona.

© SZ vom 06.08.2020

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