LandgerichtHaftstrafen für Geldautomatensprenger

Lesezeit: 3 Min.

Zwei Männer mussten sich wegen der Sprengung eines Geldautomaten am Landgericht Landshut verantworten.
Zwei Männer mussten sich wegen der Sprengung eines Geldautomaten am Landgericht Landshut verantworten.
Armin Weigel
  • Zwei Niederländer wurden am Landgericht Landshut zu je vier Jahren und drei Monaten Haft wegen der Sprengung eines Geldautomaten in Kirchdorf an der Amper verurteilt.
  • Die Täter sprengten am 14. Januar 2025 nachts den Automaten und erbeuteten 76.500 Euro, bevor sie über die A9 in die Niederlande flüchteten.
  • DNS-Spuren an Tape-Resten der Sprengsätze und verfärbten Geldscheinen führten ein halbes Jahr später zur Festnahme der beiden Männer in den Niederlanden.
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Zwei Männer, die an der Sprengung eines Geldautomaten in Kirchdorf an der Amper beteiligt waren, sind am Landgericht Landshut zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Von Petra Schnirch, Landshut/Kirchdorf

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Als damals unbekannte Täter am 14. Januar 2025 nachts einen Geldautomaten sprengten, mag sich mancher gefragt haben, warum so etwas ausgerechnet im beschaulichen Kirchdorf an der Amper passiert. Doch aus Tätersicht war der Ort nahezu perfekt. Zur nahen A9 fährt man maximal zehn Minuten, der Bankautomat stand frei auf einem Supermarktparkplatz, nachts gibt es dort kaum Verkehr. Geschnappt wurden zwei der Täter dennoch. DNS-Spuren hatten sie überführt. Die sechste Strafkammer des Landgerichts Landhut unter dem Vorsitzenden Richter Thomas Lindinger verurteilte sie nun zu Haftstrafen von je vier Jahren zu drei Monaten.

Die beiden 23 und 35 Jahre alten Niederländer gestanden ihre Beteiligung an der Tat. Der Ältere gab zu, zumindest eines der beiden Sprengstoffpakete gebaut zu haben. Der Andere fuhr mit zwei bisher unbekannten Komplizen nach Kirchdorf und brachte die Sprengsätze am Geldautomaten an – den ersten am Gehäuse, den zweiten dann vor der offengelegten Tresortür.

Zwei laute Knallgeräusche weckten gegen 3.20 Uhr mehrere Anwohner. Trümmerteile wurden bis zu 41 Meter weit geschleudert. Wenige Minuten später hatten die Täter einen Großteil der Geldscheine eingesammelt und flüchteten mit einem hochmotorisierten Wagen Richtung Autobahn. Die sofort eingeleitete Fahndung, auch per Hubschrauber, blieb erfolglos. Gegen elf  Uhr passierten die Täter bei Heinsberg die Grenze zu den Niederlanden.

Ihre Beute betrug 76 500 Euro, wie ein Ermittler des Landeskriminalamts berichtete. 11 210 Euro hatten sie in der Eile am Tatort zurückgelassen. Ebenfalls im fünfstelligen Bereich lag der Sachschaden: Am Bankautomaten belief er sich auf 53 700 Euro, etwa 3000 Euro an einer ebenfalls zerstörten Zähleranschlusssäule der Bayernwerke.

Verfärbte Geldscheine entsorgt

Ein halbes Jahr nach der Tat wurden zwei der Täter in Utrecht und Woerden festgenommen. An Tape-Resten der Sprengsätze hatte das LKA DNS-Spuren der beiden Angeklagten nachgewiesen. Von dem 23-Jährigen, der den Sprengstoff am Automaten angebracht hatte, stammte zudem genetisches Material an einem Geldschein, der bei Buxheim entdeckt wurde. Auf der Flucht hatte er insgesamt 420 Euro entsorgt, an denen in dem Geldautomaten verbaute blaue Raubstopptinte haftete. In der Nähe seiner Wohnung in Utrecht wurden Reste weiterer verfärbter Scheine gefunden, die dort verbrannt worden waren. Auf ihnen konnten keine DNS-Spuren gesichert werden.

Gleich zu Beginn der Verhandlung am Landgericht Landshut war es zu einer Verständigung gekommen. Vorsitzender Richter Lindinger stellte einen Strafrahmen zwischen vier und fünf Jahren in Aussicht, wenn die beiden Angeklagten ein Geständnis noch vor Beginn der Beweisaufnahme ablegen sollte. Er signalisierte, dass das Urteil sonst deutlich höher ausfallen könnte. Beide ließen sich darauf ein. Ihre Verteidiger verlasen die ins Deutsche übersetzten Aussagen.

Mit schnellen Autos über die Grenze

Beide Angeklagten bestritten, Teil einer Bande zu sein. Sie seien an keinen anderen Taten beteiligt gewesen. Einer der beiden LKA-Beamten hatte zuvor berichtet, dass die Geldautomatensprenger häufig aus dem Raum Utrecht kämen, meist Ziele in Deutschland ausspähten und hochprofessionell agierten. Sie mieteten oder entwendeten schnelle Autos, die sie nach der Grenze mit gestohlenen und gefälschten deutschen Kennzeichen verstehen. 2025 seien die Geld-Diebstähle in 80 Prozent der Fälle gelungen.

Der 35-jährige Angeklagte gestand, ihm sei klar gewesen, dass der Sprengsatz für kriminelle Zwecke verwendet werden sollte. Er will lediglich 100 bis 200 Euro dafür bekommen haben. Bis 2023 habe er als Automechaniker gearbeitet. Wegen einer Rheuma- und einer Hauterkrankung sei er jedoch berufsunfähig, was ihn schwermütig gestimmt habe. Aufgrund seiner eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten sei er leicht zu beeinflussen, schilderte er und fügte hinzu: Das Ganze tue ihm leid.

Vor der Tat hohe Schulden angehäuft

Unstet war vor der Tat auch das Leben des 23-Jährigen. Er hat keinen Schulabschluss, übernahm Hilfsjobs, war zuletzt arbeitslos und hatte etwa 10 000 Euro Schulden angehäuft. „Aus Sorge um seine Familie“, wie er sagte, war er nur bereit, über seinen eigenen Tatbeitrag zu sprechen. Er gestand, dass er die Sprengsätze am Geldautomaten befestigt und danach die Geldscheine in eine Tasche gestopft hatte. Bei einer Hausdurchsuchung in Utrecht entdeckten Polizeibeamte in einer Mülltonne im hinteren Teil des Gartens mehrere Kleidungsstücke mit Schmauchspuren. In der Wohnung fanden sie in Verstecken, aber auch offen zahlreiche Geldscheine.

Die Schulden hätten ihn belastet, darüber habe er mit Bekannten gesprochen und sei dann angeworben worden. Seine Mittäter will er namentlich nicht gekannt haben. Auch er meinte, die Tat sei ein „Riesenfehler“ gewesen. Auf den beschlagnahmten Handys beider Angeklagter fanden sich Videoschnipsel von schnellen Autos und, immer wieder, von dicken Geldbündeln.

Verurteilt wurden die beiden wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Diebstahl und Sachbeschädigung. Der 23-Jährige muss zudem für die entwendeten 76 000 Euro als Gesamtschuldner geradestehen.

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