bedeckt München 17°

Forschung und Lehre in Weihenstephan:Pflanzenschätze für die Heilkunde

Der "Hochschulgarten" auf der Landesgartenschau ist nicht nur schön anzuschauen, er gibt auch Einblicke in Lehre und Forschungsthemen.

(Foto: HSWT)

Landesanstalt für Landwirtschaft und HSWT sind auf Bundes- beziehungsweise Landesgartenschau vertreten.

Von Petra Schnirch, Freising

Große Gartenausstellungen sind Publikumsmagneten. Dieses Forum nutzen in diesem Jahr auch zwei Weihenstephaner Einrichtungen, um dort einige ihrer Forschungsschwerpunkte zu präsentieren. Auf der Bundesgartenschau in Erfurt ist die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) vertreten, gemeinsam mit Medizinern zeigt sie Pflanzenschätze der Traditionellen Chinesischen Medizin. Mit dem Anbau in Deutschland befasst sich die LfL seit Jahren. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) ist auf der Landesgartenschau in Ingolstadt mit einem nachhaltigen Hochschulgarten zu finden, das Konzept haben Studierende entwickelt.

Die Anwendung von Arzneipflanzen sei die wichtigste Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), heißt es in einer Pressemitteilung der Landesanstalt. In China würden mehr als 500 offiziell registrierte Arzneipflanzen in Praxen und Kliniken verschrieben. Mit einer im Vergleich dazu kleinen Auswahl von 15 Arten, die in der TCM in Deutschland eingesetzt werden, arbeitet die LfL, die von einem "Meilenstein für die TCM, die Therapiesicherheit und die Versorgung der Patienten in Deutschland" spricht.

"Mongolischer Tragant", "Chinesisches Mutterkraut" oder "Sibirische Engelwurz"

Auf der Bundesgartenschau können die Besucher Pflanzen mit so klangvollen Namen wie "Mongolischer Tragant", "Chinesisches Mutterkraut" oder "Sibirische Engelwurz" und auch die daraus gewonnenen Arzneien kennenlernen. Seit über 20 Jahren setzen sich die Forschenden an der LfL gemeinsam mit Partnern von Universitäten und aus dem Gesundheitsbereich mit dem Thema auseinander - angefangen von der botanischen Charakterisierung der Heilpflanzen über Anbau- und Ernteverfahren, pharmazeutische und sensorische Untersuchungen bis zur medizinischen Anwendung. "Auf dieser Basis ist es gelungen, für rund 15 wichtige Arzneipflanzen der Chinesischen Medizin eine Versorgung aus professionellem bayerischem Anbau aufzubauen", so die LfL

Die Kräuter hätten im Vergleich zu chinesischer Importware den Vorteil, dass der Anbau lückenlos dokumentiert und somit bis zur Feldfläche und zum Saatgut zurückverfolgt werden könne. "Die hohe Qualität der bayerischen TCM-Heilkräuter haben chinesische Experten bestätigt, die Wirksamkeit wird im täglichen Gebrauch und durch wissenschaftliche Therapiebeobachtungen bestätigt", schreibt die LfL weiter. Angewandt würden die gewonnenen Arzneien bei Infekten, Hautkrankheiten und Allergien, Darmkrankheiten, Rheuma, Erschöpfungszuständen, aber auch zur Erhaltung der Gesundheit. Heidi Heuberger, Expertin für Heil- und Gewürzpflanzen an der LfL, will, wenn dies coronabedingt möglich ist, am 24. und 25. Juli in Erfurt Führungen anbieten.

Der Themengarten stellt die großen Themen Nachhaltigkeit sowie klimagerechtes Bauen und Wirtschaften in den Fokus

Mit ihrem Hochschulgarten bei der Landesgartenschau in Ingolstadt hat die HSWT zwei Studierenden der Fakultät Landschaftsarchitektur die Bühne gegeben, ihr Konzept aus einem Wahlpflichtfach umzusetzen. Klara Faistauer und Joshua Lenze aus dem Studiengang "Landschaftsbau & -Management" überzeugten mit ihrem Entwurf "Climate Move - Applied Sciences for Future". Der Themengarten veranschaulicht laut HSWT etwa Erkenntnisse zur klimapositiven Landnutzung von Mooren. Auch Forschungsergebnisse von Studierenden für ihre Abschlussarbeiten, die anschließend zur Produktreife entwickelt wurden, seien in den Garten integriert worden. Besonders erwähnenswert sind nach Angaben der HSWT ein Verfahren zur Herstellung begrünbarer Sichtbetonwände sowie eine internetbasierte Plattform zur Steuerung und Überwachung von digitalen technischen Helfern im Garten, etwa Bewässerungssystemen, Beleuchtung oder Mährobotern.

Der Themengarten, der auch ein Jubiläumsgarten ist, weil die Hochschule in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, stellt die großen Themen Nachhaltigkeit sowie klimagerechtes Bauen und Wirtschaften in den Fokus. Umwelt- und Klimaschutz spielen in Lehre und Praxis an der HSWT generell eine große Rolle. "Es geht darum, Grundlagen zu schaffen, um handeln zu können", sagt HSWT-Präsident Eric Veulliet. Für das neue Lehrformat gestalteten die Studierenden das Vorhaben eigenverantwortlich über ein digital basiertes Managementsystem. Nachhaltigkeit war dabei der Maßstab. Zum einen sollten Klimaeffekte möglichst vermieden, zum anderen Bauweisen gezeigt werden, die auf den Klimawandel reagieren und Begrünung sowie Abkühlung von städtischen Lebensräumen fördern.

Die Bundesgartenschau in Erfurt dauert bis zum 10. Oktober, ein Besuch ist derzeit nur mit Online-Anmeldung und negativem Corona-Test möglich. Die Landesgartenschau in Ingolstadt steht Interessierten bis zum 3. Oktober offen. Auch hier müssen sich Besucher vorab registrieren lassen.

© SZ vom 28.04.2021/ilos
Zur SZ-Startseite
Eröffnungsfeier zur Landesgartenschau 2017

Aufblühen
:Starnberg will die Landesgartenschau

Die Stadt will sich für die Veranstaltung 2030 bewerben und die Bürger bei der Planung einbinden. Die Stadträte sehen in dem Vorhaben die einmalige Chance, die Seeanbindung umzusetzen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Lesen Sie mehr zum Thema