GastronomieDas moderne Lagerfeuer am Flughafen

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Die etwas andere  Kantinenküche am Münchner Flughafen: Ziegenkäse mit Trauben‑Chutney im Bistro Forty8.
Die etwas andere  Kantinenküche am Münchner Flughafen: Ziegenkäse mit Trauben‑Chutney im Bistro Forty8. Marco Einfeldt
  • Auf dem LabCampus am Münchner Flughafen entstehen mit dem Café Nosh und Bistro Forty8 neue Gastronomiekonzepte, die als soziale Treffpunkte für Forschung und Start-ups dienen sollen.
  • Das Innovationszentrum umfasst 29 geplante Gebäude auf 26 Hektar, wobei bisher nur zwei fertiggestellt sind und ab Mitte des Jahres auch die TU München einziehen wird.
  • Die Gastronomie setzt auf offene Räume und lange Tische, um Begegnungen zu fördern.
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Zwischen Cappuccino, Kantine und Konzept: Auf dem Lab Campus entsteht eine völlig neue Arbeitswelt – mit Essen als sozialem Kitt und Backhuhn als Renner bei den Gästen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Vor dem neuen Gebäude der Airport Academy sitzt eine junge Frau mit kurzärmeligem T-Shirt entspannt in der Februarsonne und meditiert. Im Café Nosh, im Nachbargebäude, bestellt eine Schulklasse Snacks und Apfelschorle. Hervorragenden Cappuccino gibt es hier, leckeres Gebäck – und einiges an Ambitionen für die Zukunft des Lab Campus auf dem Gelände des Münchner Flughafens, wie man Ende Februar bei einem Presse-Lunch erfährt.

Denn zusammen mit dem ebenfalls Ende vergangenen Jahres eröffneten Bistro Forty8 soll das Café zum gastronomischen Herzstück des Areals werden – ein moderner Ort der Begegnung, des Austauschs und der gelebten Zukunft. So jedenfalls klingt es im Werbedeutsch der Betreiber.

Dahinter stehen Allresto, eine Tochter des Münchner Flughafens, und die Compass Group (Eurest), die dort auf hochwertige, aber bezahlbare Küche setzen – ein Tagesgericht für 6,50 Euro gehört fest zum Programm. Die Innenarchitektur setzt auf lange Tische, offene Räume, Möglichkeiten für Treffen oder Veranstaltungen: Die Gastronomie im Lab Campus soll nicht nur verpflegen, sondern verbinden und sie soll, anders als klassische Kantinen, auch für die Menschen aus dem Umland attraktiv sein, vielleicht auch für Flugpassagiere, die eines der nahen Langzeitparkhäuser nutzen.

Der Lab Campus ist eine hundertprozentige Tochter der Münchner Flughafengesellschaft, hat aber mit dem Flugverkehr ansonsten nichts zu tun. In dem Innovationszentrum sollen Forschung, Hightech-Unternehmen und junge Start-ups zusammengebracht werden. Es ist ein gigantisches Projekt, das hier seit dem ersten Spatenstich 2020 umgesetzt wird. Insgesamt sind 29 Gebäude in vier Quartieren geplant; allerdings sind erst zwei davon – die Nummern 48 und 52 – bereits fertiggestellt. Sechs weitere Gebäude sind auf dem 26 Hektar großen Gelände geplant. 5000 Quadratmeter sind noch frei, und in Richtung der Terminals wirkt das Gelände stellenweise noch wie eine Baustelle.

Verfolgt wird ein „New-Work-Konzept“, das nicht nur auf viele Gemeinschaftsflächen setzt, sondern eben auch auf die dazu passende Gastronomie. Die soll Begegnung und Zusammenarbeit fördern, deswegen beispielsweise die langen Tische in dem Bistro. Das ist ein bisschen „wie auf der Wiesn“, sagt Sarah Wittlieb, die beim Lab Campus den Bereich Vertrieb und Innovation leitet, „da lernt man auch leicht neue Leute kennen“.

Philipp Kirnbauer (Eurest) und TU‑Professor Klaus Bengler (rechts) nutzen den glücklichen Zufall ihrer Begegnung und diskutieren über Arbeitswelten der Zukunft.
Philipp Kirnbauer (Eurest) und TU‑Professor Klaus Bengler (rechts) nutzen den glücklichen Zufall ihrer Begegnung und diskutieren über Arbeitswelten der Zukunft. Marco Einfeldt

In der modernen Arbeitswelt ist Gastronomie längst mehr als reine Verpflegung: Sie soll Gemeinschaft stiften, Austausch fördern und die Bindung zum Arbeitsplatz stärken – gerade in Zeiten, in denen viele lieber im Home-Office bleiben. Einen passenden inhaltlichen Bogen schlug Philipp Kirnbauer, bei Eurest für Planung und Design neuer Gastronomiekonzepte verantwortlich: „Was wäre, wenn der Wert einer Immobilie nicht am Quadratmeterpreis, sondern an ihrem sozialen Wirkungsgrad gemessen würde?“, fragte der Österreicher in einem Impulsvortrag.

Die nächste Welle der Innovationen kommt seiner Überzeugung nach nicht aus isoliertem Genie und auch „nicht aus dem lautesten Pitch“, sondern entstehe dort, wo Menschen wieder mutig genug sind, gemeinsam Neues zu wagen. Dieser Mut basiere jedoch auf Vertrauen. „Und das entsteht nicht in Videocalls, sondern durch Präsenz, Rituale und gemeinsam erlebte Situationen.“

Für die Ideen der Zukunft brauche es bewusst gestaltete Umgebungen, in denen Kreativität, Gemeinschaft und Serendipität, der glückliche Zufall, aufeinandertreffen, sagte Kirnbauer – „und die Kantine ist das moderne Lagerfeuer, an dem sich die Menschen wieder real begegnen“.

Offene Räume zur Begegnung: Im Lab Campus sollen Gastronomie und Architektur zum Miteinander einladen.
Offene Räume zur Begegnung: Im Lab Campus sollen Gastronomie und Architektur zum Miteinander einladen. Marco Einfeldt

Zu den Mietern des Lab Campus wird von Mitte des Jahres an die TU München gehören. Sie eröffnet mit dem „TUM Convergence Center“ einen weiteren Standort in der Region und Professor Klaus Bengler, Inhaber des Lehrstuhls für Ergonomie, will hier in einem „Living-Lab“ Arbeitswelten der Zukunft testen. Als einer der künftigen „Residents“ warb auch er in einem Grußwort für neue Formen des Miteinanders. „Wir müssen dem Zufall wieder eine Chance geben“, sagte er. Innovation entstehe nicht in sortierten Schubladen, sondern dort, wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. „Die besten Ideen habe ich nicht im Meeting, sondern in der Kaffeeküche“, bekannte der Professor.

Im Café Nosh ist das mit dem Treffen bei Kaffee oder Cappuccino bereits Alltag, jeden Tag ab 7.30 Uhr, und auch im Bistro48 leisten Küchenchef Stefan Schlosser und die Servicekräfte ihren Beitrag zur gewünschten Hospitality. Zum Presse-Lunch gab es unter anderem Kürbiscremesuppe, warmen Ziegenkäse mit Trauben-Chutney, Risotto und gebackenes Huhn, zum Nachtisch eine Creme Brulee – eine wirklich leckere Auswahl von Schlossers Karte. Die soll Qualität und Vielfalt mit Alltagstauglichkeit verbinden – und alpine Aromen mit mediterranen Einflüssen, wie es heißt.

Der Speiseplan wechselt wöchentlich und bietet vegetarische sowie Fleisch- und Fischgerichte, Zwischengänge, Suppe, Salate und Desserts. „Jeder soll sich darauf freuen können“, sagt Sarah Wittlieb – und verrät auch gleich noch, worauf sich die Gäste bisher stets am meisten freuen: auf das Backhuhn. Irgendwie ein Rest Bodenständigkeit inmitten der Zukunftsvisionen des Lab Campus.

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