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"Wirschafft":Freisingerin gründet Plattform für lokale Hobbykünstler

Urheberin der neuen Regional-Initiative, der Wirschafft Freising, ist Melanie Spornraft, eine 32-jährige Molekular-Biologin.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Freisingerin Melanie Spornraft hat eine Plattform geschaffen, auf der lokale Hobbykünstler ihre Werke verkaufen können. Anfassen kann man die Sachen vorher auch - im Buchladen Pustet.

Im Buchladen Pustet gibt es seit drei Wochen eine Wand, an der Holzkästen hängen. Darin finden sich Dinge, die man hier eher nicht vermuten würde: Babyhosen, Halsketten, Tonschalen und hölzerne Kochlöffel zum Beispiel. Bei der Installation handelt es sich um das Schaufenster einer neuen Regional-Initiative, der Wirschafft Freising. Urheberin ist Melanie Spornraft, eine 32-jährige Molekular-Biologin aus der Domstadt.

Die Idee sei ihr schon vor zwei Jahren gekommen, weil so viele in ihrem Bekanntenkreis künstlerisch und handwerklich tätig seien, aber kaum jemand den Sprung hin zum Verkauf schaffe. "Märkte sind eine zeitraubende Angelegenheit und vielen Hobby-Künstlern liegt das Anpreisen ihrer Werke auch nicht so", erklärt Melanie Spornraft. Sie fand das schade und überlegte, wie man eine Plattform schaffen könnte. Dabei gehe es absolut nicht nur um's Verkaufen, beteuert sie. "Hinter jedem Produkt steht eine Geschichte, warum der Künstler genau das macht, was er macht, die wollte ich erzählen." Deshalb stecken an jeder Kiste Karten mit dem Foto der jeweiligen Produzentin und der Geschichte um das Produkt. Ihre Freundin Franzi zum Beispiel hat mit den Babyhöschen angefangen, als immer mehr Kinder im Bekanntenkreis geboren wurden. "Und jedes wurde mit einer eigens kreierten Hose empfangen", sagt Melanie Spornraft mit einem Lächeln. Neben Historie und Qualität spielt auch die Regionalität eine wichtige Rolle. Herkömmliche Souvenirs nämlich findet Spornraft "ganz schlimm". Egal, aus welcher Stadt, alles sei "made in China, und das geht doch gar nicht - ein bayerisches Souvenir aus China". Gegen diese leblose Massenware setzt sie Handgemachtes der Freisinger Wirschafft.

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Mit der Resonanz ist Sponraft zufrieden

Dass dann eine Palette von Produkten heraus gekommen ist, die auch noch komplett plastikfrei ist, hat sie besonders gefreut, "weil es gar nicht unbedingt verlangt war". Paola zum Beispiel, auch eine Freundin, hat Umweltschutz studiert und versucht, weitgehend ohne Plastik zu leben. So hat sie angefangen, Tongefäße mit Stoffdeckel und Gummizug zu fertigen, in denen Nahrungsmittel im Kühlschrank aufbewahrt werden können. Auch die finden sich jetzt in den Kisten von Wirschafft Freising. Mit der Resonanz auf die Aktion ist Melanie Spornraft zufrieden, es freut sie, dass auch viele andere Hobbykünstlern mitmachen möchten. Vorerst sind zwar alle Kisten belegt, doch soll ein steter Wechsel des Angebots stattfinden. Mit dabei ist auch ein "waschechtes Start Up-Unternehmen, die dürfen auch mitmachen", sagt die Spornraft. nearBees heißt es und bietet Honig aus Freising an. Die Gläser, die im Holzkasten bei Pustet stehen, kommen zum Beispiel von Bienenvölkern aus Neustift.

Dass die Wirschafft, abgesehen von der eigenen Homepage, auch bei Pustet ein Schaufenster hat, liegt, natürlich, an Spornrafts Bekanntenkreis. Eine Freundin arbeitet dort und sprach Filialleiterin Jutta Ederer an. Sie hörte sich Melanie Spornrafts Idee an, und, "nach der Hälfte der Präsentation ist sie aufgesprungen und hat im Landen nach einer geeigneten Fläche geschaut", erzählt Spornraft mit einem Lächeln. In den drei Wochen, die die Kisten jetzt schon bei Pustet stehen, ist aus jeder schon etwas verkauft worden.

Spornraft selbst ist zwar auch künstlerisch angehaucht, restauriert zum Beispiel Möbel und schreibt mit einer Freundin ein Kinderbuch, zum Wirschafft-Sortiment aber trägt sie nicht bei. Die Wirschafft selbst sei ihr Herzensprojekt. Und die Homepage (www.wirschafft.de) habe sie auch selbst gemacht. Mit Homepage und Schaufenster aber ist noch lange nicht Schluss: Workshops, Lesungen, Kinder- oder Seniorenangebote, sie hat noch viele Ideen. "Die Wirschafft soll nicht nur eine Verkaufsplattform sein, sondern eine Gemeinschaft", sagt sie. Denn auch darum geht es ihr, "die Leute sollen wieder mehr zusammen kommen". Dazu findet am Donnerstag, 12. September, ab 19 Uhr im Parkcafé ein erster Stammtisch statt, "offenes Kommen und Gehen", wie Melanie Spornraft betont.

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