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Kunst aus Glas:Grenzen ausloten

Monika Humm, Ulrike Riede, Wilken Skurk, Monika Huber und Thierry Boissel (von links) im Schafhof.

(Foto: Marco Einfeldt)

Neun Künstler widmen sich im Freisinger Schafhof dem Werkstoff Glas und das teilweise zum ersten Mal. "Fragile" ist das Thema der Ausstellung, in der keineswegs nur rein dekorative Objekte gezeigt werden.

Glas ist im Alltag überall präsent, als Trinkgefäß, Fensterscheibe, als Schmuck oder im Fassadenbau. Völlig ohne praktischen Nutzen widmen sich jetzt neun Künstler unter dem Motto: "Fragile! Künstlerische Konzepte mit Glas" dem Thema und zeigen im Europäischen Künstlerhaus Schafhof, was sich mit diesem Werkstoff alles anstellen lässt. Die Kuratoren Erika Wäcker-Babnik und Stefan Graupner haben diese Schau zusammengestellt und wollen damit zeigen, wie sich Künstler diesem ihrer Meinung nach unterschätzten Medium experimentell nähern. Das Spektrum der Arbeiten reicht von Glasmalerei, Sieb- und Digitaldruck, verschmolzenem, geätztem und verspiegeltem Glas sowie Glasblöcken. Es gehe dabei keinesfalls um angewandte Glaskunst oder dekorative Objekte, sondern darum, die Möglichkeiten und Grenzen dieses Mediums auszuloten, so die Kuratoren. Die neun Künstler, die auch in anderen Kunstformen wie zum Beispiel Malerei oder Bildhauerei arbeiten, hätten sich teilweise zum ersten Mal mit dem Medium Glas beschäftigt. Einige Arbeiten seien speziell für die Ausstellung im Schafhof und die dortige Raumsituation entstanden.

Im Erdgeschoss trifft der Besucher auf eine Glaswand, auf der ineinander verschlungene Kreise zu sehen sind. Gegenüber hängt die selbe Struktur als eine Art Tapete an der Wand, sodass sich die Kreise spiegeln, ineinander fließen und man beinahe zwischen Glas- und Raumwand stehend die Orientierung verliert. Thierry Boissel, der die Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste in München leitet, hat diese Installation mitgebracht. Ein "Gatter" aus gläsernen Streifen zeigt Sanni Findner. Sie wolle die materielle Wirkung des Glases minimieren, die leicht zu übersehenden, zerbrechlichen Objekte erschienen fast aggressiv und bedrohlich, beschreibt die 1969 geborene österreichische Künstlerin. Mit seinem Glastisch "Krise Chance", den er für einen Besprechungsraum entworfen hatte, wollte Andreas Horlitz Unsichtbares sichtbar machen. Mystische Zeichen und Linien sind auf der Glasfläche zu sehen.

Medienbilder aus dem "Arabischen Frühling" verarbeitete Monika Huber. "Einsdreißig" nannte sie die Installation, die gerasterte Fotos zeigt, die mit Schwarz-Weiß-Siebdruck auf Glas gebracht und anschließend noch malerisch bearbeitet wurden. Für seine Skulptur "Die Säulen der deutschen Wirtschaft" hat Wilken Skurk Stahlformen für den Glasguss, Stahlseile, Wagenheber, Klebeband, einen Spanngurt und Lack zu einem imposanten Monument verarbeitet, an dem man immer wieder neue Facetten entdeckt. Auf weißen Säulen präsentiert Ulrike Riede ihre magischen rechteckigen und quadratischen Körper aus Milchglas. Im Inneren hat sie farbige Glasscheiben aufgestellt, die zart nach Außen leuchten. Monika Humm zeigt mit "Movements" eine Landschaftsbild, das sie auf eine Floatglasscheibe malte und auf die Videos projiziert werden, sodass zwei Ebenen entstehen. Alf Setzer hat ein Regal mit defekten Neonröhren gestaltet und will damit auf die "Überbeleuchtung unserer Umwelt" aufmerksam machen. "Wir sollten mehr Licht ausschalten", lautet seine Aufforderung. Vielleicht als Abschluss des Ausstellungsbesuchs zerstört im Video von Till Augustin ein Mann mit einer Spitzhacke eine Säule aus stabilen Glasschichten, sodass ihm die Splitter um die Ohren fliegen. "Fragile!" ist noch bis zum 2. Dezember im Schafhof zu sehen.

© SZ vom 22.10.2018/nta
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