Künstler-Ehrung Traditionen wahren, für Neues offen sein

Die Kunst hat im Landkreis einen hohen Stellenwert: die Vergabe der Kulturpreise. Hauptpreisträger ist der Musikverein Zolling

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Kunst hat im Landkreis einen hohen Stellenwert, das betont Landrat Hauner bei der Vergabe der Kulturpreise in der neuen Aula des Camerloher-Gymnasiums. Hauptpreisträger ist der Musikverein Zolling

Von Katharina Aurich, Freising

Seine kulturelle Vielfalt hat der Landkreis Freising am Sonntag in der neuen Aula des Camerloher-Gymnasiums mit der Verleihung der Kulturpreise gefeiert. Der Hauptpreis ging diesmal an den Musikverein Zolling. Natürlich war die festliche Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, auch ein willkommener Anlass für Kommunalpolitiker und Kulturschaffende, sich zu treffen, die Vorführungen zu genießen und sich im angenehmen Rahmen beim anschließenden Mittagessen auszutauschen.

Die neue Aula des Camerloher-Gymnasiums, für die der Landkreis viel Geld in die Hand genommen habe, sei sichtbares Zeichen, wie hoch die Kultur geschätzt werde, sagte Landrat Josef Hauner in seiner Begrüßung. Er ging auch auf die "großen Herausforderungen in der Zukunft" ein, ohne die Integration der Flüchtlinge direkt zu benennen. Die Kultur trage einerseits dazu bei, die eigene Identität zu stärken und die Traditionen zu wahren, aber auch für Neues offen zu sein, so Hauner.

Wie gut zum Beispiel deutsche und türkische Musik zusammenpassen, vermittelte am Sonntag der deutsch-türkische Chor "Gülnihal", den es seit 2003 gibt und der einen Anerkennungspreis erhielt. Mit türkischen Liedern, aber auch dem traditionsreichen "Die Gedanken sind frei", begleitet vom Weltmusikensemble des 3klang-Musikvereins, gaben die Sängerinnen und Sänger eine Kostprobe ihres vielfältigen Repertoires.

Der Kulturpreis des Landkreises ging heuer an den Musikverein in Zolling, der die Feier mit "Des Großen Kurfürsten Reitermarsch" eröffnete. Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge, der alle Preisträger ausführlich vorstellte, berichtete vom großen Erfolg des Vereins, der seit seiner Gründung 1989 von Franz Donauer geleitet wird. Das Zollinger Blasmusikorchester sei häufig auf Tournee und natürlich immer wieder bei Festen im Landkreis zu hören. Dies sei nur möglich, da der Verein eine solide Kinder- und Jugendarbeit leiste, so Goerge.

Wie abwechslungsreich die Freisinger Chorlandschaft ist, zeigt ein weiterer Anerkennungspreis, mit dem der Gospelchor "Freysing larks", insbesondere dessen Leiter Norbert Huber, belohnt wurde. Zum Repertoire des 2008 gegründeten Ensembles gehören Musicals und Gospels. Als Kostprobe sang der Chor "Das Quellwunder" aus dem Musical "Korbinian", das unter der Leitung von Huber im Freisinger Musicalsommer uraufgeführt wird.

Eine Künstlerin der leisen Töne ist Sonja Seibold, die gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann Christian ebenfalls einen Anerkennungspreis erhielt. Die Bildhauerin, Malerin und Medailleurin lebt in Obermarchenbach in der Gemeinde Haag in einem der historischen Holzhäuser, zu deren Erhaltung sie gemeinsam mit ihrem Mann beigetragen hat. Die 86-jährige Künstlerin hat über 80 Medaillen für die unterschiedlichsten Anlässe in ganz Europa gestaltet und zahlreiche Preise erhalten.

Auch Gisela Landesbergers Wirken im Landkreis ist eher leise, berührt und inspiriert jedoch seit Jahrzehnten diejenigen, die sich mit Frauengeschichte befassen. Als "Erzählerin und Kulturarbeiterin" erhielt sie einen Anerkennungspreis und berichtete aus dem Leben der Malerin Therese von der Vring, die aus Freising stammte und auch hier begraben ist.

Zum Abschluss des über zweistündigen Festaktes heizte Günter Janovsky dem Publikum mit den "Jumpin' Jacks" kräftig ein. "Ihr kennt mich ja, ich will euch vor dem Essen zum Tanzen bringen", hatte er schon zuvor angekündigt und nicht zu viel versprochen. Janovsky sei "seit über 40 Jahren das Herz der Rock- und Jazzszene im Landkreis", so Goerge. Dafür erhielt er nun einen Anerkennungspreis und so mancher Zuhörer erinnerte sich während der Aufzählung der Lebensstationen und der Bands, die Janovsky gegründet hatte, an seine eigene Jugend. Aber auch die Jüngeren waren mit der Verleihung des Preises sehr einverstanden: Die Pfiffe, Bravorufe und der nicht endende Applaus belohnten einen außergewöhnlichen, leidenschaftlichen Musiker und einen bescheidenen, gastfreundlichen Menschen.