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Kritik in der Bürgerversammlung:"Für Vötting wird nichts getan"

In Vötting gibt es kein einziges Geschäft für die Nahversorgung mehr. Die Bürger in dem Stadtteil fühlen sich vernachlässigt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Kein Nahversorger, dafür Belastungen durch den Bau der Westtangente - Bürger fühlen sich von Stadt vernachlässigt

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Vöttinger fühlen sich von der Stadt vernachlässigt - und sie blicken mit einiger Sorge in die Zukunft. Etwas mehr als eine Stunde lang hatte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher am Montagabend in der Bürgerversammlung geschildert, was so alles geplant ist in Freising. Die Liste begann mit dem Bau des Hallen- und Freibades am Rabenweg und führte die Maßnahmen zum Umbau der Innenstadt ebenso auf wie die Sanierung des Asamgebäudes, den Anbau an den Musikschulpavillon und den geplanten Bau der neuen Schulen im Wohngebiet Steinpark. Ein Thema aber kam so gut wie gar nicht vor, wie ein Bürger am Ende bemängelte: nämlich was eigentlich außer der Westtangente und einem neuen Studentenwohnheim in Vötting so geplant sei.

Für Vötting werde "nichts getan", so die Kritik. Mittlerweile gebe es nicht einmal mehr einen Nahversorger, so dass die Einwohner auch zum Einkaufen zunehmend auf ihre Autos angewiesen seien - und das, obwohl der Verkehr schon jetzt ein Riesenproblem in dem Stadtteil darstelle. "Das Mitterfeld ist von der Stadt doch abgeschrieben worden", sagte ein Anwohner der Straße. Prandtlstraße und Am Mitterfeld würden "von den Autofahrern als Rennstrecke benutzt. Die fahren da mit 60 bis 80 Sachen durch, ich wundere mich, dass hier noch keine Kinder ums Leben gekommen sind", empörte sich der Mann.

Noch mehr Sorgen macht man sich in Vötting allerdings um die künftigen Belastungen, die mit dem Bau des Tunnels für die Westtangente einhergehen werden. Für geschätzt zwei Jahre werde es dafür immer wieder zu temporären Straßen-Sperrungen kommen, bestätigte Franz Piller, der bei der Stadt für den Bau der Umgehung zuständig ist.

Wann und für wie lange diese genau angeordnet werden müssten, könne man jedoch erst sagen, wenn der Auftrag für den Bau des Tunnels vergeben sei. Denn erst dann stehe der genaue Zeitplan. "Es wird aber für viele Monate eine Verkehrsabwicklung, wie sie heute ist, nicht möglich sein", räumte Piller ein.

Ob das tatsächlich dann einen "Rückstau bis Giggenhausen" mit sich bringen wird, wie ein weiterer Besucher der Bürgerversammlung befürchtete, wird sicher auch davon abhängen, wie weiträumig die Umleitung ausgeschildert werden kann. Man werde auf jeden Fall alles tun, um die Belastungen der Vöttinger so gering wie möglich zu halten, versicherte der Oberbürgermeister und kündigte eine gesonderte Informationsveranstaltung zum Baubeginn für den Tunnel an - "vermutlich noch in diesem Jahr, spätestens aber im nächsten Frühjahr".

Was die seit der Schließung der Bäckerei Vieregg fehlende Nahversorgung in dem Stadtteil angeht, so erklärte Eschenbacher, dass sich in einem Mischgebiet wie Vötting jederzeit ein Einzelhändler mit 300 oder 400 Quadratmetern niederlassen könne. "Wir können nur niemanden dazu zwingen", bedauerte der Oberbürgermeister und vermutete, dass ein Laden dieser Größe hier möglicherweise einfach nicht rentabel sei. Woran die Stadt aber auf jeden Fall arbeite, sei eine Verbesserung der Wegeführung zum Einkaufszentrum Schlüterhallen für Radfahrer, kündigte Eschenbacher an.

© SZ vom 19.10.2016
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