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Kritik an geplanten Abständen:Windrad an der Grenze zu Eching

Garchinger Stadtrat macht am Mittwoch den Weg frei für das Projekt

Von Irmengard Gnau, Garching

Die Stadt Garching will einen Teil des Stroms künftig auf eigener Flur gewinnen, ganz umweltschonend durch die Kraft von Wind und Sonne. Das hat der Garchinger Stadtrat mit großer Mehrheit am Mittwoch beschlossen, indem er einen Bebauungsplan für ein Windrad sowie eine Photovoltaikanlage am nördlichen Rand der Kommune angestoßen hat. Damit schafft die Stadt die Voraussetzung für die Firma Ostwind Erneuerbare Energien GmbH aus Regensburg, auf einer Ackerfläche zwischen der Autobahn A 9 und der Freisinger Landstraße ein Windrad zu errichten und für 20 Jahre zu betreiben. Kritik gab es an der Dimension des Windrades, das eine Nabenhöhe von etwa 165 Metern und eine Maximalhöhe am Ende der Rotorblätter von 250 Metern haben soll.

Mit dieser Höhe sei die Anlage "zu groß für den Ballungsraum" der Kommune, fürchtet Christian Nolte (Unabhängige Garchinger). Zweifel gab es zudem an den geplanten Abständen der Ökostromanlage zur umliegenden Wohnbebauung: Nach Garching sind 1100 Metern veranschlagt, nach Dietersheim in der Nachbargemeinde Eching knapp eineinhalb Kilometer. Da die Stadt einen Bebauungsplan für die Ökostromanlage aufstellt, kann sie selbst die Abstände festlegen und ist nicht an die 10H-Regelung der bayerischen Staatsregierung gebunden.

Gleichwohl äußerten mehrere Kommunalpolitiker den Wunsch, die Bürger bei dem Projekt intensiv zu beteiligen und auch das Gespräch mit der Nachbargemeinde Eching zu suchen. Von seinem Echinger Amtskollegen Sebastian Thaler (SPD) habe er bereits positive Signale erhalten, sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Thaler gilt als Windkraftbefürworter; er hat unter anderem 2020 einen Appell von mehr als 80 Bürgermeistern an die Staatsregierung zur Abschaffung der umstrittenen 10H-Regelung in Bayern unterzeichnet. Als die Stadt Garching 2009 in ihrem Flächennutzungsplan das Gebiet an der Flurgrenze für die Nutzung durch Erneuerbare Energien festlegte, habe Eching zudem keine Einwände vorgebracht, sagte Annette Knott, Fachbereichsleiterin in der Bauverwaltung.

Der Beschluss für die Aufstellung des Bebauungsplans und den zugehörigen städtebaulichen Vertrag fiel schließlich mit großer Mehrheit gegen vier Stimmen. Die Anwohner sollen beteiligt werden, sicherte der Garchinger Bürgermeister Gruchmann zu. Er unterstrich noch einmal, dass er die Nutzung des Windrades nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht befürworte. Auf dem Garchinger Forschungscampus befindet sich der Lehrstuhl für Windenergie der Technischen Universität München. Mit diesem wolle man mögliche Kooperationen ausloten, hatte Ostwind im Dezember bestätigt.

Geht es nach den künftigen Betreibern, soll die Anlage nach Möglichkeit 2024 in Betrieb gehen und von da an elf bis zwölf Millionen Kilowattstunden Leistung pro Jahr erbringen. Damit könnten etwa 4000 Haushalte versorgt werden. Damit das Projekt rentabel ist, soll die Anlage ab Inbetriebnahme 20 Jahre lang laufen, mit der Option um eine Verlängerung um fünf weitere Jahre. Mit dieser Vereinbarung beschränke Garching nicht seine Entwicklungsmöglichkeiten, betonte Knott. Rund um das Windrad sollen Solarkollektoren angebracht werden, die sollen so gestaltet werden sollen, dass eine Doppelnutzung von Landwirtschaft und Photovoltaik möglich ist. Wie genau das funktionieren kann, wird ausgelotet.

© SZ vom 15.01.2021
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