Stricken macht glücklich Handarbeit am Biertisch

So macht Handarbeit Spaß: Stricken in Gesellschaft und dazu ein Bier in der Abendsonne trinken. Jeder Wollbegeisterte ist herzlich willkommen bei den Treffen der Strickgruppe.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im "Furtnerbräu" und im "Grünen Hof" trifft sich regelmäßig die Gruppe "Freising nadelt" und strickt in gemütlicher Runde Socken, Schals und Pullover. Auch Männer kommen manchmal vorbei

Von Katharina Horban, Freising

Türkis, schwarz-gold, hellgrün, gelb. All diese Farben liegen auf einem Tisch im "Furtnerbräu". Die Stricknadeln bewegen sich schnell ineinander, der Blick ist konzentriert nach unten gerichtet. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich dort die Gruppe "Freising nadelt" auf ein Feierabendbier und strickt Socken, Schals und Pullover. Im "Grünen Hof" findet das Treffen jeden Dienstag statt.

"Es erfüllt einen, wenn man selber was gestrickt hat", sagt Karin Hess. Die gelernte Kupferschmiedin ist eine der Gründerinnen der Gruppe. Die Mischung aus Handarbeit und Gemeinschaft ist für sie das Beste bei den regelmäßigen Treffen. Früher hat sie in einem Wollgeschäft gearbeitet und heute färbt die 48-Jährige immer noch ihre Wolle selbst. Tatiana Schropp erzählt von der Vielfalt der Gruppe: "Unsere älteste Strickerin ist 93 Jahre alt. Hin und wieder kommen auch Männer zu uns, einer hatte sogar Design studiert." Sie sieht Stricken als eine kreative Herausforderung, es lenkt bei einer Zugfahrt oder im Wartezimmer ab.

Trotz aller gängigen Klischees stricken nicht nur Omas, die jüngste der neun anwesenden Frauen ist 37 und die älteste 73. Anfängern wie Strickerfahrenen macht es Spaß, das Hobby gemeinsam weiterzuführen. Leben kann von der Handarbeit niemand. "Für ein Paar Socken brauche ich etwa 16 bis 20 Stunden. Würde ich den Mindestlohn verlangen, wären die Socken unbezahlbar", erklärt Schropp. Einen Pullover zu stricken, dauert etwa 100 Stunden.

Und doch sind sich alle Anwesenden einig, dass es sich lohnt, so viel Zeit zu investieren. "Diesen Farbverlauf finde ich in keinem Laden", sagt Schropp und hält einen selbstgestrickten lilagemusterten Schal in die Höhe. Hess schaut beim Einkaufen sehr auf das Material, von Produkten mit 100 Prozent Polyester lässt sie die Finger und sagt sich: "Das kann ich besser." Sie alle möchten ungewöhnliche Kleidungsstücke mit Farben und Mustern, die nicht von den Kollektionen der großen Modeketten abgedeckt werden. Die Frauen spüren regelmäßig den Alt-Weiber-Flair, der ihr Hobby umschwebt. "Man wird immer noch total belächelt. Ein Kollege hat sich mal kaputt gelacht, als er erfahren hat, dass ich in einer Strickgruppe bin", erinnert sich Hess. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Frauen auf das Stricken angewiesen, anstatt Kreativität war Bedarf wichtiger. Es bleibt schwer, das Bild der strickenden Hausfrau abzuschütteln. "Dass man wirklich schöne Sachen strickt, hat sich nie durchgesetzt", ist sich Schropp sicher. Trotz Öko-Welle und anderen Trends sind die Erinnerungen an Handarbeitsunterricht in der Grundschule und kratzige Pullover zu Weihnachten oft stärker.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Angelika Woods: "Ich habe Barbie-Sachen fürs Wohnzimmer gestrickt." Ursprünglich wollte sie ein Barbie-Haus für ihre Enkeltöchter einrichten, fand aber im Internet keine geeigneten Wohnraum- und Schlafzimmeraccessoires. Anstatt aufzugeben, griff die 58-Jährige selber zur Stricknadel und fing an, Sofadecken mit Zopfmuster im Kleinformat zu stricken. Stricksachen für Barbies waren ein weiterer Verkaufshit. Über Instagram machte sie auf ihre Produkte aufmerksam und erreichte damit sogar die riesige Barbie-Community in den USA. Geduld und die Liebe zum Detail sind dabei mit am wichtigsten.

Das gemütliche Zusammenhocken hat die Gruppe auch schon auf das Volksfest und auf das Weißbierkarussell am Uferlos-Festival geführt. Lachend erinnern sie sich, stricken weiter und eine ruft: "Noch ein Bier bitte!"