Krautrock beim Uferlos 2019 Dick drin im Legendengeschäft

Nach ihrem ersten Auftritt erntete Amon Düül II noch vernichtende Kritiken. Doch dann ging es steil bergauf, die Band wurde später gar in einer Liga mit Pink Floyd eingeordnet.

(Foto: Frank Schindelbeck)

Hartmut Fischer legt sich noch mal mächtig ins Zeug und holt zum Uferlos-Festival am 1. Juni die Krautrock-Kracher Amon Düül II und Kraan in die Freisinger Luitpoldhalle.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Hartmut Fischer war in den vergangenen Jahren beim Uferlos-Festival immer zuständig für die Abteilung "Legenden". Was da in Freising zu hören war, das liest sich geradezu wie das "Who ist Who" der Legenden. Nazareth, Uriah Heep, Procol Harum, Ten Years After, Johnny Winter, Electric Light Orchestra, Alphaville und zuletzt Mothers Finest. Mittlerweile ist Hartmut Fischer im Ruhestand, das gilt aber nur für seinen Brotberuf als Freisings Stadtjugendpfleger, das Legendengeschäft lässt ihn auch weiter nicht los. Und für das nächste Projekt legt er sich noch mal richtig ins Zeug. Diesmal geht es um Krautrock. Zum Uferlos-Festival 2019 (24. Mai bis 2. Juni) kommen dann am 1. Juni um 20 auch zwei echte Kracher, nämlich Amon Düül II und Kraan in die Freisinger Luitpoldhalle.

Unter dem Genre Krautrock wurde vom Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre an die Rockmusik primär westdeutscher Bands eingeordnet, die teilweise auch international bekannt wurden. Allen klassischen Krautrockbands ist der Hang zur experimentellen Rockmusik und zur Improvisation gemein. Bei Amon Düül, die Ende der 60er Jahre in einer Kommune bei Herrsching entstand, wurde teilweise so viel improvisiert, dass es 1968 zur Spaltung kam. Ein Teil der Mitglieder wollte weiter machen, wonach ihnen auf der Bühne gerade der Sinn stand und sich in keine Songstruktur zwängen lassen. Der andere setzt dagegen eher auf so etwas wie Musikalität. Die erste Gruppe behielt den ursprünglichen Namen und erfreut sich in der linken Szene einer gewissen Popularität. Sie stand der Kommune 1 in Berlin nahe, zählt Deutschlands berühmtestes Groupie Uschi Obermaier zu ihren Mitgliedern, produzierte Filme und vier Alben, bevor sie 1970 auseinander ging.

Das Debüt-Album "Phallus Dei" macht Amon Düül II 1969 berühmt

Die zweite Gruppe um Chris Karrer (Gitarre, Saxofon, Gesang), Peter Leopold (Schlagzeug), Lothar Meid (Bass), John Weinzierl (Gitarre) und Renate Knaup (Gesang) hängt eine römische Zwei an den Bandnamen.

Ihren ersten Auftritt beschrieb die Presse damals noch vernichtend als "ein halbstündiges musikalisches Nichts", doch das Debütalbum "Phallus Dei" (1969) machte Amon Düül II schlagartig berühmt. Der 21 Minuten lange Titelsong gefiel so gut, dass Amon Düül II in die Liga mit Pink Floyd eingeordnet wurde.

Die Krautrocker von Kraan haben sich 1070 im Teutoburger Wald zusammengefunden. Ihren Stil nannten sie kurz und knapp "Wintrup Musik", benannt nach ihrem Domizil, ein Gut im Teutoburger Wald, einsam gelegen, ohne Nachbarn, wo es sich so richtig gut Kraurocken ließ. Das ehemalige Pferdegestüt hatte Graf Metternich den Musikern zur Verfügung gestellt - kostenlos und ohne Bedingungen. Dort wohnten sie mit 13 Gleichgesinnten (vier Musiker, der Manager, zwei Roadies, drei Frauen, drei Kinder und etliche Katzen und Hunde). Gut möglich, dass am 1. Juni in der Luitpoldhalle das Publikum schon ein wenig älter ist. Hartmut Fischer ist bestimmt auch da.

Tickets sind erhältlich in der Touristinfo Freising (0 81 61/5444 333) sowie unter www.muenchenticket.de.