Neustart für den Naturgarten Schönegge„Wir sind noch sehr provisorisch unterwegs“

Lesezeit: 4 Min.

Neustart in Viehhausen: Gemeinsam mit ihrer Schwester Lilian betreibt Sophia Sedlmaier den „Zukunftshof“.
Neustart in Viehhausen: Gemeinsam mit ihrer Schwester Lilian betreibt Sophia Sedlmaier den „Zukunftshof“.
Marco Einfeldt
  • Der Naturgarten Schönegge hat nach der Kündigung der Pachtverträge in Meilendorf eine neue Heimat in Viehhausen bei Kranzberg gefunden.
  • Die Kulturland-Genossenschaft finanziert den Kauf von zwölf Hektar Land über Genossenschaftsanteile, 90 Prozent der benötigten 1,89 Millionen Euro sind bereits zusammengekommen.
  • Reittherapie und Gemüseanbau laufen bereits, das Wohnhaus soll im Frühjahr 2027 bezugsfertig sein und der Betrieb vollständig etabliert werden.
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Der Naturgarten Schönegge hat in Viehhausen eine neue Heimat gefunden. Noch wird gebaut, doch Reittherapie, Gärtnerei und Naturerlebnisangebote laufen bereits.

Von Petra Schnirch, Kranzberg

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Die Pferde sind schon da. Sophia Sedlmaier und Lilian Schwaiger dagegen pendeln noch von Meilendorf zum neuen Standort des Naturgartens Schönegge in Viehhausen bei Kranzberg. Das künftige Wohnhaus der beiden Familien ist eingerüstet, im Frühjahr 2027 wollen sie einziehen. Die alte Hofstelle ist derzeit eine große Baustelle, an mehreren Stellen wird gleichzeitig gearbeitet. Neben dem Stall liegt Abbruchmaterial, das teils wiederverwendet werden kann. Der Betrieb auf dem „Zukunftshof“, so der neue Name, aber ist angelaufen. Reitstunden, Reittherapie und Naturerlebnisangebote finden bereits statt.

„Wir sind noch sehr provisorisch unterwegs“, meint Sophia Sedlmaier und lacht. Bis alles wirklich fertig sei, würden wohl noch zwei Jahre vergehen. In der idyllischen Hügellandschaft am Rande des Kranzberger Forstes hat der Naturgarten eine neue Heimat gefunden, etwa 30 Kilometer vom bisherigen Standort in Meilendorf bei Nandlstadt entfernt. Dort steht der Familie nach der Kündigung ihrer Pachtverträge nur noch etwa ein Hektar Fläche zur Verfügung. Kindergarten, Hofladen, Lieferservice und ein Teil der Gewächshausfläche bleiben in Meilendorf. Gärtnerei und Pferdehaltung sind nach Viehhausen umgezogen. Sophia Sedlmaier und Lilian Schwaiger, die beiden Töchter von Erhard Schönegge, wollen damit die Zukunft des Betriebs sichern.

Möglich wurde der Umzug durch ein ungewöhnliches Finanzierungskonzept. Die Kulturland-Genossenschaft mit Sitz im niedersächsischen Hitzacker, die ausschließlich mit Biohöfen zusammenarbeitet, hat zwölf der 18 Hektar Land erworben.  Finanziert wird der Kauf über Genossenschaftsanteile der Mitglieder. 90 Prozent der benötigten Summe von 1,89 Millionen Euro sind durch die Beteiligungen bereits zusammengekommen. Bis Ende des Jahres soll die Finanzierung nach Möglichkeit abgeschlossen werden. 210 Unterstützerinnen und Unterstützer haben sich bisher beteiligt.

Das Projekt „Zukunftshof“ ist das größte, das die Genossenschaft begleitet. Mit den Höfen werden langjährige Verträge geschlossen – mit einer „belastbaren Pacht“, wie Stephan Illi, Vorsitzender und Mitbegründer der Kulturland eG, erklärt. Bisher sind es 55 im gesamten Bundesgebiet, alles „besonders vielfältige und tolle Höfe“, sagt er und fügt hinzu: „Sie befinden sich immer in einer Notsituation.“ Angesichts der hohen Preise für landwirtschaftlichen Grund hätten die Betriebe keine Chance, selbst ausreichend Land zu erwerben oder pachten.

Seit dem Frühjahr 2026 baut das Naturgarten-Team in Viehhausen Gemüse an. Zwei von sechs geplanten Folientunneln stehen bereits.
Seit dem Frühjahr 2026 baut das Naturgarten-Team in Viehhausen Gemüse an. Zwei von sechs geplanten Folientunneln stehen bereits.
Marco Einfeldt

Die beiden Schwestern seien „unglaublich engagierte Menschen, die wirklich etwas bewegen“. Sie stellten sich in den Dienst der Gesellschaft und böten Kindern sowie benachteiligten Jugendlichen „Erdung und Erlebnismöglichkeiten in der Natur“. Gerade in einer Zeit, in der viele junge Menschen „entfremdet von der Natur aufwachsen“, sei diese Arbeit besonders wichtig.

Sophia Sedlmaier gibt das Lob zurück: „Ich bin begeistert von der Genossenschaft“, sagt sie. Es sei zukunftsweisend, landwirtschaftlichen Grund auf diese Weise zu sichern. Eine solche Hofstelle mit Land sei in der Region eine Rarität. Dass die Eigentümer sie ihnen anboten, bezeichnet sie als Glücksfall.

Die Sitzblöcke liegen schon bereit, Max Sedlmaier (rechts) und Tom Honchae bereiten das Areal für die Bepflanzung vor.
Die Sitzblöcke liegen schon bereit, Max Sedlmaier (rechts) und Tom Honchae bereiten das Areal für die Bepflanzung vor.
Marco Einfeldt

Der Rückbau in Meilendorf hat 2025 begonnen. Die Pferde sind bereits seit einem Jahr in Viehhausen. Auch der Kräutergarten soll dort eine neue Heimat finden. Die Pflanzen, die gerettet werden konnten, stehen derzeit noch eingewickelt oder in Töpfen neben dem alten Stallgebäude. Bei einem Helfertag am 12. September sollen sie in die neuen Beete gesetzt werden. Max Sedlmaier rangiert gerade mit dem Bagger, um die Fläche vorzubereiten. Große Sitzsteine warten schon auf künftige Besucher. Tom Honchae packt mit an, wo er kann. Den Neuseeländer beeindruckt die Gemeinschaft, ihn zieht es immer wieder in den Naturgarten Schönegge, um dort zu helfen.

Auf den Feldern stehen bereits zwei Folientunnel für das Gemüse, insgesamt sollen es einmal sechs werden. Ein Teil der Fläche wird derzeit noch von der Landesanstalt für Landwirtschaft für Versuche mit Mais genutzt. Zwei feste Gewächshäuser sind zur Anzucht von Jungpflanzen geplant. Derzeit geschieht das noch in Meilendorf. Das Hin- und Herfahren sei sehr aufwendig, sagt Sophia Sedlmaier.

Von kommendem Jahr an soll ein Selbsterntekonzept angeboten werden. „Ich glaube, dass das hier gut funktionieren würde.“ Viele Radfahrer und Spaziergänger kämen bereits am Hof vorbei. Mittelfristig sind zudem ein Hofladen und ein Hofcafé geplant. Vorerst lagert in dem dafür vorgesehenen Gebäude noch das Heu. Als Übergangslösung soll möglichst schon im Herbst ein kleiner Selbstbedienungsladen entstehen. „Wir werden am laufenden Band gefragt, ob man schon Gemüse kaufen kann“, schildert Sedlmaier.

20 Pferde zählt die Herde des Naturgartens Schönegge.
20 Pferde zählt die Herde des Naturgartens Schönegge.
Marco Einfeldt
Vorübergehend sind die Pferde im alten Gewölbestall untergebracht.
Vorübergehend sind die Pferde im alten Gewölbestall untergebracht.
Marco Einfeldt/Marco Einfeldt

Für die Pferde ist eine Offenstallanlage geplant. Derzeit sind sie noch im alten Gewölbestall untergebracht. Der aber sei nicht mehr zeitgemäß, erklärt Sophia Sedlmaier. Bislang befindet sich nur die eigene Herde des Naturgartens mit rund 20 Tieren in Viehhausen. Künftig wird dort Platz für ebenso viele Pensionspferde sein.

Einfach waren die vergangenen Jahre für die Schönegges nicht, der Start war holprig. Als die Pläne bekannt wurden, den Betrieb größtenteils in das beschauliche Viehhausen umzusiedeln, regte sich erheblicher Widerstand. Neben der Hofstelle befinden sich dort lediglich Versuchsflächen der TU München mit wenigen Gebäuden. Das Vorhaben löste Proteste in den benachbarten Ortschaften aus, vor allem wegen der engen Zufahrten und des befürchteten Verkehrsaufkommens. Die Stimmen seien leiser geworden, sagt Sedlmaier. Sie formuliert jetzt sehr vorsichtig. „Es gibt Menschen, die das gut finden, und andere, die es nicht gut finden.“ Sie habe nicht das Gefühl, „dass die Gemeinde gegen uns ist“. Die wolle nur, dass alles korrekt ablaufe.

Das Wohnhaus soll im Frühjahr 2027 bezugsfertig sein.
Das Wohnhaus soll im Frühjahr 2027 bezugsfertig sein.
Marco Einfeldt

Das bestätigt auch die Kranzberger Bürgermeisterin Petra Horneber (CSU), die das Projekt von Anfang an grundsätzlich unterstützt hat. Die Schönegges haben die Straße von Gremertshausen nach Viehhausen an mehreren Engstellen mit Ausweichbuchten erweitert. Besucher werden darüber hinaus, auch auf der Internetseite des Naturgartens, gebeten, nicht durch die extrem engen Dorfstraßen von Sünzhausen zu fahren. Die meisten hielten sich daran, bilanziert Sedlmaier. Abspecken mussten sie ihr Konzept für Viehhausen dennoch. Zwar sind im Außenbereich wegen der Privilegierung landwirtschaftlicher Betriebe eine Pferdepension und die Gärtnerei zulässig, nicht aber der zunächst vorgesehene Naturkindergarten und Außenklassen der Lebenshilfe.

Bevor der städtebauliche Vertrag zwischen der Gemeinde und den Schönegges unterzeichnet war, lehnte die Kommune erste Anträge zum Umbau des Anwesens ab. Das Abkommen verpflichtet die Familie unter anderem zum Ausbau der Zufahrt. Inzwischen, bilanziert Horneber, gebe es aber keine Unstimmigkeiten mehr. Es hake noch etwas, sagt eine Anwohnerin. Einige Besucher führen teils viel zu spät am Neubaugebiet in Gremertshausen vorbei. Es gebe aber auch dort Menschen, die das Angebot gerne nutzen.

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