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Kranzberg:Falscher Zeitpunkt

Ausschreibung für Mehrgenerationenhaus wird von der Gemeinde aufgehoben

Der Bau des Mehrgenerationenhauses in Kranzberg verzögert sich. Der Gemeinderat hat am Dienstag einstimmig beschlossen, die Ausschreibungen aufzuheben. Der Grund: Mit den eingegangenen Angeboten würden die Ausgaben für das Projekt um über 700 000 Euro auf 4,7 Millionen Euro steigen. Diese Mehrkosten müsste die Gemeinde alleine tragen - und dies würde sich letztendlich auf die Mieten niederschlagen.

Eigentlich hätten mit dem Spezialtiefbau - Pfählen im Untergrund - bereits im Mai begonnen werden sollen, im Juni sollte die Bodenplatte betoniert werden. Für die Ausschreibungen hatte die Gemeinde jedoch den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erwischt: den März mit der sich zuspitzenden Corona-Krise. Für einige Gewerke seien nur zwei Angebote eingegangen, obwohl zuvor mehrere Firmen Interesse gezeigt hätten, schildert der Kranzberger Geschäftsleiter Klaus Burgstaller. Viele Betriebe seien da gerade unter anderem mit Umstellungen aufs Homeoffice beschäftigt gewesen.

In der Gemeinde hofft man nun, diese Arbeiten im Herbst angehen zu können - zu dann moderateren Preisen. Zudem würde man "antizyklisch" vorgehen und öffentliche Aufträge in einer für viele Firmen wirtschaftlich schwierigen Lage vergeben. Bei einer Neuausschreibung soll die Firma auf diese hingewiesen werden, er habe mit allen beteiligten Gespräche geführt und das Vorgehen der Gemeinde erklärt, sagt Burgstaller. Auch juristischen Rat haben die Kranzberger gesucht. Der Kanzlei zufolge sei eine Aufhebung bei Überschreitungen in dieser Höhe möglich.

Der Bau der Wohnanlage an der Unteren Dorfstraße neben der Villa Kranich wird sich dadurch voraussichtlich um sechs bis neun Monate verzögern. Sie sollte nach bisheriger Planung im Frühjahr 2021 bereits bezugsfertig sein. In zwei Gebäuden in massiver Holzbauweise sind insgesamt 21 Wohnungen unterschiedlicher Größe geplant, sie sind barrierefrei, zwei auch rollstuhlgerecht. Herzstück des Projekts ist ein Gemeinschaftshaus im Stil eines kleines Bauernhauses für Veranstaltungen, das in ein Wohnhaus umfunktioniert werden kann, falls es nicht ausreichend genutzt werden sollte. Die Kostenberechnung liegt bisher bei insgesamt etwa 6,6 Millionen Euro. Die Regierung von Oberbayern hat eine Förderung von 7,6 Millionen Euro aus dem Topf für den kommunalen Wohnungsbau bewilligt, weil auch das Grundstück eingerechnet wird, das die Gemeinde einbringt.

Um die Kosten im Rahmen zu halten, war im vergangenen Jahr bereits das Gemeinschaftshaus in der Planung verkleinert worden. Das Belegungsrecht für die Wohnungen liegt bei der Gemeinde. Sie sollen für Personen und Familien mit kleineren Einkommen reserviert werden sowie als Anreiz, um Mitarbeiterinnen beispielsweise fürs Kinderhaus mit günstigen Mieten für Kranzberg gewinnen zu können.

© SZ vom 09.04.2020

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