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Konzert am Campus:Musikgenuss im Chemiehörsaal

Das Orchester spielte auch Werke von Kurt Weill, "einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts", wie Dirigent Felix Mayer sagte.

(Foto: Marco Einfeldt)

In ungewohnter Umgebung konzertieren Studierende und Mitarbeiter der Hochschule Weihenstephan und der TUM. Es wird ein launiger Abend von Johann Sebastian Bach bis Kurt Weill.

Zwei Stunden Musikgenuss boten Studierende und Mitarbeiter der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Technischen Universität München (TUM) am Mittwochabend während ihres Semesterkonzerts im zentralen Hörsaalgebäude. Der für Konzerte eher ungewöhnliche Ort störte das Musikerlebnis nicht. Im Gegenteil, Musiker vor den großen Tafeln und den Tischen, auf denen normalerweise Chemieexperimente vorgeführt werden, zu erleben, schaffte eine ganz besondere Atmosphäre.

Gut gefüllt war der Hörsaal sicher auch deshalb, weil man nicht konzentriert Wissen aufsaugen und abspeichern musste, sondern sich der Musik hingeben konnte. Den Anfang machte das Orchester unter der Leitung von Felix Mayer mit der Fuge in G-Moll von Johann Sebastian Bach. "Es geht uns nicht um Perfektion, sondern das Schöne ist, dass wir an der Uni zusammen Musik machen und jeder dabei sein kann", sagte Mayer. Die Zusammensetzung der Ensembles wechsle jedes Semester, neue Musiker und Sänger kämen dazu, andere gingen wieder, sodass er die Stücke vor Semesterbeginn immer so auswähle, dass sie auch beispielsweise ohne Oboen, die heuer leider fehlten, gespielt werden könnten. Im Moment seien die Geigen sehr stark vertreten, jedoch nur drei Celli dabei. Mayer hofft, dass in Zukunft wieder Oboisten zum Ensemble dazu kämen.

Felix Mayer ist in München und Freising ein ziemlich gefragter Dirigent

Der Dirigent ist seit 2003 künstlerischer Leiter des Symphonischen Ensembles München, des Chors und Orchesters der TUM und der Weihenstephaner Musikwerkstatt. 2012 gründete er zudem den TUM Chor. Er leitet die jährlichen Konzerte der TU in der Philharmonie am Gasteig und wurde 2017 zum Honorarprofessor der Universität ernannt. Die Weihenstephaner Musiker und Sänger haben also einen kundigen Dirigenten, der das Beste aus jedem herausholt und während der Proben ein einheitliches Ensemble formen kann. Nach dem "Intro" des Orchesters sang der Chor, der die leisen und die lauten Töne souverän beherrschte, das Stück "If music be the food of love", ein Stück aus dem 17. Jahrhundert. Es folgten zwei Werke aus dem 20. Jahrhundert, bevor die Orchestermusiker wieder die Notenblätter aufschlugen.

Zudem hatte Dirigent Meyer zwei Stücke von Kurt Weill und Bertolt Brecht ausgewählt. Das Orchester spielte ein Potpourri aus der "Dreigroschenoper", darunter auch "Die Seeräuber-Jenny" und ein Stück aus der Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Worum es in den beiden Werken ging, erläuterte zuvor Kontrabassistin Andrea Eberle. Natürlich wäre es noch schöner gewesen, wenn eine Sängerin die berühmte "Seeräuber-Jenny" oder "Mackie Messer" gesungen hätte, aber dafür brauche es mehr Vorbereitungszeit als nur die Proben während eines Semesters, erklärte der Dirigent.

Karl Muskini führte mit Anekdoten durch das Programm

Den Taktstock übernahm dann Karl Muskini mit seinem Jazz-Projekt, der natürlich die selben Vorgaben wie Mayer hatte, nämlich ein Ensemble aus ständig wechselnden Mitgliedern zu betreuen. Launig wie immer erklärte Muskini den Zuhörern das Stück "Das Chamäleon". Das Experimentelle daran sei, dass die Musiker, während sie das Stück erarbeiteten, es auch veränderten. "Wir wollen mit der Musik uns selbst, aber auch die Zuhörer erheitern", bekannte Muskini. Nach dem rhythmischen Schmankerl "Burritos to go" des Jazz-Projekts versammelte sich die gesamte Bigband auf der Bühne und intonierte kraft- und schwungvoll "Down to the nightclub". Trompeter, Saxofonisten, Schlagzeuger und Rhythmustrommler hatten sichtlich Freude an ihrem Tun.

Kein Wunder, denn Muskini führte mit lustigen Anekdoten und Witzen durch das Programm, das schließlich mit einem beschaulichen "The Look of Love" endete, bei dem die Trompeter nochmals ihr Können hören ließen.

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