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Konsequenter Weg nach oben:Cool bleiben und laufen, bis nichts mehr geht

Theresa Straßberger aus Au will als Biathletin Profisportlerin werden und ist auf Erfolgskurs.

(Foto: Einfeldt)

Biathletin Theresa Straßberger aus Au wusste früh, dass sie Profisportlerin werden will. Aktuelles Ziel ist die Junioren-WM

Von Gudrun Regelein, Au

Ihr erstes Trainingspensum an diesem Novemberfreitag hat Theresa Straßberger schon sehr früh am Morgen absolviert. Ein Zwei-Stunden-Lauf: "Eher locker heute, etwa 16 Kilometer", sagt sie. Später, am Nachmittag, geht es dann noch in den Kraftraum. Die 19-Jährige aus Au verfolgt seit langem mit großer Konsequenz ein Ziel: Sie will Profisportlerin werden. In einer im Landkreis eher ungewöhnlichen Disziplin, im Biathlon. Bislang ist Straßberger auf Erfolgskurs. In der Gesamtwertung des Deutschlandpokals belegte sie in diesem Jahr bei der Jugend weiblich Platz drei und schaffte damit den Sprung in den C-Kader des Deutschen Skiverbands. Ihr nächstes großes Ziel, für das sie diszipliniert trainiert, ist nun die Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft im Januar in Rumänien.

"Eigentlich wusste ich schon als Kind, dass ich Biathletin werden wollte", erzählt die junge Frau. Gemeinsam mit ihrem sportbegeisterten Vater habe sie damals viel Biathlon im Fernsehen angeschaut. "Ich war so fasziniert davon, dass ich es unbedingt auch machen wollte." Die Kombination aus schnellem Lauf und Schießen fasziniert sie. Und: "Beim Biathlon ist immer alles offen. Dreißig Sekunden bei einem Schießen können alles durcheinanderwürfeln." Beim Skifahren dann noch draußen in der Natur sein zu können, mache diesen Sport für sie so anziehend.

Vielleicht ist es gerade diese Hartnäckigkeit, die Straßberger schon als Kind an den Tag legte, die sie für ihre Karriere braucht. Als Sechstklässlerin nämlich besorgte sie sich Informationen über Sportinternate und fand mit dem in Oberwiesenthal in Sachsen eines, das auch Kinder ohne Biathlon-Erfahrung aufnahm. Straßberger bestand die Aufnahmeprüfung aus Sprints, Kraftübungen und Geschicklichkeitstests und ging als Zwölfjährige ins 300 Kilometer entfernte Sportinternat. Natürlich habe sie ihre Familie vermisst, habe gerade zu Beginn Heimweh gehabt, aber: "Ich wusste, dass das die einzige Möglichkeit ist, mein Ziel zu erreichen." Lernen, Training, Wettkampf - so sahen ihre nächsten Jahre aus. Nach der zehnten Klasse wechselte Straßberger schließlich nach Oberhof in Thüringen, wo sie heuer Abitur machte.

Nur vier ihrer Mitabiturienten wollten wie sie als Sportler Karriere machen, erzählt die junge, zierliche Frau. Zu Beginn, als Jugendliche, habe sie bei Wettkämpfen noch große Konkurrenz gehabt, mittlerweile werde diese in ihrer Altersklasse schon geringer. Mit 30 anderen Starterinnen musste sie sich beispielsweise in diesem Jahr um sechs Weltcup-Plätze schlagen. Nur wenige schaffen den Durchbruch und werden Profisportler, das weiß auch Straßberger. Trotzdem nimmt sie für ihr großes Ziel vieles in Kauf: beispielsweise nur zwei freie Wochen im Jahr zu haben, einen disziplinierten Lebensstil führen zu müssen und zumindest derzeit kein üppiges Einkommen erwarten zu können. Seit dem Frühjahr bekommt Straßberger als Sportsoldatin bei der Bundeswehr immerhin ein Gehalt. "Auch wenn ich davon nicht reich werde, kann ich davon leben." Derzeit sei sie auf der Suche nach weiteren Sponsoren, die sie unterstützen wollen, sagt sie. Zumindest habe sie als Sportsoldatin genügend Zeit für ihr Training - erst im kommenden Frühjahr muss sie die Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvieren.

20 bis 25 Trainingseinheiten sind es derzeit jede Woche, nur am Sonntag ist Ruhetag. Etwa 300 Kilometer - Radfahren, Laufen oder Skirollern - stehen derzeit auf ihrem Wochenplan, dazu kommen Krafttraining und das Schießen am Stützpunkt in Ruhpolding, ihrem derzeitigen Wohnort. Natürlich müsse man dafür den notwendigen Ehrgeiz haben, sportverrückt sein - "sonst würde man manche Trainingseinheit wahrscheinlich nicht mitmachen." Für den Wettkampf brauche es dann eine gewisse Coolness, gerade im Schießstand müsse sie sich total auf diesen Moment fokussieren, erzählt Straßberger. "Und auf der Strecke musst du dann den inneren Schweinehund überwinden und laufen, bis nichts mehr geht."

Natürlich hofft sie auf eine Karriere wie sie Magdalena Neuner hatte, ihr Vorbild aus Kindertagen. In Au, wo Theresa Straßberger häufig bei ihren Eltern zu Besuch ist und "auftanken" kann, werde sie schon oft erkannt, sagt sie und lacht. Ihr ganz großer Traum aber ist eine Olympiateilnahme - und "dort eine Medaille zu gewinnen natürlich auch." Derzeit habe Biathlon in ihrem Leben absolute Priorität. Aber einen Plan B gibt es dennoch, sagt Theresa Straßberger. "Wenn es aus irgendeinem Grund nicht klappt, dann würde ich gerne Medizin studieren", erzählt sie. Und danach als Sportärztin arbeiten - am liebsten für den Skiverband

© SZ vom 10.11.2015
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