Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahlkampf in Moosburg:Viele Übereinstimmungen

Bei einer Podiumsdiskussion des Heimatvereins präsentieren die acht Moosburger Bürgermeisterkandidaten ihre Positionen

Von Alexander Kappen, Moosburg

Am Ende dankte Anton Neumaier, Vorsitzender des gastgebenden Heimatvereins, den acht Kandidaten "für das faire Verhalten und die Disziplin - das hätte auch ganz anders kommen können". Der einzige Zeitpunkt, an dem die erste Podiumsdiskussion des aktuellen Bürgermeisterwahlkampfes am Freitagabend vor mehr als 100 Zuhörern im überfüllten Saal des Moosburger Rotkreuzheims in eine andere Richtung zu laufen drohte, war gleich zu Beginn. Da nutzte ÖDP-Bewerber Jörg Kästl einen Teil seiner Redezeit, um ein Statement für Toleranz, Menschlichkeit, Meinungs- und Gewissensfreiheit und gegen Rechtspopulismus zu platzieren.

Kästl wurde postwendend von Neumaier wieder auf Linie gebracht. "Ihr habt das neulich am Viehmarktplatz ausgetragen, das ist nicht Thema des Abends", betonte Neumaier. Bei weiteren Verstößen "entziehe ich das Wort". Er spielte damit auf das "Fest für Menschlichkeit und Toleranz" an, das am Dienstag als Antwort auf eine AfD-Veranstaltung in der Schäfflerhalle gefeiert worden. Am Freitag saß AfD-Kandidat Gerhard-Michael Welter, der am Dienstag mit seiner Partei den Wahlkampf in der Schäfflerhalle eröffnet hatte, nun mit den Bewerbern aller anderen Parteien, die sich vor der Halle gegen Hetze und Rechtspopulismus positioniert hatten, nun gemeinsam auf einem Podium. Und auf diesem sollte es fortan vornehmlich um Sachthemen gehen, die dem Heimatverein am Herzen liegen. Dabei zeigten die acht Bürgermeisterkandidaten - neben Kästl und Welter waren das Georg Hadersdorfer (CSU), Michael Stanglmaier (Grüne), Josef Dollinger (FW), Gunnar Marcus (SPD), Stefan John (Linke) und Philipp Fincke (FDP) - bei der Beantwortung zweier Fragen, zu denen sie alle Stellung bezogen, doch viele Übereinstimmungen. In der dritten Runde bekam jeder eine eigene Frage zugelost. Es folgten Bürgerfragen zur Kläranlage, zur Seniorenpolitik sowie zu Neubaugebieten und der dafür erforderlichen Infrastruktur. Die Bewerber interpretierten das Ganze oft so, dass sich in der Antwort zumindest ein Teil des eigenen Wahlprogramms unterbringen ließ.

Die erste Frage drehte sich um die Zukunft des denkmalgeschützten, baufälligen Bürgerhauses am Gries. Im Prinzip ging es in der von Karin Alt moderierten Diskussion darum: Erhalten oder abreißen? Es sei grundsätzlich dafür, Baudenkmäler zu erhalten, sagte Stanglmaier. "Ideal wäre es, wenn die Stadt das Gebäude besäße, dann wären wir Herr der Lage." Er schlug einen Dialog mit dem Eigentürmer vor und eine Prüfung der Fördermöglichkeiten. "Es fehlen Fakten, es braucht ein Gutachten", meinte Kästl, der es prinzipiell allerdings schon als erstrebenswert erachtet, "das Haus zu erhalten". Es müsse, immer unter dem Anspruch, das Haus zu erhalten, mit dem Investor geredet und eine Lösung gefunden werden, meinte John. Vielleicht könne man im ersten Stock bezahlbaren Wohnraum oder Platz für soziale Zwecke schaffen. Der neue Bürgermeister müsse das Gespräch mit Eigentümer und Denkmalschutz suchen, sagte Fincke. Er sei ebenfalls für den Erhalt, "das Haus muss wieder ein Schmuckstück werden".

Dollinger möchte das Haus "abtragen und originalgetreu wieder aufbauen". Allerdings etwas zurückversetzt, so dass ein arkadenmäßiger, geschützter Fußgängerweg gebaut werden kann. Die Stadt sei bisher ein schlechtes Beispiel beim Denkmalschutz, meinte Welter. "Die Sabathiel-Baracke hat sie verfallen lassen." Am Gries würde er "Kontakt zum Eigentümer aufnehmen und Zuschüsse prüfen". Hadersdorfer würde "ein statisches Gutachten in Auftrag geben", um das Gebäude "mit allen erdenklichen Mitteln der Nachtwelt zu erhalten". Vielleicht könne man ein Museum in dem Haus unterbringen. Man müsse dieses "so wiederherstellen, dass es den Charakter der Umgebung unterstützt", sagte Marcus. Wenn die Stadt es erwerben könnte, wäre ein Haus der Vereine vorstellbar.

Die Frage, wie man dem Leerstand in der Innenstadt begegnen könne, meinte Marcus: "Man muss erst die Aufenthaltsqualität steigern, dann kommen die Geschäfte." Hadersdorfer will eine Wirtschaftsförderer als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Hausbesitzern, Marketing eG und Geschäftsleuten installieren. Welter will "den Durchgangsverkehr reduzieren" und sagte, "der Bus muss wieder durch die Stadt fahren". Dollinger will es mit einem attraktiven Stadtbild und einer temporären Fußgängerzone versuchen. Auch Fincke möchte die Innenstadt "attraktiver machen und aus einer Hand sanieren, damit man merkt, dass alles zusammengehört". John will "Geschäfte des täglichen Bedarfs wieder in die Innenstadt holen". Die Geschäfte selbst müssten in Sachen Onlinehandel mit der Zeit gehen. Jörg Kästl forderte "eine Art Aldi oder Rewe to go" und eine mehrjährige Planung für die Moosburger Innenstadt. Verkehrsberuhigung, zügige Sanierung öffentlicher Plätze und ein "besseres Stadtmarketing mit aktiverem Leerstandsmanagement" schlug Stanglmaier vor.

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SZ vom 10.02.2020
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