Kommunalwahlkampf in Freising Ja, sie will

Susanne Günther in ihrer Wohnung in Freising

(Foto: Marco Einfeldt)

Freisings Grüne nominieren erwartungsgemäß Susanne Günther als Oberbürgermeister-Kandidatin. Die 46-jährige möchte die Stadt in ein "Musterbeispiel moderner grüner Urbanität" verwandeln.

Von Kerstin Vogel, Freising

Kämpferisch, selbstbewusst und mit einer klaren Vorstellung von der Zukunft der Stadt Freising hat sich Grünen-Stadträtin Susanne Günther am Donnerstagabend wie erwartet zur Oberbürgermeister-Kandidatin ihrer Partei wählen lassen. Mit den Worten: "Ja, ich will" hatte sie ihre zwanzigminütige Bewerbungsrede im Stadtcafé eröffnet und mit diesem Satz auch mehrfach bekräftigt, wie ernst es ihr mit ihrer Bewerbung ist.

Die Zeit sei reif für eine "grüne" Oberbürgermeisterin in Freising, sagte Günther. Sie habe vor 27 Jahren schon einmal "Ja, ich will" zur Stadt Freising gesagt, als sie hergekommen sei, um Landschaftsarchitektur zu studieren. Jetzt wolle sie die Stadt in ein "Musterbeispiel moderner grüner Urbanität" verwandeln. Ausdrücklich stellte sich die 46-Jährige dabei gegen jedwede Form rechtsextremer und menschenfeindlicher Strömungen. Ebenso eindeutig positionierte sie sich gegen den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen - doch auch "sozial" soll ihre künftige Arbeit geprägt sein. Gegen die Wohnungsnot sei etwa eine andere Bodenpolitik erforderlich, so Günther: "Wir dürfen nicht mehr jeden Quadratmeter an den Erstbesten verkaufen."

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Das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt habe gezeigt, dass die Grünen auf dem richtigen Weg seien. Wenn es nach ihr ginge, "ich würde jedes Fitzelchen in der Stadt begrünen", sagte Günther. Beste Voraussetzungen dafür seien auch durch die örtlichen Hochschulen gegeben. Hier würden genau die Themen gelehrt, die derzeit maßgeblich seien.

Wenn jetzt die jungen Leute für den Klimaschutz auf die Straße gingen, müsse die Politik endlich handeln: "Wir müssen in der Klimapolitik auch auf der kommunalen Ebene radikaler werden", so Günther. Die erforderliche Verkehrs- und Energiewende aber "werden wir mit einem Tobias Eschenbacher nicht schaffen", setzte sie einen Seitenhieb auf den amtierenden Oberbürgermeister, der im März 2019 wieder gewählt werden möchte. Wer global denke und lokal handele, "landet immer bei grünen Antworten", ist die Stadträtin überzeugt. In Freising aber kämen 1000 junge Leute zu einer "Fridays for future"-Demonstration und trotzdem heiße es: "Baggern für die Westtangente, baggern für die Osttangente."

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Was die Kultur in der Stadt angehe, so beklagte Günther das anhaltende Sterben der Szenekneipen und ein Ausbluten der Innenstadt. Natürlich gebe es viele Veranstaltungen, aber das seien immer nur Events, es gebe kaum noch feste Orte, an denen Kultur stattfinde. Man schaffe in der Altstadt gerade riesige graue Flächen, die belebt und bespielt werden müssten, so die Kandidatin: "Geben wir den Menschen ihren Raum zurück." Gegen die "Eventisierung unserer Stadt" brauche es unter anderem Kneipen wie das "Abseits". Sie wolle mit den Freisinger Grünen stärkste Fraktion im nächsten Freisinger Stadtrat werden, bekräftigte Günther abschließend und zitierte keinen geringeren als John F. Kennedy: "Wer, wenn nicht wir, wann, wenn nicht jetzt?"

Dass Susanne Günther in ihren Augen die richtige Kandidatin für die anstehenden Aufgaben ist, daran hatten zumindest zwei prominente Unterstützer an diesem Abend zuvor keine Zweifel gelassen. Eike Hallitzky, Landesvorsitzender der Grünen, nannte die "Oberbürgermeisterin in spe" eine "brillante Frau". Susanne Günther sei klug, extrem engagiert, durchsetzungsstark und könne auf die Menschen zugehen. Die Freisinger dürften sich glücklich schätzen, "sie wählen zu dürfen", so Hallitzky. Unterstützung für die Kandidatur kam auch von der Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer, die seit mehr als sechs Jahren aus privaten Gründen teilweise in Freising lebt und der die Stadt seither ans Herz gewachsen ist, wie sie sagte. Sie freue sich sehr, dass mit Susanne Günther jetzt eine Frau kandidiere, die ganz klar sage: "Ich will in die erste Reihe. Ich traue mir das zu."

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