bedeckt München
vgwortpixel

Kommunalwahl 2020:Welche Bürgermeister nicht mehr antreten

Moosburg an der Isar, 2018

Besonders spannend wird es bei den Kommunalwahlen 2020 zum Beispiel in Moosburg. Anita Meinelt (CSU) tritt nach dann 18 Jahren nicht mehr als Bürgermeisterin an.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Viele Bürgermeister treten bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr nicht mehr an, um ihr Amt zu verteidigen. Sie gehen in den Ruhestand. Spannend wird deshalb im März in den folgenden Gemeinden, wer als Chef ins Rathaus einzieht.

In sieben Monaten wird es spannend. Am 15. März 2020 wählen die Bürger des Landkreises neue Gemeinde- und Stadträte, einen neuen Kreistag, neue Bürgermeister, Oberbürgermeister und einen neuen Landrat. Besonders interessant dürfte es da werden, wo die aktuellen Bürgermeister nicht mehr antreten: Der Amtsbonus fällt weg. Und das passiert im Landkreis in so einigen der 24 Gemeinden. Warum sie aufhören, was sie sich für ihre Gemeinde wünschen und wie es für sie weitergeht, haben die Bürgermeister der Freisinger SZ erzählt.

Rudelzhausen

Konrad Schickaneder, Rudelzhausen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Leicht falle ihm das Aufhören nicht, sagt Konrad Schickaneder, CSU. "Wenn man sein Leben lang in der Gemeinde tätig war, ist das eh klar." Nach 30 Jahren in der Gemeindeverwaltung, 18 davon als Bürgermeister, wird Schickaneder kommenden März nicht mehr antreten. Hauptgrund sei das Alter, sagt er: Bei der Kommunalwahl wird er 62 Jahre alt sein. Ganz vorbei sein dürfte es für ihn mit der Politik trotzdem nicht: Schickaneder ist Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Rudelzhausen. Möglich wäre außerdem, dass die Partei ihn auf die Liste für den Kreistag setzt. Am Herzen liegt Schickaneder für "seine" Gemeinde unter anderem das Freibad. "Es wäre mir sehr recht, wenn wir das in irgendeiner Weise halten könnten", sagt er. Spannend werde auch, ob Rudelzhausen in den kommenden Jahren gemeindeeigene Krippenplätze zur Verfügung stellen könne - momentan sei das nicht der Fall. "Ansonsten sind wir gut aufgestellt", meint er.

In Bayern wird bei der kommenden Kommunalwahl zum ersten Mal die AfD präsent sein. "In Rudelzhausen sieht und hört man in die Richtung noch nichts", meint Schickaneder. Bundesweit sind außerdem die Grünen stark - dass sich in Rudelzhausen ein eigener Ortsverband gründet, davon hat Schickaneder aber noch nichts gehört.

Marzling

Dieter Werner, 53, seit 2008 Bürgermeister für die Parteifreien Bürger in Marzling, wird das Amt nächstes Jahr niederlegen, so viel steht fest. "Eine neue Kandidatur geht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr", sagt er.

Hohenkammer

Johann Stegmair, Hohenkammer.

(Foto: Marco Einfeldt)

Fast ein Vierteljahrhundert lang war Johann Stegmair Bürgermeister von Hohenkammer, jetzt verlässt er das Rathaus. "24 Jahre sind genug", sagt der CSU-Politiker, der im Jahr der Kommunalwahl 62 Jahre alt sein wird. Jetzt sei für ihn der ideale Zeitpunkt zu gehen, meint Stegmair: Hohenkammer sei "optimal aufgestellt", was die Verwaltung betreffe. Er habe noch "ein paar Baustellen abgeräumt", sagt er und scherzt: "Und ich werde schauen, dass ich meinem Nachfolger ein paar Millionen hinterlasse."

Wer Stegmair im Rathaus nachfolgt, steht noch nicht fest. Offiziell sind noch keine Kandidaten nominiert, so der Bürgermeister - wenn es so weit ist, will er sich weitestgehend heraushalten. Eine Wahlempfehlung von ihm bräuchten die Bürger nicht: "Die sind selbständig genug."

Au

Karl Ecker, Marktgemeinde Au.

(Foto: Marco Einfeldt)

Karl Ecker von den Freien Wählern hält sich noch bedeckt, was eine erneute Kandidatur anbelangt. Er steht seit 24 Jahren an der Spitze des Marktes Au, davor saß er zwölf Jahre im Marktrat. "Eine Entscheidung über eine erneute Kandidatur werde ich zeitnah mitteilen", lautet seine Aussage.

Moosburg

Was ihren Nachfolger angeht, hat Anita Meinelt (CSU) einen Tipp für die Moosburger bereit: "Hört darauf, was wirklich getan werden soll - nicht auf das, was man sich wünscht." An Auswahl an Bewerbern werde es nicht mangeln, prophezeit Meinelt, zu den drei aktuellen Kandidaten kämen sicher noch weitere hinzu. Eine Wahlempfehlung will sie allerdings nicht abgeben.

Anita Meinelt tritt bei der Kommunalwahl nach dann 18 Jahren nicht mehr als Bürgermeisterin an. Zum Ende der nächsten Wahlperiode wäre sie 72 Jahre alt: "Da ist man in einer so dynamischen Stadt, wie Moosburg es ist, nicht mehr richtig", findet sie. Sie wolle sich jetzt auf die Familie konzentrieren. Wie es nach ihrer Amtszeit mit der Stadt weitergeht, dazu hat Anita Meinelt klare Vorstellungen. "Wir werden ganz viel in die Infrastruktur investieren müssen", sagt sie, die müsse nämlich mit dem Bevölkerungswachstum mithalten. Der Busverkehr müsse ausgebaut und der Stadtplatz zur Fußgängerzone umgestaltet werden. Sollte die AfD in den Stadtrat einziehen, würden mehr Kompromisse nötig, glaubt Meinelt: "Der Austausch in den Fraktionen muss dann noch intensiver sein."

Allershausen

Rupert Popp

Rupert Popp, Allershausen.

(Foto: Independent Light GmbH; Privat)

"Ich wünsche mir, dass es mit Allershausen so weitergeht wie in den letzten 24 Jahren: Immer nach oben", sagt Rupert Popp (Parteifreie Wähler). Als er Bürgermeister wurde, so erzählt er es, hatte die Gemeinde elf Millionen Mark Schulden und weitere teure Beschlüsse in der Pipeline. Seit 2008 sei man schuldenfrei - "und wir haben trotzdem in die Infrastruktur investiert." Seinem Nachfolger wünscht Popp "das gleiche glückliche Händchen". Dass der bald 65-Jährige bei der Kommunalwahl selbst nicht mehr antritt, steht für ihn seit längerem fest: "Das tue ich mir nicht mehr an", sagt Popp, er sei mittlerweile Opa von vier Enkeln: "Da hat man andere Prioritäten."

Zolling

Maximilian Riegler, Zolling.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Gemeinden herrsche heute ein ganz anderes Selbstverständnis als früher, meint Maximilian Riegler (CSU). Früher sei man in einem Ort aufgewachsen und oft dort geblieben: Heute dagegen ziehen viele Menschen neu in eine Gemeinde und gehen nach einer Weile weiter. "Je größer Gemeinden werden, desto mehr werden sie zu Aufenthaltsorten auf Zeit", sagt Riegler. Der Noch-Bürgermeister wünscht sich, dass Vereine und Ehrenamt in Zolling eine gute Position haben, die soziale Stabilität sei enorm wichtig, findet er. Für den 66-Jährigen ist kommendes Jahr nach 30 Jahren in der Kommunalpolitik und zwölf Jahren davon als Bürgermeister Schluss. Er freue sich schon auf mehr Selbstbestimmtheit, sagt er: "Dass man nicht mehr nach dem Kalender und nach der Uhr leben muss."

Wolfersdorf

Sebastian Mair, Wolfersdorf.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch für Sebastian Mair (Wählergemeinschaft Wolfersdorf) ist im kommenden Frühjahr aus Altersgründen Schluss. Ob er froh ist? "Das wechselt immer", sagt der 64-Jährige schmunzelnd. Der Bürgermeisterberuf habe schöne und nicht so schöne Seiten: Manchmal gebe es eben wie bei jedem Job Probleme, sagt er, das gleichen für ihn aber die Besuche in Kindergärten und Schulen wieder aus: Kinder seien immer so ehrlich und erfrischend. Für Wolfersdorf liegen Mair nach seiner 24-jährigen Amtszeit die Themen Infrastruktur und Baugebiete am Herzen. "Es ist wichtig, dass wir für Einheimische Bauland ausweisen", findet er.

Gammelsdorf

Paul Bauer ist seit 1996 Bürgermeister von Gammelsdorf, er wird nicht mehr für das Amt kandidieren. Der heute 66-Jährige ist damit seit 24 Jahren im Amt und möchte keine fünfte Periode für die Bürgernahe Gruppe Gammelsdorf anhängen. Seine neuen Aufgabenfelder sind nach eigenen Angaben Enkelkinder, Familie und Reisen.

Nandlstadt

Ob sich Bürgermeister Jakob Hartl (Bürgerliste Nandlstadt) für die Kommunalwahl 2020 aufstellen lässt, war trotz mehrfacher Versuche der Kontaktaufnahme nicht zu erfahren.

Wang

Hans Eichinger, Gemeinde Wang.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mit dem Klimawandel kämen gewaltige Veränderungen auf die Menschen zu, meint Hans Eichinger, Noch-Bürgermeister von Wang. Nur: "Die Menschheit ist Weltmeister im Verdrängen." Er selbst hätte sich gewünscht, dass Wang während seiner Amtszeit energieeffizienter werde. Er findet: "Die Kommunen sind die wichtigsten Rädchen." Ganz so, wie er es sich gewünscht habe, habe es aber nicht geklappt.

Für Eichinger (Freie Wählergemeinschaft Inzkofen) ist zur kommenden Kommunalwahl aus Altersgründen Schluss. Er wird dann 79 Jahre alt sein. Er freue sich auf die Zeit nach seiner Tätigkeit als Bürgermeister, sagt Eichinger: Mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen, Klavier spielen, und einen Pilotenschein hat er auch.

Eching

Sebastian Thaler

Sebastian Thaler, Eching.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ob Bürgermeister Sebastian Thaler noch einmal antritt, kann er erst im September sagen. Denn eigentlich ist die Bürgermeisterwahl in Eching ein Jahr später als die Gemeinderatswahl. Legt Thaler, wie angekündigt, seine Wahl auf den Termin der Gemeinderatswahl, verliert er eventuell Versorgungsansprüche. "Es ist aktuell nicht einmal bestätigt, ob nach neun Jahren und acht Monaten überhaupt ein Anspruch entsteht, da im Gesetz von zehn Jahren die Rede ist", sagt er. Deshalb lasse er die Frage momentan klären. Das Problem verschärft sich, da er derzeit noch die Möglichkeit hat, zu seinem früheren Arbeitgeber Siemens zurück zu kehren, nicht aber nach einer weiteren Amtsperiode. "Dann hätte ich weder einen Job noch eine gesicherte Altersversorgung."