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Kommunalwahl in Zolling:Klares Votum für Helmut Priller

Die Unabhängigen Bürger Zolling stellen den nächsten Bürgermeister - die Freude ist groß, sie hatten mit einem knapperen Ergebnis gerechnet

Helmut Priller (Unabhängige Bürger Zolling) ist der neue Bürgermeister der Gemeinde Zolling. Er setzte sich in der Stichwahl mit 55,5 Prozent gegen seinen Mitbewerber von der CSU, Markus Staudt, durch. Die Wahlbeteiligung bei der reinen Briefwahl lag bei 64,3 Prozent und damit um fast fünf Prozent höher als beim ersten Wahlgang am 15. März. Die Mehrheit der Zollinger Bevölkerung war offensichtlich nicht wahlmüde, sondern wollte ihren zukünftigen Gemeindechef mitbestimmen.

Wahlsieger Helmut Priller verbrachte den Abend im kleinen Familienkreis und freute sich über das klare Votum. "Ich hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet", sagte der zukünftige Zollinger Bürgermeister. Besonders gefreut habe ihn die Wahlempfehlung des Vorsitzenden der dritten Zollinger Wählergruppierung, der "Überparteilichen Wählergemeinschaft". Georg Völkl war am 15. März mit 24 Prozent der Stimmen ausgeschieden und hatte den Wählern nahe gelegt, in der Stichwahl ihre Stimme Priller zu geben. Unabhängige und überparteiliche Gruppierungen seien offensichtlich derzeit mehr gefragt als die Volksparteien, glaubt Priller. Er vermute aber auch, dass seine Glaubwürdigkeit und Authentizität die Wähler überzeugt hätten. Zudem hätten die Unabhängigen Bürger ein Wahlprogramm mit konkreten Aussagen vorgelegt.

Im Zollinger Rathaus wird künftig Helmut Priller (UBZ) über die Geschicke der Gemeinde wachen. Er löst Max Riegler (CSU) ab.

(Foto: Marco Einfeldt)

Leider könne er nun das Ergebnis nicht mit den Mitgliedern seiner Gruppierung feiern, er fühle sich wie der Goldmedaillengewinner in einem leeren Stadion, beschrieb Priller die aktuelle Situation. Aber natürlich werde man sich später gemeinsam über diesen Erfolg freuen. Auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen Gemeinderatsteam freue er sich, "wir werden mit frischem Schwung an die Arbeit gehen". Vor allem gelte es, Ausgaben genau zu kalkulieren. Zwar habe der bisherige Gemeinderat, der noch bis Ende April im Amt ist, den Haushaltsplan für das Jahr 2020 bereits erarbeitet, aber man könne die einzelnen Posten auch wieder ändern und an die vollkommen neuen Gegebenheiten durch die Corona-Krise anpassen.

Der unterlegene Bürgermeisterkandidat der CSU, Markus Staudt, kam erst wenige Tage vor der Stichwahl nach einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt wegen einer Corona-Infektion wieder nach Hause. Ihm sei klar gewesen, dass es eng werden würde, sagte er nach Bekanntwerden des Ergebnisses. Denn bereits bei der Wahl am 15. März hätten die beiden Bewerber Kopf an Kopf gelegen. Man müsse immer damit rechnen, dass man verliere und für ihn seien - natürlich auch durch die Krankheit - andere Dinge, vor allem seine Gesundheit, in den Vordergrund gerückt. Staudt hatte nicht für den Gemeinderat kandidiert und wird nun wieder in Berlin arbeiten. Seinem Konkurrenten Helmut Priller wünschte er alles Gute. Warum sich die Wähler mehrheitlich für Priller entschieden, darüber könne er nur spekulieren, so Staudt. Vielleicht habe Prillers langjährige Erfahrung als Kommunalpolitiker dann doch mehr überzeugt.

Als ob er seinen Erfolg geahnt hätte: Auf Helmut Prillers Wahlplakaten prangte am Sonntag schon einmal das "Danke" an die Wähler.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zollings Noch-Bürgermeister Max Riegler (CSU) hatte sich im Wahlkampf neutral verhalten, dies habe seine Rolle als Wahlleiter verlangt, sagte er. Kurz nach Bekanntwerden des Ergebnisses habe er seinem Nachfolger gratuliert. Ob er sehr enttäuscht sei, dass sich die Zollinger Bürger nicht wieder mehrheitlich für einen Kandidaten der CSU entschieden haben, dazu wollte er sich nicht äußern. Markus Staudt habe sich unter schwierigen Bedingungen "wacker geschlagen", sagte Riegler anerkennend.

© SZ vom 30.03.2020

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