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Kommunalwahl im Landkreis Freising:Grüne Welle

Am Sonntag entscheidet sich, wer den neuen Kreistag anführt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Umweltpartei kommt bei der Kreistagswahl auf 22,2 Prozent der Stimmen und hat nun 15 statt der bisher 13 Sitze. Mittlerweile ist sie auch am Land präsent. Die CSU bleibt stärkste Kraft, doch ihr laufen die Wähler davon

Der CSU laufen im Landkreis Freising weiterhin die Wähler davon. Im neuen Kreistag ist sie nur noch mit 18 Kreisräten vertreten. Im aktuellen stellen die Christsozialen noch 22 Mandatsträger. Der Verdacht liegt da nahe, dass da einige Stammwähler zur Konkurrenz, der Alternative für Deutschland (AfD), übergelaufen sind. Der Neuling bei Kommunalwahlen entsendet vier Kreisräte in das neue Gremium. Eigentliche Gewinner sind die Grünen. Sie verbesserten sich, die aktuelle Besetzung des Kreistags zugrunde gelegt, von 13 auf 15 Sitze. Bergab geht es weiterhin mit der SPD. Sie muss einen Sitz abgeben und verfügt nur noch über deren fünf. Die Freisinger Mitte (FSM) hat ihr Ergebnis von 2014 bestätigt und rangiert bei sieben Kreisräten. Achtungserfolge gelangen der FDP und der ÖDP. Sie verbesserten sich jeweils um einen Sitz auf deren zwei beziehungsweise drei. Die Linken entsenden konstant zwei Vertreter ins neue Gremium.

Das Schrumpfen der CSU vollzieht sich im Landkreis nicht mehr schleichend, sondern vielmehr rapide. 2008 kamen die Christsozialen bei den Kreistagswahlen noch auf 33,8 Prozent. Sechs Jahre später waren es 31,47 Prozent. Nach dem aktuellen Wahlgang plumpst die CSU gar auf magere 25,1 Prozent. Da hilft sogar die klassische Treue der Bevölkerung in den ländlichen Regionen des Landkreises nicht mehr. Stolzen 40,5 Prozent in der Gemeinde Fahrenzhausen stehen nahezu katastrophale 12,3 Prozent in Freising gegenüber. Der Malus, sich nie eindeutig gegen eine dritte Startbahn am Flughafen ausgesprochen zu haben, verfolgt die CSU nachhaltig.

Inwieweit die AfD vom Schwächeln der CSU profitiert, ist Spekulation. Möglicherweise spielt es da eine Rolle, dass die CSU die Politik der Bundesregierung in der Frage mit der Umgangsweise mit Flüchtlingen umgeht. Das Vorgehen erscheint manchem rechtskonservativen Wähler nicht rigoros genug, so dass er vom Lager der Christsozialen in das der AfD überwechselte. Die AfD kommt im neuen Kreistag auf vier Sitze. Ihre besten Ergebnisse erzielte sie in ländlichen Gemeinden. In Gammelsdorf beispielsweise mit 9,1 Prozent.

Klarer Gewinner sind die Grünen. Sie kamen bei der Kreistagswahl auf 22,2 Prozent der Stimmen, was im Endeffekt einen Gewinn von zwei zusätzlichen Plätzen im Kreistag ausmacht. Mittlerweile ist die Umweltpartei auch auf dem Land präsent und holt dort achtbare Ergebnisse. Nirgendwo ist sie nur einstellig. Mager schnitten die Grünen nur in Rudelzhausen mit zehn Prozent ab. Um so fulminanter sind die Ergebnisse in den südlichen Kommunen. Mit 28,3 Prozent erzielten die Grünen in Freising ihr bestes Ergebnis, distanzierten sogar die Freisinger Mitte. Nicht recht viel schlechter stehen sie in Moosburg (28,1), Marzling (27,1) und Neufahrn (27,4) da.

Die Freien Wähler mussten bei 19,9 Prozent (2014: 20,15) der Stimmen einen Sitz abgeben. Sie haben nun deren 14 inne. In dieses Ergebnis mag das Moratorium zur dritten Startbahn hineinspielen, das die Gruppierung sicher einige Stimmen gekostet hat. Nur 10,7 Prozent in der Stadt Freising sind die Quittung dafür. Im Gegenzug schneidet die Gruppierung umso besser ab, je weiter eine Gemeinde von der Kreisstadt entfernt ist. In Paunzhausen haben die Freien Wähler mit 37,5 Prozent ihr bestes Ergebnis eingefahren, dicht gefolgt von Au (35,3) und Mauern (33,5).

Die Freisinger Mitte bleibt mit weiterhin sieben Sitzen viertstärkste Fraktion im Kreistag. Mit ihren 9,9 Prozent hat sich die Gruppierung gegenüber 2014 sogar leicht verbessert (9,77). Klar, dass die FSM in Freising mit 25,7 Prozent bei der Kreistagswahl ihr bestes Ergebnis geholt hat. Die Attraktivität der Gruppierung reicht aber über die Stadtgrenzen hinaus. In Marzling finden beispielsweise 15,7 Prozent der Wähler die FSM attraktiv. Attenkirchen (12,5), Wolfersdorf (10,4) und Zolling (10,5) stehen da an Sympathiewerten für die Freisinger Stadtpolitiker kaum nach.

Immerhin einen Sitz mehr als die AfD hat die SPD inne. Sie entsendet fünf Vertreter in den neuen Kreistag. Das bedeutet im Vergleich zu 2014 einen weiteren Verlust um einen Sitz. Damit einher geht ein weiterer Sturzflug bei den Stimmenanteilen. 2008 kamen die Sozialdemokraten noch auf 13,41 Prozent der Stimmen, 2014 waren es noch 10,51. Am vergangenen Sonntag musste die SPD weitere drei abgeben und steht nun bei 7,2 Prozent. Einziger Lichtblick für die Sozialdemokraten: Die 10,5 Prozent in Langenbach, die dem Lokalmatador und Landratskandidaten Herbert Bengler gutzuschreiben sind.

Keine Veränderung gab es bei den Linken. Sie entsenden bei einem Stimmenanteil von 2,6 Prozent weiterhin zwei Vertreter in den Kreistag. Damit sind sie im Gremium die kleinste Gruppierung. Achtungserfolge gab es für die FDP (2,9 Prozent) und die ÖDP (4,3). Sie gewannen im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2014 jeweils einen Sitz dazu. Die Liberalen sind jetzt mit zwei Vertretern im Kreistag vertreten. Die ÖDP entsendet deren drei.

© SZ vom 18.03.2020
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