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Kommunalwahl 2020:Freisinger SPD feiert Warlimont

Freisings Sozialdemokraten nominieren OB-Kandidaten

Fast euphorisch gefeiert und einstimmig zum Oberbürgermeisterkandidaten nominiert wurde bei der Aufstellungsversammlung der SPD am Donnerstagabend Peter Warlimont. Der 55-jährige Lehrer an der Berufsoberschule lebt seit 31 Jahren in Freising, ist seit 30 Jahren SPD-Mitglied und gehört seit fünf Jahren dem Stadtrat an. Als OB, sagte er bei seiner Vorstellungsrede, wolle er die Gestaltungsmöglichkeiten dieses Amtes "nutzen und fruchtbar" machen. Er wolle den Menschen zuhören, sie ernst nehmen und erklären, warum er für oder gegen etwas sei. OB-Kandidat zu sein empfinde er als große Ehre und als große Verantwortung und Verpflichtung.

Als eines seiner wichtigsten Ziele bezeichnete Warlimont, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Stadt habe zwar einen überdurchschnittlich hohen Bestand an eigenen Wohnungen und bemühe sich, diesen zu sanieren und auszuweiten. Aber das genüge nicht, weil der Druck immer größer werde und es für Familien, Rentner, Alleinerziehende, Studierende, Gering- und Normalverdiener immer schwieriger werde, bezahlbaren Wohnraum in Freising zu finden. Warlimont forderte einen "Masterplan Bezahlbares Wohnen". Flächen für neue Wohnungen müssten ebenso definiert werden wie der Umfang des benötigten Wohnraums. Das dürfe man nicht dem Immobilienmarkt überlassen. "Wir müssen uns zeitliche Zielmarken setzen, bis zu welchem Jahr wir wie viele bezahlbare Wohnungen errichten wollen", sagte er.

Als weiteren Schwerpunkt seines Programm nannte Warlimont die Mobilität. Um den Ausstoß von CO₂ zu senken, müsse der Autoverkehr reduziert und der Umstieg auf Rad, Bus und Schiene gefördert werden. In Freising bedeute das, für eine Verbesserung der Radwegeverbindungen zu sorgen und das Bussystem auszubauen. Um eine durchgehende Verbindung von einem Ende der Stadt zum anderen zu erreichen, schlug Warlimont den Bau eines Bustunnels im Bahnhofsbereich vor, was freilich ohne staatliche Unterstützung nicht möglich sein wird, wie er einräumte. Außerdem forderte er, die Busse im Zehn-Minuten-Takt fahren zu lassen, von 6 bis 20 Uhr. Ein sinnvolles Fahrrad- und Autoverleihsystem und der entschlossene Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos seien weitere wichtige Schritte. Die Eindämmung der Klimakrise müsse eine Kernaufgabe der Politik, sagte Warlimont. Dazu gehöre der massive Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Stadt solle Hausbesitzer bitten, ihre Dachflächen noch mehr für Solaranlagen zu nutzen. Dass Klimaschutz wehtun müsse, wies der Kandidat zurück. Er müsse sozial verträglich gestaltet werden, sonst gewinne man die Menschen nicht, sondern verprelle sie. Das Eintreten der SPD für sozialen Ausgleich sei kein Versuch, Klimaschutz zu bremsen oder aufzuweichen - Klimaschutz werde dadurch gefördert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Warlimont, die Beschäftigten der Stadt ordentlich zu bezahlen. Die Eingruppierungen müssten genau geprüft und alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, Zulagen zu zahlen.

Aufgestellt wurde am Donnerstagabend auch die Stadtratsliste. Sie ist ausgewogen und im Reißverschlussverfahren Mann/Frau erstellt, wie SPD-Stadtverbandsvorsitzender Markus Grill betonte. Nicht mehr dabei ist die langjährige Stadträtin und Fraktionsvorsitzende Heidi Kammler, Helmut Weinzierl kandidiert auf dem letzten Platz. Angeführt wird die Liste von Peter Warlimont. Ihm folgt auf Platz zwei die 27-jährige Politikwissenschaftlerin und stellvertretende Ortsvorsitzende Teresa Degelmann. Auf Platz drei steht Markus Grill, der nicht nur SPD-Vorsitzender, sondern auch Vorsitzender des Mietervereins ist und schon mal darauf aufmerksam machte, dass demnächst das Volksbegehren für bezahlbaren Wohnraum gestartet werde. Die 39-jährige Erzieherin, Lehrerin und Schulpsychologin Julia Weinzierl folgt auf Platz vier, Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter (27), der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in München arbeitet, wurde auf Platz fünf gesetzt.