Kommentar:Schmerzhafter Sieg

Erich Irstorfer zieht erneut in den Bundestag ein. Ob er sich angesichts seiner deutlichen Verluste als Gewinner fühlen kann, ist fraglich

Von Kerstin Vogel

Der Traum von der "schwarz-gelb-orangen Koalition im Bund", den manch ein Freier Wähler im Landkreis Freising vielleicht noch gehegt hatte, war am Wahlabend dann doch relativ schnell geplatzt. Schon die ersten Prognosen für das Bundesergebnis machten die Hoffnung auf einen Einzug der Wählergruppierung in den Bundestag zunichte - und auch wenn der frühere Auer Bürgermeister Karl Ecker mit fast 13 Prozent der Erststimmen am Ende einen Achtungserfolg einfahren konnte, war er doch weit davon entfernt, Erich Irlstorfer das Direktmandat streitig zu machen.

Der wiederum musste - vor allem wohl dank Ecker - herbe Verluste hinnehmen, die um so mehr schmerzen dürften, als das nun schon die zweite Wahlschlappe nach 2017 ist. Damals verloren die Christsozialen bereits elf Prozent ihrer Wählerschaft im Landkreis - vor allem, weil die AfD bei der CSU Wählerstimmen gewildert hatte, ein Erfolg, den die Rechtsaußenpartei um den Nandlstädter Direktkandidaten Johannes Huber vier Jahre später nicht wiederholen konnte. Stattdessen musste auch Huber am Ende deutliche Verluste hinnehmen und rutschte mit seiner AfD wieder hinter die SPD zurück. Ihn selber dürfte das indes nicht zu sehr anfechten, er ist über Listenplatz 6 gut abgesichert und wird neben Irlstorfer weiter als zweiter "Freisinger" im Bundestag sitzen.

Ob die Freising-spezifische Sensation dieser Wahl noch eintritt, dass nämlich jenseits von allen Gewinn- oder Verlustrechnungen am Ende gleich vier Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Freising künftig in Berlin tätig sein werden, stand am Wahlabend bis weit nach 23 Uhr noch nicht fest - sowohl Andreas Mehltretter als auch Leon Eckert rechneten sich jedoch mit Blick auf das Abschneiden ihrer Parteien im Bund am Abend noch gute Chancen aus. Nimmt man den Achtungserfolg von Ecker noch dazu, hätte die Bundestagswahl im Landkreis Freising damit am Ende womöglich fünf Sieger hervorgebracht: Ob sich der tatsächliche Gewinner des Direktmandats angesichts der Stimmenverluste allerdings auch so fühlt, darf bezweifelt werden.

© SZ vom 27.09.2021
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