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Kommentar:Notwendige Investitionen

Die S-Bahn sollte nicht nur schöner, sondern auch pünktlicher werden.

Dass die S-Bahn 300 Millionen Euro in modernere Züge investiert, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn so wird mehr von der dringend benötigten Kapazität in den Zügen geschaffen: Nach dem Umbau haben statt 540 Fahrgäste in einem Abteil 600 Menschen Platz. Auch die geplante Entzerrung an den Türen ist wichtig: Im Moment sammeln sich vor allem zu Stoßzeiten alle Fahrgäste zwischen den beiden Türen - die Gänge zwischen den Sitzgruppen bleiben oft frei. Weil die Wände in den umgebauten Zügen kleiner ausfallen, gehen die Fahrgäste, so die Hoffnung, automatisch ins Wageninnere.

Man kann natürlich schon darüber streiten, ob man als Fahrgast wirklich 1904 doppelseitige Breitband-Monitore braucht oder eine Beleuchtung, die sich automatisch an die Lichtverhältnisse anpasst. Das Wichtigste bei der S-Bahn ist und bleibt, dass sie pünktlich kommt. Vor allem in Freising ist das oft nicht der Fall, bei Verspätungen fehlt dann meist auch eine verlässliche Ansage, wann die nächste S-Bahn zu erwarten ist. Die Züge des Nahverkehrs können noch so modern sein: Wenn man damit zu spät ankommt, bringt das alles nichts.

Der nächste Schritt in der sogenannten "Qualitätsoffensive" der Münchner S-Bahn sollte es deshalb sein, pünktlicher zu werden und die App so auf Vordermann zu bringen, dass sie Wartende rechtzeitig über Zugausfälle informiert. Bis zum Jahr 2020 alle S-Bahnen umzubauen, ist trotzdem wichtig: Denn wer regelmäßig mit der S-Bahn fährt, weiß, wie oft man am Bahnhof steht und sich fragt, warum die Bahn jetzt schon wieder nicht kommt. Manch einer reagiert wütend, ein großer Teil der Wartenden schaut auf sein Handy, bis die S-Bahn endlich da ist. Jetzt in einen der nagelneuen Züge einzusteigen, in denen sogenannte "Kuschelecken" für Wohnzimmer-Atmosphäre sorgen, kann den Fahrgästen zumindest das Gefühl geben, etwas mehr für ihr Geld zu bekommen. Eine einzelne Fahrt von Freising in die Münchner Innenstadt kostet immerhin 8,70 Euro, eine Monatskarte ganze 175,10 Euro. Kein Pappenstiel.